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Terminal Tribune

15. September 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Neun Nachrichten binden Sinema an North Carolina

15. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Raleigh, North Carolina — ein Richter öffnet eine Klappe, die besser geschlossen geblieben wäre. Neun Textnachrichten, gesendet von einer ehemaligen Senatorin an den Mann einer anderen Frau, werden zum Hebel, mit dem ein Bundesgericht die Zuständigkeit über eine Affäre beansprucht, die angeblich nie in diesem Staat stattgefunden hat.

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U.S. District Judge David A. Bragdon wies am Freitag den Antrag von Kyrsten Sinema zurück, die Klage der Ex-Frau ihres früheren Leibwächters Matthew Ammel abzuweisen. Sinema hatte vorgebracht, sie habe keinerlei Verbindung zu North Carolina. Bragdon konterte: neun Nachrichten, die Sinema über die Messaging-App Signal an Ammel schickte, während dieser sich in seinem Heimatstaat aufhielt. Diese neun Drähte, so der Richter, genügten, um North Carolina zum Gerichtsort zu machen. Es sei „unplausibel", dass Sinema nicht gewusst habe, wo Ammel sich aufhielt, als sie ihm schrieb.

Sinema hat die Beziehung zu Ammel bereits eingeräumt. In einer eidesstattlichen Aussage vom 31. Juli schilderte sie, wie die Affäre am 27. Mai 2024 in einem Airbnb in Napa begann — ein Kuss im Freien, dann Sex. Spätere Treffen folgten in New York, Washington, Colorado und Arizona. Niemals in North Carolina, sagte sie aus.

Die Klägerin Heather Ammel liest die Akte anders. Sie wirft der Ex-Senatorin vor, ihre „gute und liebevolle Ehe" zerstört zu haben, indem sie Matthew Ammel nachging, obwohl sie wusste, dass er verheiratet war. Matthew Ammel, Ex-Army, war 2022 in Sinemas Sicherheitsteam eingetreten. Anfang 2024 entdeckte Heather Ammel laut Klageschrift „romantische und laszive" Nachrichten auf Signal. Im Sommer 2024 trug Ammel seinen Ehering nicht mehr; Sinema habe ihm zudem eine Stelle als Stipendiat für nationale Sicherheit in ihrem Senatsbüro verschafft.

North Carolina gehört zu einer Handvoll US-Bundesstaaten, die Klagen wegen „alienation of affection" — Entfremdung der Zuneigung — zulassen. Die Klägerin fordert mindestens 75.000 Dollar Schadensersatz. Das klingt nach altem Recht, nach einem Relikt aus dem vorigen Jahrhundert, in dem verletzte Ehefrauen ihre Ehre vor Gericht einklagten. Es funktioniert noch immer.

Die Pointe liegt nicht in der Moral, sondern in der Mechanik. Bragdon schrieb in seiner Verfügung, die Nachrichten zeigten, wie Sinema „eine romantische Beziehung zu Mr. Ammel aufbaute und vertiefte — und die Ehe nicht nur während seiner Reisen mit ihr, sondern auch zu Hause in North Carolina angriff". Was einst als privater Flurt galt, wird durch die digitale Spur zum justiziablen Tatbestand konstruiert. Hier wird die Technik zur Waffe — und zur Falle zugleich. Signal, einst gelobt als Hort der Privatsphäre, liefert in diesem Fall die Beweismittel. Die App verschlüsselt den Inhalt, ja. Doch das Versenden einer Nachricht an einen bekannten Anschluss in einem anderen Staat reicht, um eine persönliche Verbindung zu konstruieren. Die Frequenz ist nicht abhörsicher vor dem Gesetz.

Sinema, mit einem Master in Sozialarbeit, später Anwältin und Professorin an der Arizona State University, 2022 von den Demokraten zur Unabhängigen gewechselt, war von 2019 bis 2025 Senatorin für Arizona. Ihr Anwalt Steven Epstein äußerte sich auf Anfrage nicht.

Die Klage enthält weitere Vorwürfe: Sinema habe Ammel auf einer Dienstreise gebeten, MDMA mitzubringen, um mit ihm eine „psychedelische Erfahrung" durchzuführen — eine selbsternannte Trauma-Therapie gegen seine PTBS aus dem Militärdienst im Nahen Osten. Die FDA hatte MDMA im vergangenen Jahr nicht als PTBS-Behandlung zugelassen.

Wer kontrolliert diesen Prozess? Nicht die Ehefrau allein — North Carolinas Gesetzesarchitektur tut es. Wer profitiert? Die Anwälte, die ein Instrument nutzen, das die meisten anderen Bundesstaaten längst abgeschafft haben. Wer zahlt den Preis? Sinema, deren Name nicht mehr für ein Mandat steht, sondern für eine öffentliche Ausweidung. Und Ammel, dessen PTBS-Behandlung vor Gericht zur Schlagzeile wird.

Bragdon hat die Klage nicht etwa für begründet erklärt. Er hat nur gesagt: North Carolina darf sie führen. Der eigentliche Prozess beginnt erst. Die Frage ist, ob ein Richter, der die Zuständigkeit mit neun Kurznachrichten begründet, am Ende auch das Substantielle prüft — oder ob der Schauprozess bereits das Urteil ist. Mein Lötkolben kühlt ab. Der Kaffee ist kalt. Die Drähte summen weiter, und North Carolina horcht mit.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 2 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Kyrsten Sinema kann wegen einer Affäre mit einem Bodyguard nach dem 'Homewrecker'-Gesetz verklagt werden

    „Former U.S. Sen. Kyrsten Sinema can be sued under North Carolina’s homewrecker law over her relationship with a member of her security detail, a judge ruled Friday.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT Der North Carolina Richter/Gericht hat die Klage gegen Kyrsten Sinema zugelassen, fortzuführen oder anhängig zu lassen

    „U.S. District Judge David A. Bragdon disagreed, on Friday denying the former lawmakers request to dismiss the civil complaint brought by the security guard’s ex-wife, Heather Ammel.“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

5 Quellen · 2 davon belegt · 3 externe Belege · 2 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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