25 Tonnen über 11 Meilen – Die Mechanik der Teufelspfeile
Boroughbridge, Yorkshire. Die Teufelspfeile stehen noch. Drei Steine, jeder ein Gewicht von fünfundzwanzig Tonnen, aufgerichtet vor viereinhalb- bis fünftausend Jahren, irgendwann in der späten Jungsteinzeit oder frühen Bronzezeit, vielleicht um zweitausend vor unserer Zeitrechnung. Sie ragen bis zu sieben Meter in den Himmel – die höchste noch stehende Steinreihe Britanniens.
Sie stehen auf Sherwood-Sandstein aus der Trias – aber sie selbst sind Millstone Grit, ein grobkörniger Sandstein aus dem Pennine-Becken, abgelagert während der Namurium-Periode vor mehr als dreihundert Millionen Jahren. Diese Unterscheidung ist nicht akademisch. Sie ist der Beweis.
Eine neue Studie der Curtin University, gemeinsam mit der University of York, hat die Herkunft der Blöcke isotopentechnisch zurückverfolgt. Das Ergebnis: die Steine stammen aus den Brimham Rocks in North Yorkshire – achtzehn Kilometer, elf Meilen vom Standort entfernt. Frühere Vermutungen verwiesen auf Plumpton Rocks, näher gelegen, scheinbar praktischer. Falsch. Die Erbauer haben den weiteren, den beschwerlicheren Weg gewählt.
Hier beginnt die Mechanik.
Fünfundzwanzig Tonnen, das ist keine Last, die zwei Männer zur Seite schieben. Auf gerader, harter Fläche erfordert das mindestens einhundert Arbeiter, realistischer zweihundert – und das über Wochen, nicht Tage. Die naheliegende ingenieurtechnische Lösung: Rundhölzer als Rollen unter den Stein, ein Schlitten aus verbundenen Stämmen als Träger. Diese Technik ist älter als die Teufelspfeile selbst. Man musste das Rad nicht erfinden. Man musste den Rundholztransport beherrschen.
Das zweite Glied in der Kette sind die Taue. Hier liegt das eigentliche technische Rätsel. Hanf und Flachs waren in Britannien um zweitausend vor Christus nicht in der Form verbreitet, die man für Schwerlasttaue bräuchte. Was bleibt: geflochtene Seile aus Weidenrinde, Haselnußfaser, Tierdarm, Lederstreifen. Die Bruchlast solcher Taue ist begrenzt; für fünfundzwanzig Tonnen Zugkraft braucht es ein ganzes Bündel, verteilt auf viele Seilstränge, geführt über Umlenkpunkte an vorderen Ankerbäumen. Das verdoppelt die effektive Mannschaft eines Zugteams und verteilt die Last.
Das dritte Glied ist die Arbeitsteilung. Niemand bewegt fünfundzwanzig Tonnen mit einem Häuflein Freiwilliger über moorigen Heideboden. Die Erbauer mussten eine Struktur haben: Vortrupps, die den Weg markierten und morastige Senken mit Reisig und Erde befestigten; Handwerker, die Schlittenkufen und Rollen instand hielten; Versorgungstrupps für Wasser und Nahrung über Wochen. Wer koordiniert eine solche Leistung, ohne dass die Felder leer bleiben und die Kinder hungern? Die Studie schweigt dazu. Sie sagt nur: die Menschen hätten das Gestein von Brimham nicht aus Bequemlichkeit gewählt, sondern wegen seiner Bedeutung.
Die Studie wurde geleitet von Dr. Anthony Clarke von der Timescales of Mineral Systems Group an Curtins School of Earth and Planetary Sciences. Koautor: Dr. Jim Leary von der University of York. Ihre Methode war Isotopenanalyse – ein Verfahren, das in den letzten Jahrzehnten die Archäologie umgeschrieben hat. Was früher Vermutung war, ist nun nachgewiesen: der Weg, die Distanz, die geologische Herkunft.
Was bleibt offen, ist das Wie im Detail. Welche Holzarten für die Rollen, welche Seilkonstruktion, wieviel Mann pro Tonne, wie viele Tage der Transport dauerte. Hier beginnt die Arbeit für jene, die das alte Werkzeug imitieren. Wer einen Nachbauversuch unternimmt, möge der Redaktion Bericht erstatten.
Die Drähte summen weiter. Der Stein bleibt stehen.
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