Verwaltungschaos in Neu-Delhi: Prüfungen storniert, Proteste vertröstet
Im Hauptgebäude der National Testing Agency summt das Telefon, im Delhi High Court liegen Akten aufgestapelt. Die Drähte zwischen Prüfungsbehörde und Richterbank glühen — und niemand kann derzeit sagen, wohin der Strom fließt.
Der erste Faden: UGC-NET. Am 4. September wies das Delhi High Court die NTA und die Zentralregierung an, auf eine Klage zu antworten, die die Wiederholung der Englischprüfung im UGC-NET vom Juni 2026 anficht. Die Kandidatin Parul Sheoran hatte an der Prüfung teilgenommen, die zwischen dem 22. und 30. Juni in 87 Fächern stattfand. Mit Bescheid vom 16. August wurde ihr mitgeteilt: die Englischprüfung wird am 9. September wiederholt, Soziologie am 10. September. Sheoran sagt, die Entscheidung sei ohne Offenlegung der materiellen Grundlage getroffen worden und habe das im Informationsbulletin vorgesehene Verfahren nicht eingehalten. Sie verlangt die Veröffentlichung der bereits im Juni erhobenen Ergebnisse. Sollte die Wiederholung bleiben, soll die ursprüngliche Gebühr zurück, eine erneute Zahlung entfallen. Die nächste Anhörung: 6. Oktober. Bis dahin: offen.
Der zweite Faden: Jantar Mantar. Demonstranten fordern — auch jetzt, erneut und laufend — die Überarbeitung des Reservierungssystems. Das Delhi High Court hat die Polizei angewiesen, über den Antrag der Karni Sena auf eine Demonstration am Jantar Mantar zu entscheiden. Genehmigt wurde bislang nichts — keine Erlaubnis erteilt. Während die Behörden die Zulassung prüfen, erhielt ein Student aus Noida im Umfeld der Proteste eine polizeiliche Mitteilung; sie wurde später zurückgezogen. Die Bewegung bleibt damit in einer Schwebe: kein offizielles Ja, kein offizielles Nein, nur die Erteilung und Rücknahme einzelner Notizen an Einzelpersonen. Mal heißt es, die Polizei prüfe den Antrag noch, mal, sie habe Anordnungen getroffen — die Quellen widersprechen sich.
Der dritte Faden, am Rand erwähnt und doch Teil desselben Musters: Der Supreme Court hat einen Petenten, der die Nachrüstung von Rauchgasentschwefelungsanlagen in thermischen Kraftwerken erzwingen will, an das National Green Tribunal verwiesen. Zuständigkeit statt Entscheidung. Ein weiteres Hängengalgen in einer Justiz, die zwischen Umwelt, Verwaltung und politischer Empfindlichkeit navigiert.
Die Überschrift der Geschichte ist alt: zwei Wege nach oben. Der eine führt über die Prüfung — ein Test, der das Tor zur Junior Research Fellowship, zur Assistenzprofessur und zum PhD-Programm öffnet. Der andere führt über die Quote — eine politisch umkämpfte Arithmetik, die den Zugang zu denselben Türen umverteilt. 2026 stocken beide Wege. Die Prüfungsbehörde kann ihren eigenen Kandidaten nicht erklären, warum sie erneut antreten müssen. Die Protestierenden können nicht ohne weiteres auf den Platz, an dem in Delhi seit jeher das Sichtbare verhandelt wird.
Wer zahlt den Preis? Die Studentin, die im Juni antrat und nicht weiß, ob ihr Ergebnis zählt. Der Student aus Noida, der eine Mitteilung erhielt und sie zurückerhielt. Die junge Forscherin, die auf eine JRF hinarbeitet. Der Anwärter auf eine Stelle im öffentlichen Dienst, der auf eine Quote spekuliert.
Die offenen Fragen stehen im Raum. Wird die NTA am 6. Oktober antworten — mit Inhalt oder mit Verschiebung? Werden die Juni-Ergebnisse veröffentlicht, oder wird nur die Wiederholung gewertet? Wird die Karni Sena eine Genehmigung für Jantar Mantar erhalten — und falls ja, mit welchen Auflagen? Wird der Noida-Vorfall ein Einzelfall bleiben oder zum Muster werden? Was genau fordern die Protestierenden, wenn sie „Überarbeitung" sagen — eine Erweiterung, eine Reduktion, eine Neuabgrenzung?
Solange diese Fragen offen sind, ist das Bild, das die Akten ergeben, kein einzelner Skandal. Es ist der tägliche Reibungsverlust einer Verwaltung, die Examen annulliert, ohne ihr Verfahren offenzulegen, und Demonstrationen vertröstet, ohne eine Entscheidung zu treffen. Das Versprechen sozialen Aufstiegs zerfällt hier nicht in einem Akt — es zerbröselt im Verwaltungsalltag, Anhörung um Anhörung, Mitteilung um Mitteilung.
Ada Voss, aus Neu-Delhi.
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