Erste Jobs durch Steuergeschenke — Hilton fordert Burnham zum Handeln auf
Stephen Cassidy, Großbritannien-Chef der Hotelkette Hilton, hat die britische Regierung aufgerufen, mit Steuererleichterungen gegen die Jugendarbeitslosigkeit vorzugehen. Drei konkrete Forderungen formuliert er: niedrigere Arbeitgeber-Sozialversicherungsbeiträge für die Hotellerie, eine „grundlegende Reform" der Gewerbesteuer sowie die Senkung der Mehrwertsteuer für das Gastgewerbe auf zehn Prozent — auf das Niveau europäischer Nachbarn. Eine zusätzliche Übernachtungssteuer, die Visitor Levy, lehnt er ausdrücklich ab.
Den Rahmen liefert ein Bericht des Thinktanks WPI Economics, erstellt im Auftrag von Hilton. Er beziffert die volkswirtschaftlichen Kosten der Jugendarbeitslosigkeit auf 14,4 Milliarden Pfund — entgangene Steuereinnahmen und zusätzliche Sozialleistungen zusammengerechnet. Ein erster Job erbringe demnach 152.000 Pfund Wirtschaftsleistung; füllte das Gastgewerbe seine freien Stellen mit jungen Leuten, entstünden rund 33.600 Stellen und jährlich 2,3 Milliarden Pfund.
Derzeit sind nach amtlichen Statistiken 13 Prozent der 16- bis 24-Jährigen ohne Arbeit, Ausbildung oder Studium — die sogenannten NEETs. Rund 400.000 suchen aktiv. Jeder vierte arbeitslose Jugendliche nennt fehlende Erfahrung als größte Hürde.
Cassidy sagt: „Wenn wir wollen, dass Unternehmen in die nächste Generation investieren, brauchen wir Politiken, die Arbeitgeber ermutigen, mehr Jobs zu schaffen." Das Gastgewerbe sei prädestiniert für den ersten Schritt ins Arbeitsleben; nach den Steuererhöhungen der vergangenen Jahre aber kaum noch in der Lage einzustellen. Hilton reiht sich damit in die Forderungen an Andy Burnham ein, die Steuerlast des Sektors zu senken. Die frühere Schatzkanzlerin Rachel Reeves hatte die Arbeitgeberbeiträge erhöht.
Bemerkenswert ist die Konstellation. Der Bericht, der die Krise beziffert, stammt aus dem Haus, das zugleich von den vorgeschlagenen Erleichterungen profitieren würde. 14,4 Milliarden Pfund sind eine Schadenssumme — und zugleich die Begründung für Entlastungen, die unmittelbar der Branche zugutekommen, in der das auftraggebende Unternehmen operiert. Das Papier ist eine Auftragsstudie. Was daraus wird, entscheidet sich in Westminster.
Eine andere Stimme kommt aus der Arbeitswelt. Paul Nowak, Generalsekretär des britischen Gewerkschaftsbundes TUC, hat die Regierung aufgerufen, „weiter und schneller zu gehen". Seine Diagnose: eine Wirtschaft, die für zu viele nicht funktioniert; ein Steuersystem, das Arbeit stärker belastet als Vermögen. Hilton antwortet auf die Jugendarbeitslosigkeit mit Entlastungen für Arbeitgeber. Die Gewerkschaften antworten mit einer Verteilungsfrage — wer zahlt morgen.
Wer kontrolliert die Lösung, wenn das Problem so groß ist? Hilton liefert die Zahl. Hilton liefert den Bauplan. Burnham bekommt den Entwurf. Die 400.000 jungen Leute, die gerade suchen, werden zur Begründung — und genau damit zur Währung einer Debatte, die um Steuersätze kreist.
Voss, Terminal Tribune. Die Drähte summen. Übersetzt.
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