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18. September 2026

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Hormus zerrt an der Kurve: Fossile Emissionen fallen um 0,5 Prozent

18. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Man nehme eine Meerenge, einen Krieg, eine IEA-Prognose. Heraus kommt ein globales Emissionsminus von einem halben Prozent. Wer hier von Klimaschutz spricht, sollte die Drähte prüfen.

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Die Carbon Brief-Analyse, Mitte September veröffentlicht, prognostiziert für 2026 einen Rückgang der fossilen CO2-Emissionen um rund 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Klingt nach Erfolg. Ist keiner. Es ist die Rechnung einer blockierten Meerenge.

Seit dem Ausbruch des US-iranischen Konflikts ist die Straße von Hormus kein Handelsweg mehr, sondern ein Risiko. Öl- und Gaspreise schnellen empor, Monat um Monat, jeder neue Zwischenfall im Jemen verschärft die Lage. Das ist nicht Klima. Das ist Geopolitik mit Vorzeichen.

Die Mechanik ist einfach: Was teurer wird, wird weniger verbrannt. Die Internationale Energieagentur liefert die Zahlen, die diesen Druck abbilden. Im Januar 2026 prognostizierte sie für Öl einen Nachfragezuwachs von 930.000 Barrel pro Tag. Im September korrigierte sie auf ein Minus von 2,5 Millionen Barrel. Eine Korrektur um 3,4 Millionen Barrel in acht Monaten — das ist kein Trend, das ist ein Knick.

Beim Gas verlief die Kurve ähnlich: zunächst plus 2,0 Prozent im Januar, dann minus 0,6 Prozent im Juli. Die IEA selbst hielt ihre ursprüngliche Gasprognose nicht bei und verwies auf den anhaltenden Preisdruck.

Und Kohle? Hier wird es pikant. Die IEA hatte noch im Dezember 2025 einen Rückgang der globalen Kohlenachfrage erwartet, getragen vom schwachen chinesischen Markt, der selbst die pro-Kohle-Politik der Trump-Administration überkompensieren sollte. Im September 2026 drehte die Agentur: plus 1,2 Prozent. Die Erklärung liefert sie selbst — hohe Gaspreise treiben Industrie und Stromerzeuger zurück zur Kohle. Allerdings schränkt die IEA ein: Nur wenige Länder können in großem Stil von Gas auf Kohle umschwenken. Der Mechanismus hat Grenzen.

Der Saldo bleibt negativ für die Fossilen: Der emissionsrelevante Kohlenzuwachs wird durch den Verfall bei Öl und Gas mehr als aufgewogen. Das ergibt das halbe Prozent.

Fossile Brennstoffe machen zwei Drittel der globalen Treibhausgasemissionen aus. Eine Halb-Prozent-Bewegung in diesem Segment ist statistisch ein Flüstern, politisch ein Donnern — wenn die Ursache stimmt. Stimmt sie nicht, ist das Flüstern alles, was bleibt.

Doch halt. Wo kein Klimaeffekt sein sollte, ist dennoch einer — verursacht von einer kriegerischen Blockade, einer Wetteranomalie und verschwendetem Windstrom in China. Die IEA selbst nennt das starke El Niño, das die Kühlnachfrage treibt und die Wasserkraft drückt, sowie den wachsenden Anteil nicht genutzter erneuerbarer Kapazitäten in China. Wer hier genau hinsieht, erkennt: Der Emissionsrückgang ist ein Schatten der Energiekrise, kein Licht der Transformation.

Die Quelle ist singulär. Carbon Brief liefert die Synthese, gestützt auf IEA-Daten. Die IEA revidiert, was der Markt ihr gibt. Eine Korrektur um mehr als das Dreifache bei der Ölnachfrage innerhalb eines Jahres ist kein Messfehler — sie ist ein Eingeständnis, dass die alte Prognose auf einer Welt ohne Hormus-Krise beruhte.

Die Climate TRACE-Daten für das erste Halbjahr 2026 bestätigen das Bild aus anderer Quelle: globale Treibhausgasemissionen bei 29,7 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent, gerade einmal 0,2 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Praktisch Stagnation — trotz, nicht wegen einer Transformation. Das UN-Umweltprogramm erinnert gleichzeitig, dass ein 1,5-Grad-Pfad einen Rückgang von 55 Prozent gegenüber 2019 bis 2035 verlangt. Davon ist die aktuelle Halb-Prozent-Bewegung Lichtjahre entfernt.

Wer also die Schlagzeile „Emissionen sinken" verbreitet, verschweigt die Quelle des Sinkens: ein militärischer Konflikt an einer strategischen Wasserstraße. Das ist keine Klimaschutz-Depesche. Das ist eine Kriegsdepesche mit ökonomischem Anhang.

Die Kurve beugt sich nicht unter dem Druck erneuerbarer Energien. Sie beugt sich unter dem Druck einer Geografie, die militärisch gesichert oder gesperrt wird. Wer das verschweigt, hat die Drähte nicht gehört.

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