Ervebo trifft Bundibugyo: 70.000 Dosen Hoffnung ins Ungewisse
BUNIA — Die Drähte summen, und was sie tragen, ist diesmal kein Funspruch aus London. Es ist eine Zahl aus dem Kongo: 70.000 Dosen Ervebo, angekündigt von der Weltgesundheitsorganisation WHO und ihren Partnern. Eine große Geste. Eine Geste gegen ein Virus, das Ervebo gar nicht zugelassen bekämpft.
Denn der aktuelle Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo wird vom Bundibugyo-Virus verursacht. Ervebo ist lizenziert für das Zaire-Ebola-Virus, einen anderen Erreger aus derselben Familie. Ob der Impfstoff auch gegen Bundibugyo schützt, weiß niemand. Frühe Labor- und Tierdaten geben Hinweise. Mehr nicht. Die WHO hat das selbst so formuliert.
Die 70.000 Dosen, die jetzt in den Kongo fließen sollen, sind deshalb kein Heilmittel im klassischen Sinn. 20.000 davon gehen in eine Phase-3-Studie — es wird klinisch geprüft, was geprüft werden müsste, bevor es flächendeckend verimpft wird. Die übrigen 50.000 sollen Frontpersonal und Gesundheitsarbeiter schützen, auf Empfehlung von WHO-Experten.
Während das in Genf und am Flughafen von Bunia sortiert wird, sterben die Menschen. 2.476 Tote bei 5.208 bestätigten Fällen. Sechs Provinzen im Osten betroffen. Die WHO spricht vom schnellsten Ebola-Ausbruch der Geschichte, etwa dreimal so schnell wie die Westafrika-Epidemie 2014 bis 2016 mit ihren 11.000 Toten. Eine Person stirbt ungefähr alle dreißig Minuten.
Die Zahlen selbst erzählen die schärfste Geschichte. Die meisten neuen Fälle treten außerhalb der überwachten Kontaktpersonen auf. Das Virus bewegt sich schneller, als die Behörden es kartografieren können. Genau das treibt die Totenstatistik nach oben. Die Fallverfolgungs-App, die Schutzanzüge, die mobilen Behandlungszentren — all das trifft auf ein Land, dessen Gesundheitsstrukturen dünn sind und dessen östliche Provinzen seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten leiden.
Bergarbeiter graben weiter, weil sie sonst nicht essen. Sie riskieren Ebola, um zu überleben. Das ist kein Bild, sondern Alltag in den Minenregionen. Papst Franziskus hat diese Woche zu verstärkten Anstrengungen gegen den Ausbruch aufgerufen — Worte aus Rom, die im Kongo weniger wiegen als ein funktionierendes Bestattungsteam. Die WHO hat die Lage zur globalen Notlage erklärt. Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sprach von internationaler Solidarität. Gavi, die globale Impfallianz, stellt sieben Millionen Dollar für den Transport und sechs Millionen für die Impfkampagne bereit.
Dann die Zahl, die nicht zusammenpasst. Mehrere Quellen sprechen von 70.000 Dosen, die der Kongo erhalten soll. Eine andere Meldung beziffert die erste Lieferung auf 16.000 Dosen. Beide Zahlen stehen in denselben Tagen in denselben Agenturmeldungen. Welche gilt? 70.000 angekündigt, 16.000 angekommen. Wer kontrolliert den Bestand? Wer prüft vor Ort?
Der Ausbruch in Uganda, der zeitweise parallel lief, gilt nach WHO-Angaben als eingedämmt. Im Kongo gilt er als das Gegenteil. Ein Land ringt mit einem Virus, für das es kein zugelassenes Serum gibt, während die Welt eine Großzügigkeit ankündigt, die in der konkreten Logistik noch nicht angekommen ist. Solidarität in Sätzen. Tod alle halbe Stunde.
Ada Voss horcht weiter. Die Frequenz sagt, was man erst hört, wenn man lang genug zuhört.
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