Börse 1937
Terminal Tribune

20. September 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Die letzte Drahtschleife: Gillibrand kippt Trumps Krypto-Deal

20. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Washington, späte Stunde. Im Senat summen die Strippen, und wer zuhört, hört vor allem eins: Geld. Senatorin Kirsten Gillibrand hat einen Entwurf zur Krypto-Marktstruktur – Kritiker nennen ihn unverblümt einen "Handout für Präsident Trump" – in letzter Minute mit zu Fall gebracht. Wenige Stunden zuvor hatte sie noch selbst bei Kollegen für das Gesetz geworben.

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Was wie ein politischer Eiertanz aussieht, ist bei näherer Betrachtung ein Beben. Der Entwurf brauchte sechzig Stimmen, um die Filibuster-Hürde zu nehmen. Mindestens sieben Demokraten hätten zustimmen müssen. Gillibrand galt als eine der wahrscheinlichsten Ja-Stimmen – bis sie im entscheidenden Moment mit den Progressiven stimmte und den Vorstoß kippte.

Die Wende kam so schnell, dass selbst Insider im Kapitol den Faden verloren. Nachmittags Lobbyarbeit für das Gesetz, abends Blockade. Ihr Büro hat auf Anfrage nicht erklärt, was den Sinneswandel ausgelöst hat. Schweigen, wenn die Kasse klingelt, ist in Washington keine Tugend – es ist Methode.

Die Spuren, die der Entwurf selbst hinterlässt, sind aufschlussreicher als jede Stellungnahme. Hunderte Millionen Dollar haben Krypto-Lobbyisten in den vergangenen Monaten durch die Hauptstadt gepumpt. Die Branche will Regulierung – aber ihre Regulierung. Ein Marktstrukturgesetz, das Krypto-Unternehmen klare Spielregeln gibt, klingt nach Vernunft. Es ist auch ein Türöffner: Wer einmal im System drin ist, gestaltet es mit. Und wer einmal drin ist, schreibt die Regeln für alle, die nachkommen.

Die Buchmacher sehen das nüchtern. Polymarket, die Online-Wettbörse, beziffert die Chancen, dass der Entwurf in diesem Jahr noch Gesetz wird, auf 18 Prozent. Wettmärkte irren sich oft. In diesem Fall liegt die Quote nahe genug an der Wahrheit, um wehzutun.

Während der Senat blockiert, hat das Repräsentantenhaus bereits nachgelegt. Weniger als 24 Stunden nach dem Scheitern des Marktstrukturvorstoßens – intern als Clarity Act geführt – hat das Steuergremium des Hauses einen separaten Krypto-Steuerentwurf vorangetrieben. Er soll die steuerliche Behandlung digitaler Vermögenswerte vereinfachen und die Bürden für Gelegenheitsgeschäfte senken. Die Industrie zeigt damit, dass sie mehrere Eisen im Feuer hat. Verliert sie die eine Schlacht im Senat, gewinnt sie vielleicht die nächste in einem anderen Ausschuss.

Die Frage, die bleibt, ist die nach dem Preis. Wer zahlt für die Verzögerung? Die Krypto-Unternehmen, die auf klare Regeln warten? Die Kleinanleger, die zwischen den Fronten zerrieben werden? Oder die Demokratie, die zuschaut, wie sich eine Branche mit Hunderten Millionen Dollar Gehör verschafft – und am Ende bekommt, was sie will, nur in kleineren Happen?

Gillibrand hat ihre Finger an beiden Drähten gehabt und einen losgelassen. Was sie bewogen hat, weiß derzeit niemand außerhalb ihres Büros. Sicher ist: Die Krypto-Lobby hat bereits Hunderte Millionen investiert. Weitere werden folgen – in Spenden, in Anzeigen, in Überzeugungsarbeit. Das Spiel ist nicht zu Ende. Es hat gerade erst begonnen.

Ada Voss, Terminal Tribune

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