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Terminal Tribune

20. September 2026

Dossier · Migration & Asyl

Weidels Kuckucksei: Die AfD-Frau und ihre Migrantin

20. September 2026 — — M. Silber

Ich habe in Wien Formulare ausgefüllt. Für Menschen, die niemand haben wollte. Ich habe gesehen, wie Familien auseinandergerissen wurden, weil ein Stempel fehlte, weil eine Unterschrift zu viel war. Ich weiß, was Paragrafen im wirklichen Leben anrichten.

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Und dann lese ich von einer Politikerin, die gegen Einwanderung kämpft — und eine Einwanderin geheiratet hat.

Alice Weidel, geboren am 6. Februar 1979, ist Co-Vorsitzende der Alternative für Deutschland, einer Partei, die sich selbst als Verteidigerin des "christlich-abendländischen Abendlandes" versteht. Sie lebt in der Schweiz. Sie ist verheiratet mit einer Frau, die in Sri Lanka geboren wurde und die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt. Sie hat mit dieser Frau zwei Söhne.

Das schreibt die New York Times im Februar 2025. Das bestätigt der Guardian im März desselben Jahres. Das halten die Faktenchecker von Snopes im September 2026 fest, nachdem ein Meme durch die sozialen Netzwerke wanderte, das genau diese Widersprüche in eine einzige Behauptung goss: Weidel sei die erste Politikerin der Welt, die anti-einwanderungspolitisch agiere und gleichzeitig eine eingewanderte Ehefrau habe. Die anti-LGBTQ+-Politik unterstütze und selbst lesbisch sei. Die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare ablehne und dennoch zwei Kinder adoptiert habe. Die eine hardline deutsche Nationalistin sei und in der Schweiz lebe.

Snopes schreibt: "Weitgehend wahr."

Die AfD hat auf Anfrage der Faktenchecker nicht reagiert. Das Schweigen sagt mehr als jede Stellungnahme. Es sagt: Wir haben keine Antwort, die nicht nach Heuchelei schmeckt.

Weidel ist keine kleine Funktionärin. Sie ist die prominenteste Politikerin einer Partei, die bei der letzten Bundestagswahl zweitstärkste Kraft wurde. Eine Partei, deren Programm die "Remigration" propagiert — ein Wort, das die endgültige Vertreibung derjenigen meint, die in Deutschland leben, aber nicht deutsch genug sind. Eine Partei, die das Wort "Leitkultur" so oft wiederholt, bis es seine Bedeutung verliert und nur noch Drohung bleibt.

Und diese Frau sitzt am Zürichsee mit einer Partnerin, die aus Colombo kommt.

Ich muss das einen Moment stehen lassen.

Es gibt ein altes Wort dafür: Kuckucksei. Man legt es in ein fremdes Nest, und der Wirt brütet es aus, ohne zu wissen, was da schlüpft.

Weidel ist das Kuckucksei der deutschen Rechten. Sie spricht Mandarin. Sie hat in Singapur gelebt, in Hongkong, in der Schweiz. Sie ist das, was ihre eigene Partei als "globalen Elite-Akteur" verachtet — und sie führt diese Partei.

Sie sagte in einem Interview, es gebe "keinen Widerspruch" zwischen ihrem Eintreten für traditionelle Familien und ihrem eigenen Leben. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Eine Frau, die mit einer Frau lebt. Die mit einer Frau Kinder großzieht. Die mit einer Migrantin verheiratet ist. Und die gleichzeitig die "traditionelle Familie" als Ideal preist.

Snopes zitiert sie: Es sei "kein Widerspruch".

Für Weidel nicht. Für die Menschen, die ich in Wien beraten habe, schon.

Denn während Weidel in der Schweiz mit ihrer Frau am Frühstückstisch sitzt, sitzen andere Menschen in Lagern an deutschen Grenzen. Während Weidel ihre Söhne zur Schule bringt, werden anderen Familien die Väter weggenommen. Während Weidel sagt, es gebe keinen Widerspruch, kämpfen Tausende gegen Paragrafen, die sie selbst mitformuliert hat.

Es ist kein Verbrechen. Es ist die perfekte Inszenierung.

Die perfekte Inszenierung einer Frau, die alles hat — die Liebe, die Kinder, das Geld, die Macht — und die dennoch so tut, als gehöre sie zu denen, die man an der Grenze abweisen müsste.

Snopes hält fest: Weidel sei die prominenteste Politikerin weltweit, die einer Partei vorstehe, die ihrem persönlichen Lebensstil widerspreche. Sie ist nicht die Einzige. Aber sie ist die Auffälligste.

Die NYT nannte sie im Februar 2025 eine "Studie in Widersprüchen". Der Guardian schrieb, sie habe "nicht gerade die soziodemographischen Merkmale einer typischen AfD-Wählerin". Beide Zeitungen schreiben das mit dem Understatement, das der angelsächsische Journalismus pflegt. Sie schreiben nicht: Das ist eine Heuchlerin. Sie schreiben: Das ist bemerkenswert.

Ich schreibe es anders.

Es ist eine Schande.

Eine Schande für eine Partei, die behauptet, das deutsche Volk zu vertreten, und deren Co-Vorsitzende im Ausland lebt. Eine Schande für eine Politikerin, die gegen Einwanderung redet und mit einer Einwanderin schläft. Eine Schande für ein Land, das solche Figuren an seine Spitze lässt.

Ich habe einen kleinen Koffer unter dem Schreibtisch. Für alle Fälle.

Man weiß nie, wann man ihn braucht.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZAHL Alice Weidel was born on 6 February 1979

    in der Recherche gefunden

  2. ZITAT Alice Weidel is co-chairwoman of the Alternative for Germany

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  3. ZITAT Alice Weidel lives in Switzerland

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  4. ZITAT Alice Weidel is married to a Sri Lankan-born woman

    „Weidel has a Sri Lankan-born wife with Swiss citizenship“ — wörtlich im Quelltext belegt

  5. ZITAT Alice Weidel's husband was born in Sri Lanka

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

Herangezogene Quellen

  • 3 weitere Quellen waren beim Schreiben nicht abrufbar

1 Quelle · 2 davon belegt · 3 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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