Börse 1937
Terminal Tribune

22. September 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

DIE HÜTTE BRENNT UND DIE DRÄHTE SINGEN

22. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Stralsund, Mitte September 2026. Die Nacht riecht nach Lötzinn und Sorge. Mecklenburg-Vorpommern wählt in wenigen Tagen einen neuen Landtag, und in den wenigen hellen Räumen zwischen Ostsee und Ackerland wird gelötet, debattiert, dokumentiert. Der Port39 in Stralsund, eine Außenstelle des Chaos Computer Clubs, bereitet sich auf das vor, was seine Mitglieder unverblümt das Szenario nennen: eine stärkste Kraft, die sie nicht wollen.

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Vier Hackspaces in Mecklenburg-Vorpommern haben einer Journalistin ihre Sicht der Dinge geschildert. Dieser Bericht stützt sich allein auf diese eine Quelle, einen Artikel von Rika Baack auf netzpolitik.org vom 15. September 2026. Jedes Zitat, jede Einordnung trägt das Gewicht einer einzigen Beobachterin. Wer die Linien zwischen den Buchstaben sucht, muss sich bewusst sein: Hier spricht eine Hand, nicht viele.

Die Kernthese, die aus diesen Gesprächen fällt, lautet: Was technisch ist, ist immer politisch. Ein Satz, der auf den ersten Blick wie ein Gemeinplatz klingt. Auf den zweiten Blick wie ein Schlachtruf. Auf den dritten Blick wie eine eidesstattliche Versicherung jener, die zwischen Lötstation und Weltlage keinen Unterschied mehr machen wollen.

Dabei ist die Ausgangslage nüchtern. Mecklenburg-Vorpommern ist das dünnst besiedelte Bundesland, mit dem niedrigsten Lohnniveau, der geringsten Lebenszufriedenheit und einer der höchsten Quoten rechtsextremer Straftaten pro Einwohner. Umfragen sehen die AfD als stärkste Kraft. Während Sachsen-Anhalt bereits wählte, saßen Hunderte Teilnehmer beim InselChaos auf Rügen, einem viertägigen Hacker-Event, vier Monate im Voraus ausverkauft, mit Gästen aus dem Ausland. Parallel zur Wahl laufen die Maschinen.

Flo, Mitorganisator des InselChaos und Mitglied des Port39, nennt seinen Hackspace das dünnst besiedelte Chaos. Neue Veranstaltungen bräuchten hier mindestens drei Anläufe. Berlin, Hamburg, Köln seien andere Welten. Doch gerade diese Distanz, sagt er, schärfe den Blick. Man müsse stabil bleiben, wenn das Umfeld es nicht ist.

Stabil bleiben heißt in Stralsund konkret: Workshops, Programmieren, 3D-Druck, Löten. Und Filme. Im vergangenen Jahr lief die Migrationsdoku Kein Land für Niemand, in diesem Jahr Im Frühling die Brücken über Proteste gegen rechtsextreme Aufmärsche in Demmin. Zynisch, so Flo, werde auch gesagt, es sei das letzte InselChaos, bevor die Insel braun werde.

Die Programmpunkte sind keine Verzierung. Sie sind Teil eines Selbstverständnisses, das Tech-Räume in den östlichen Bundesländern seit Jahren pflegen: Wer Räume baut, baut Gegenöffentlichkeit. Wer Datenflüsse erklärt, erklärt Machtflüsse. Der Satz Was technisch ist, ist immer politisch ist in diesem Licht weniger Maxime als Beschreibung der täglichen Praxis. Es geht nicht nur um Hackerparagrafen oder Staatstrojaner, wie die Quelle betont. Es geht um die Frage, welche Räume überhaupt noch offen stehen.

Die Korroboration durch einen externen Beleg ist dünn, aber bemerkenswert: Ein geleaktes Eckpunktepapier der EU-Kommission zu sozialen Medien sowie ein Interview über das KI-System Lavender, das laut Veröffentlichung zivile Schäden vorprogrammiert und automatisierte Todeslisten produziert. Beide Quellen, so die einzige verfügbare Brücke, verweisen in dieselbe Richtung: Technik wird zur Waffe, wer sie baut, trägt Verantwortung.

Was diese Verantwortung jenseits der einen Quelle genau bedeutet, welche Akteure im Hintergrund agieren, welche Fäden zwischen Brüssel, Berlin und Stralsund verlaufen, bleibt offen. Die Mitglieder sprechen von Aufklärung gegen Rassismus, von Stärkung der Menschen, vom Rückenstärken im Wahlkampf. Konkrete Namen jenseits der Genannten erscheinen nicht. Verbindungen zu Parteien, Stiftungen, Sicherheitsbehörden, werden nicht gezogen. Ob die These vom politischen Tech nur Schutzbehauptung ist oder operatives Kalkül, lässt sich aus dem vorliegenden Material nicht entscheiden.

Die Wahllokale öffnen am 20. September. Bis dahin summen die Drähte im Port39 weiter. Wer zuhört, hört mehr als das Netzteil. Wer nachbohrt, stößt auf eine Mauer aus einer Quelle.

Ada Voss, für die Terminal Tribune. Funk ab.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 1 von 1 Behauptung belegt
  1. ZITAT Was technisch ist, ist immer politisch.

    „„Was technisch ist, ist immer politisch““ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

  • 1 weitere Quelle war beim Schreiben nicht abrufbar

1 Quelle · 1 davon belegt · 1 externer Beleg · 1 prüfbare Behauptung

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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