End-Timers unter der Lupe: Klein und Taylor ermitteln
Die Drähte summen. Diesmal nicht aus dem Kabelraum, sondern aus New York. Naomi Klein und Astra Taylor — zwei Namen, die man sich merken muss, wenn man verstehen will, wer gerade die Zukunft verhökert — haben ein Buch vorgelegt, das wie eine Frequenz klingt, die andere nicht hören wollen. "End Times Fascism: And the Fight for the Living World" lautet der Titel. Es nimmt eine Allianz ins Visier, die sich selbst "The End-Timers Alliance" nennt, und es tut dies mit der Präzision zweier Frauen, die den Apparat von innen kennen.
Was ist das für eine Verbindung? Nach Darstellung des britischen Kulturportals UnHerd beschreibt das Buch drei sich überschneidende Stämme von "Endtimers" — Endzeitgläubige, apokalyptische Beschleuniger, rechte Überlebens-Nationalisten —, die sich unter Donald Trump und einer multinationalen Variante von MAGA zu einer einzigen Koalition verschmolzen haben. Klingt widersprüchlich? Ist es auch. Eben deshalb ist es eine Nachricht wert.
Klein ist keine Unbekannte. UnHerd erinnert an "The Shock Doctrine", ihr Standardwerk über die Ausbeutung von Krisen. Taylor steht an ihrer Seite, mit einem Gespür für Machtstrukturen, die im Schatten arbeiten. In ihrem neuen Werk zeichnen die beiden nach, wie sich ein apokalyptisches, survivalistisches Bündnis formiert hat — eine Allianz, die nach der These des Buches "entschlossen scheint, uns zu beenden". So formuliert es eine Buchvorstellung, die auf der Videoplattform YouTube kursiert.
Man muss den Satz zweimal lesen. "Entschlossen, uns zu beenden." Das ist kein Zitat eines religiösen Predigers. Das ist die Diagnose zweier analytischer Köpfe, die feststellen: Diese Allianz handelt so, als wäre das Ende der Welt eine Geschäftsgrundlage.
Parallel zu dieser Veröffentlichung, so berichtet die Investigativplattform The Intercept am 18. September 2026, tobt in Washington eine Debatte über die Zähmung künstlicher Intelligenz, "bevor es zu spät ist". Die Verquickung ist unübersehbar. Wer apokalyptisch denkt, handelt apokalyptisch. Wer über KI entscheidet, entscheidet über das Klima, über die Arbeit, über den Krieg. Die End-Timers sitzen an beiden Reglern. Sie wollen die Bremse lösen, weil die Bremse sie selbst behindert.
Was heißt das konkret — für den Mann in der Suppenküche, für die Frau hinter der Theke, für jeden, der morgens die Zeitung aufschlägt? Es heißt: Es gibt eine Strömung in der amerikanischen Politik, und längst darüber hinaus, die den Untergang nicht fürchtet, sondern braucht. Die ihn als Geschäftsmodell versteht. Die ihn beschleunigen will, weil aus der Asche ihres eigenen Weltbilds eine neue Ordnung steigen soll, in der sie oben stehen.
Drei Stämme, ein Bündnis. Das ist die publizistische These des Buches. Eine Koalition, zusammengeklebt aus religiöser Endzeit-Erwartung, techno-utopischer Beschleunigung und einem Überlebens-Nationalismus, der nach UnHerd multinational auftritt — Strömungen, die einander eigentlich ausschließen müssten. Sie tun es nicht. Sie haben einen gemeinsamen Feind gefunden: die Zukunft, in der alle überleben.
Klein und Taylor behaupten nicht, das Ende zu kennen. Sie behaupten, die Akteure zu kennen, die es politisch nutzbar machen. Das ist ein Unterschied, und es ist der Unterschied, der zählt — zwischen Prophetie und Recherche, zwischen Kanzel und Schreibmaschine.
Wer kontrolliert das Narrativ vom Ende? Wer profitiert vom kommenden Zusammenbruch? Wer zahlt den Preis? Diese Fragen kennen Sie, liebe Leserinnen und Leser. Ich stelle sie seit Jahren, zuerst am Telegrafen, dann am Funk, dann am Radar. Jetzt haben zwei Frauen sie in einem Buch zusammengetragen, das man nicht ignorieren sollte — schon allein, weil seine Verfasserinnen 1937 in diesem Beruf nichts zu suchen gehabt hätten, und heute trotzdem die Frequenz halten, auf die alle hören sollten.
Die Debatte über KI, so The Intercept, entfalte sich "rapidly unfolding before our eyes". Die End-Timers-Allianz ist keine wilde Theorie mehr. Sie ist eine Redaktion, eine Bewegung, ein Machtzentrum, das seine Apokalypse als Programm trägt. Und sie hat nun ein Buch bekommen, das ihr den Spiegel vorhält.
Man darf gespannt sein, wer zuerst wegschaut. Die Suppenküche wartet.
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