Börse 1937
Terminal Tribune

25. September 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Spurensuche im Netz: Wer betreibt das Forum für gestohlene Intimbilder?

25. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen wieder. Diesmal nicht zwischen Kontinenten, sondern zwischen Knoten, die niemand mit dem Auge findet. Ein Ermittlerkollektiv namens Bellingcat hat die Spur eines Mannes aufgenommen, der ein Forum betrieb, in dem gestohlene Intimbilder von Frauen gehandelt wurden. Jahrelang, offenbar unbehelligt.

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Das Forum trug den Namen LeakedBB. Was wie das Kürzel einer belebten Straße klingt, war nach Darstellung der Ermittler eine digitale Handelsplattform. Die Mechanik ist nicht neu: Ware rein, Geld raus. Nur die Ware war in diesem Fall gestohlen. Der Schaden war privat. Der Handel lief öffentlich. Die Gewinne folgten nachvollziehbaren Pfaden — vorausgesetzt, man kann sie lesen.

Die Frage, die am Anfang jeder Auswertung steht: Wer sitzt am Hebel? Wer kassiert? Wer macht den Schaden anderer zur Position in einer Bilanz?

Bellingcat hat nach eigener Darstellung die Zahlungsströme verfolgt. Das ist die Sprache, die jeder Markt spricht — auch wenn er sich in Foren kleidet, die nach Anonymität rufen. Kryptowährungen sind kein Unsichtbarkeitsmantel. Sie hinterlassen Spuren, nur schwerer zu lesen als ein Bankscheck. Wer mitlesen will, braucht Geduld und Werkzeug. Das Kollektiv brachte beides mit.

Die Auswertung, veröffentlicht in Ausgabe 116 des OSINT Newsletters, endet bei einem Mann in Neuseeland. Beschrieben wird er als Krypto-Unternehmer — also jemand, der in der Logik digitaler Währungen nicht nur Kapital anlegt, sondern auch die Strukturen nutzt, die diese Logik hervorbringt: Foren, Knotenpunkte, Zahlungswege. Frauen hatten in meinem Gewerbe 1937 nichts zu melden. Frauen haben in jenem Forum, das hier beschrieben wird, offensichtlich auch nichts zu melden gehabt. Man merkt: Manches ändert die Technik, manches nicht.

Die Mechanik, die hier sichtbar wird, ist einfach genug, um sie jedem in der Suppenküche zu erklären. Sie braucht drei Bausteine. Erstens: gestohlenes Material, das sich rentabel weiterverkaufen lässt. Zweitens: einen Ort, an dem Käufer und Verkäufer zusammenfinden, ohne dass die Polizei hereinschaut. Drittens: jemanden, der diesen Ort baut, wartet und daran verdient.

Gestohlenes Material: vorhanden, im Überfluss, wie jede Branchenbeobachtung zeigt. Der Ort der Handlung war nach den Erkenntnissen der Recherche ein Forum namens LeakedBB, das über Jahre lief und einen nicht unerheblichen Nutzerkreis erreichte. Am anderen Ende der Zahlungskette steht nach den Erkenntnissen der Recherche ein Krypto-Unternehmer aus Neuseeland, dem Zahlungseingänge zugeordnet werden, die mit dem Betrieb des Forums in Verbindung stehen sollen.

Das ist der Punkt, an dem aus einem Schaden ein Geschäft wird. Nicht durch Magie, sondern durch Mechanik. Der Hebel sitzt nicht im Bild selbst, sondern in der Infrastruktur drum herum: dem Server, der Domain, dem Zahlungsweg, der Hand, die das alles zusammenhält.

Was offen bleibt, ist die Frage, die jede Geschichte über solche Strukturen aufwirft. Wenn das Material aus einer Hand gestohlen und an eine andere weitergereicht wird: Wer trägt welche Verantwortung? Der Dieb? Der Käufer? Der Forenbetreiber? Der Zahlungsabwickler? Die Hosting-Plattform, die nicht hinsieht?

In den dreißiger Jahren liefen solche Geschäfte über Hinterhöfe und Botengänge. Heute laufen sie über Foren und Krypto-Wallets. Die Übersetzungsarbeit ist die gleiche geblieben. Wer hört, was andere nicht hören wollen, muss nur die Frequenz kennen.

Ada Voss meldet sich, sobald neue Drähte summen.

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