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Terminal Tribune

25. September 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Zwei Klagen, ein Hebel: Wer zahlt, befiehlt

25. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen heute auf zwei Frequenzen, doch das Signal ist dasselbe. Wer die Hand auf dem Geldbeutel hat, bestimmt, was geschrieben, geforscht und verkauft wird.

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Kalifornien presst Spray-Schaum-Hersteller mit einer Zwangsabgabe für „Green Research" — zwei Cent pro Pfund, fünf Jahre lang oder bis das Funding-Ziel erreicht ist. Quadrant Performance Materials aus Texas zieht vor Gericht. Ihr Argument: Die Behörde zwinge die Hersteller, jene Forschung zu finanzieren, die ihr eigenes Produkt überflüssig machen könnte. Christian Townsend von der Pacific Legal Foundation nennt es unumwunden „pay-to-play". Parallel verklagen Floridas State Board of Administration und das National Center for Public Policy Research die New York Times als Aktionäre — sie wollen interne Unterlagen sehen, weil die Zeitung in ihrer Berichterstattung über Israel angeblich gegen den jüdischen Staat eingestellt ist. Die Zeitung hat die Einsicht vier Monate lang verweigert.

Zwei Fälle. Ein Mechanismus.

Kaliforniens Department of Toxic Substances Control hat ungeklärte Methylene-Diphenyl-Diisocyanate im Spray-Schaum als „respiratory sensitizer" eingestuft — als Atemwegs-Sensibilisator, der Asthma auslösen kann. Das Problem: Alternativen ohne diese Chemikalie sind nach Quadrants Angaben technisch nicht gleichwertig. Statt ein Verbot zu verhängen, erfindet die Behörde den Green Chemistry and Engineering Innovation Fund — bezahlt von den Herstellern, die er am Ende ruinieren könnte. Quadrant darf nicht einmal eigene Forschung einbringen. Die Forscher, die das Geld bekommen, unterliegen keiner Kontrolle durch die Zahlenden. Das klingt nach Schutz, riecht nach Zwang.

Im Times-Fall liest sich das Bild anders, folgt aber derselben Mechanik. Floridas Pensionsfonds verwaltet 235,7 Milliarden Dollar für 1,2 Millionen Rentner. Attorney General James Uthmeier sitzt im Verwaltungsrat. Zusammen mit dem National Center for Public Policy Research zwingt er die Times vor ein New Yorker Gericht. Die Begründung: Die Zeitung habe in einem einzigen Themenfeld binnen acht Monaten 72 Korrekturen zugeben müssen, durchweg „pro-Hamas style reporting", das als falsch zurückgenommen werden musste.

Die Times schlägt zurück. Sprecher Charlie Stadtlander nennt die Klage einen „transparenten Versuch, eine agenda-getriebene Pressekampagne gegen eine unabhängige Medienorganisation auszuüben". Man werde sich „vehement verteidigen".

Beide Seiten berufen sich auf den Ersten Verfassungszusatz. Quadrant sagt, Kalifornien zwinge Unternehmen, „government-preferred ideas" zu finanzieren, nur um im Staat verkaufen zu dürfen. Die Times sagt, Florida zwinge eine Medienorganisation mit Aktionärsmacht in eine politische Richtung. Beide sehen sich als Opfer staatlicher Steuerung über Geldflüsse.

Die offenen Fragen bleiben.

Welche Summen bisher tatsächlich in den Green Chemistry and Engineering Innovation Fund geflossen sind, wie hoch das Funding-Ziel exakt ist und welche Forschungsinstitute die Mittel erhalten — darüber schweigen die bisherigen Berichte. Die „zwei Cent pro Pfund" sind sichtbar. Das Endvolumen bleibt im Nebel. Wer kontrolliert die Empfänger? Und im Times-Fall: Haben Aktionäre wirklich ein gesetzliches Recht auf Einsicht in redaktionelle Prozesse einer Nachrichtenorganisation? Das New Yorker Gericht wird antworten müssen. Florida hat bei früheren Klagen gegen Medien bewiesen, dass es den langen Weg nicht scheut.

Der wahre Faden, der beide Fälle verbindet, ist weder Klima noch Nahost. Es ist die Mechanik der Kontrolle durch Geldströme. Kalifornien will Forschung mit industrieller Kasse, aber ohne industriellen Einfluss auf deren Richtung. Florida will Aufsicht über journalistische Inhalte, verpackt in Aktionärsrecht. Beide Seiten greifen zum gleichen Hebel: wer den Daumen auf dem Portemonnaie hat, dreht die Welt in seine Richtung.

Für jemanden, der jahrelang an Drähten und Frequenzen saß, klingt das nach einem vertrauten Muster. Wer den Sender bezahlt, bestimmt das Programm. Das ist keine Verschwörung — das ist Infrastruktur. Die Frage ist nur, wem diese Infrastruktur am Ende gehört, und welche Stimmen am Ende übrig bleiben.

Ada Voss hört die Frequenzen. Auch die, die andere nicht hören wollen.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 3 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZAHL California Department of Toxic Substances Control verlangt von Herstelleren von Sprühschäumen die Zahlung von zwei Cent pro Pfund

    „Quadrant Performance Materials accused the California Department of Toxic Substances Control of funneling the fee, amounting to two cents per pound“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT California sued over ‘pay-to-play’ fee forcing businesses to fund ‘green research’

    im Titel der Quelle gefunden

  3. ZITAT Florida AG verklagt New York Times wegen voreingenommener Anti-Israel/Anti-Juden Berichterstattung

    die vorgeschlagene Belegstelle steht so NICHT im Quelltext und wurde deshalb verworfen; das ist eine Aussage ueber den Vorschlag, nicht ueber die Quellenlage

    vorgeschlagene Belegstelle verworfen, weil so nicht im Quelltext: „New York Times shareholders led by Florida Attorney General James Uthmeier filed a lawsuit against The New York Times Company on Wednesday over the paper allegedly failing to tell the truth in its coverage of Israel.“

  4. ZITAT New York Times sieht sich mit einer Aktion von Anteilseignern konfrontiert aufgrund angeblicher Vorurteile über Israel

    „Both petitioners are Times shareholders, and said New York state law entitled them to inspect its records but the newspaper refused.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  5. ZITAT Der Florida AG verlangt von der New York Times die Finanzdokumente des Unternehmens

    die vorgeschlagene Belegstelle steht so NICHT im Quelltext und wurde deshalb verworfen; das ist eine Aussage ueber den Vorschlag, nicht ueber die Quellenlage

    vorgeschlagene Belegstelle verworfen, weil so nicht im Quelltext: „the suit “asks a judge to force the Times board of directors to hand over internal records the company has refused to produce for four months“

Herangezogene Quellen

5 Quellen · 3 davon belegt · 3 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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