Börse 1937
Terminal Tribune

26. September 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Drei Imperien, zwei Meerengen: Hormuz, Bab el-Mandeb und die Kanonen

26. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

1937. Die Drähte summen. Ich übersetze.

Zeitgenössische Anzeige (Illustration)
— Anzeige —

Zwei Wasserstraßen, schmal wie ein Fluss, tief genug für Tanker. Die Meerenge von Hormuz zwischen dem Iran und Oman, die Meerenge von Bab el-Mandeb zwischen Jemen und der afrikanischen Hornküste — das sind die Engstellen, an denen sich Imperien seit Jahrhunderten die Klinke in die Hand geben. Drei Kolonialmächte haben diese Routen gewonnen und wieder verloren. Das Spiel ist nicht vorbei.

Die Geographie ist nackt, und sie bleibt nackt. Wer diese Wasserstraßen kontrolliert, kontrolliert den Fluss vom Arabischen Meer und vom Roten Meer in den Indischen Ozean — und mit ihm einen entscheidenden Brocken des globalen Handels. Allein durch Bab el-Mandeb wandern etwa zwölf Prozent des Welthandels, fast sechs Millionen Barrel Öl pro Tag. Das sind keine Zahlen für die Schublade. Das ist die Pipeline der Welt, und jede Schraube daran ist umkämpft.

Die Geschichte dieser Meerengen beginnt nicht mit den Europäern. Sie beginnt mit einer Flotte, die jeder moderne Flottenadmiral beneiden würde. Im Jahr 1405 brach der chinesisch-muslimische Admiral Zheng He zu seiner ersten von insgesamt sieben Expeditionen über den Indischen Ozean auf. Er kommandierte mehr als dreihundert Schiffe, eine Armada, wie sie die Welt bis dahin nicht gesehen hatte. Um 1414 erreichte er Hormuz. Danach steuerte er Aden im Jemen an, passierte Bab el-Mandeb und fuhr ins Rote Meer. Die geographische Nacktheit dieser Meerengen erkannte er sofort — und nutzte sie als Handelsroute, nicht als Besitz.

Was Zheng He in diesen Gewässern baute, war keine Kolonie im europäischen Sinne. Es war eine Pax Sinica — eine Handelspräsenz, getragen von Seemacht, diplomatischen Missionen und Geschenken, die man nicht ablehnen konnte. Zheng He griff nicht in das bestehende Handelssystem der arabischen, persischen, indischen und ostafrikanischen Kaufleute ein. Er trat ein. Er verhandelte. Das ist der entscheidende Punkt für jeden, der heute auf Seekarten schaut: Die frühen Seemächte kontrollierten die Meerengen nicht direkt — sie nutzten sie.

Zheng He gründete keine Kolonien in Hormuz oder entlang der arabischen Küste. Die Reichweite endete dort, wo der Hof in Peking das Budget strich. Nach seiner letzten Expedition in den 1430er-Jahren verlor die Ming-Dynastie das Interesse an der Flotte. Die Schiffe lagen in den Häfen. Das Muster — Aufbau, Blüte, Abbau — zeigt die Grenzen überdehnter Seemacht. Auch die größte Flotte nützt nichts, wenn die Kasse in der Hauptstadt leer ist.

Heute holt Peking diese Geschichte aus der Schublade. Die modernen Investitionen in Infrastruktur, Energie und Häfen — Gwadar in Pakistan als bekanntestes Beispiel — werden als Wiederbelebung einer alten, friedlichen Beziehung verkauft, die bis in die Vorgeschichte der Seidenstraße zurückreicht. Die Karte ist alt, das Vokabular vertraut. Die Schiffe sind neu.

Doch mit den 1500er-Jahren änderte sich der Ton grundlegend. Als die europäischen Kolonialmächte im Indischen Ozean eintrafen, wurde aus Handelspräsenz Kontrolle. Aus Geschenken wurden Kanonen. Die Portugiesen leiteten den Beginn einer gewaltsameren, aggressiveren Ära ein. Die Meerengen wurden nicht mehr genutzt — sie wurden genommen. Die Geographie blieb nackt, aber die Akteure wurden härter.

In den folgenden Jahrhunderten traten drei Kolonialmächte nacheinander an, die Schlüsselstellungen an Hormuz und Bab el-Mandeb zu besetzen — und sie wieder zu verlieren. Jede glaubte, die Geographie zähmen zu können. Jede lernte, dass die Meerengen kein dauerhafter Besitz sind. Sie sind eine Bühne — exponiert, umkämpft, ungeduldig. Wer hier steht, steht im Wind.

Heute stehen sich die Vereinigten Staaten und Iran an diesen Wasserstraßen gegenüber. Die Spannung zwischen Washington und Teheran über diese Choke Points ist nur das jüngste Kapitel einer jahrhundertealten Geschichte externer Mächte, die versuchen, den Nahen Osten zur See zu beeinflussen oder zu beherrschen. Aber das Muster bleibt: Wer die Karte zeichnet, sitzt nicht ewig am Tisch. Die Drähte summen weiter. Die nächste Flotte ist schon irgendwo auf See.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 0 von 2 Behauptungen belegt
  1. ZAHL Three colonial powers gained and then lost control over key maritime routes.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  2. ZITAT The focus is on the geographical areas known as the Straits of Hormuz and Bab el-Mandeb.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

Herangezogene Quellen

1 Quelle · 0 davon belegt · 4 externe Belege · 2 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

Erwähnt in diesen Akten

Aus diesem Ressort