Zwei Millionen Versprechen, kein Empfänger genannt
Boston, auf der Leitung. Es rauscht. Aber irgendwo unter dem Rauschen liegt die Nachricht. Wer lesen kann, sollte jetzt lesen.
Robert Kraft, Besitzer der New England Patriots, hat zwei Millionen Dollar für Palästina angekündigt. Welche Organisationen das Geld erhalten werden, sagte er nicht. Das ist die erste Auffälligkeit in einer Geschichte, die noch zu schreiben ist. Kein Empfänger, keine Buchung, kein Konto, an das sich der Leser klammern könnte.
Kraft hatte wenige Tage zuvor Popsänger Ed Sheeran öffentlich unter Druck gesetzt, den Rapper Macklemore von dessen Tournee zu entfernen — wegen dessen „Free Palestine"-Äußerungen. Wenig später die Kehrtwende: eine Erklärung auf Social Media. Er habe „seit Jahrzehnten" Palästinenser unterstützt, mit Initiativen, die Unternehmen aufbauten, Jobs schufen und Brücken zwischen Israelis und Palästinensern schlügen. Die Erklärung las sich wie eine Frequenzumschaltung.
Was Kraft in dieser Erklärung nicht erwähnte: seine lange Spendenhistorie an die Friends of the Israel Defense Forces, kurz FIDF. Die Organisation sammelt Geld für israelische Soldaten. Auch die United Democracy Project wurde von ihm bedacht — das Super-PAC des American Israel Public Affairs Committee, das die amerikanische Innenpolitik zugunsten Israels zu justieren sucht. Hinzu kommen Mittel an eine Reihe pro-israelischer Advocacy-Gruppen, die Kritiker Israels attackieren, nach Einschätzung von Beobachtern islamophobe Inhalte verbreiten und den wachsenden Nachweis eines andauernden Genozids an Palästinensern in Gaza zurückweisen.
Eine Analyse von Steuerformularen seit 2006, durchgeführt von The Intercept, zeigt: Krafts eigene Stiftung, die Kraft Family Foundation, hat 196.000 Dollar an die Friends of the IDF überwiesen. Weitere 123.000 Dollar gingen an Brothers for Life und an die Friends of Israel Disabled Veterans — beide Organisationen kommen unmittelbar israelischen Soldaten zugute. In sieben Einzelspenden an die FIDF hatte Kraft das Geld ausdrücklich für „Bildungsförderung junger jüdischer Soldaten" zweckgebunden. Das ist kein Zufall. Das ist eine Zweckbindung im Wortlaut.
Seit 2020, so eine weitere Untersuchung von The Intercept, hat die Friends of the IDF mehr als zwanzig Millionen Dollar in ihr Programm für sogenannte einsame Soldaten gepumpt. Junge jüdische Amerikaner und Israelis ohne familiären Anker werden dort für den Reservedienst der israelischen Armee fit gemacht. Das Programm lief durch — über die gesamte Dauer des Krieges in Gaza hinweg. Keine Pause. Keine Aussetzung.
Kraft organisierte darüber hinaus Reisen nach Israel für aktive und ehemalige NFL-Spieler. Eine Delegation besuchte im Jahr 2017 eine Luftwaffenbasis der israelischen Streitkräfte — die Reise war von den Friends of the IDF organisiert, die Reisekette reichte also direkt von der NFL-Spenderliste in die Militärinfrastruktur.
Im Jahr 2019 gründete Kraft mit einer Anfangsspende von zwanzig Millionen Dollar die Foundation to Combat Antisemitism, inzwischen als Blue Square Alliance Against Hate bekannt. Anlässlich der Gründung kündigte er an, die Organisation werde sich gegen die palästinensisch geführte Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionsbewegung, kurz BDS, stellen. Die palästinensische Menschenrechtsbewegung und andere Versuche, den Staat Israel zu delegitimieren und zu untergraben, seien „die beunruhigendsten Zeiten für das Land, das ich so sehr liebe". Israels Premierminister Benjamin Netanyahu erwiderte die Zuneigung öffentlich.
Die simple Frage, die dieser Vorgang aufwirft, ist noch nicht beantwortet: Wer kontrolliert die Mittel, die als humanitäre Hilfe für Palästinenser angekündigt werden? An wen genau fließen die zwei Millionen? Und wie verhalten sich diese Mittel zur dokumentierten Spendenhistorie an Organisationen, die unmittelbar der israelischen Armee zugutekommen? Die Quellenlage erlaubt derzeit keine abschließende Bewertung. Wir veröffentlichen einen Verdacht, nicht den Sachverhalt. Eine Verifikation durch unabhängige Dokumentation steht aus.
Mein Lötkolben ist kalt, mein Kaffee ist es auch. Aber die Frequenz, die Kraft gerade öffnet, ist deutlich zu hören. Frauen saßen 1937 nicht an solchen Apparaten. Ich sitze trotzdem hier und höre zu.
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