STROM FÜR EIN VIERTELJAHRHUNDERT — KERALA BEI SECI
Trivandrum, Drähte summen. Die Kerala State Electricity Board hat zugestimmt, 300 Megawatt für fünfundzwanzig Jahre bei der Solar Energy Corporation of India zu kaufen. Eine Meldung, klingt grün, riecht nach Vertrag.
Die Zahlen sind einfach. 300 MW Leistung, gesichert über vier Stunden täglich — 1.200 Megawattstunden. Tarif: sechs Rupien plus SECI-Handelsmarge von sieben Paisa, macht 6,07 Rupien pro Einheit. Laufzeit: 25 Jahre. Lieferbeginn: 2028. Das ist die Gegenwart, die der Vertrag zeichnet.
Er liefert nichts gegen die aktuelle Krise. Das steht im Beschluss selbst, fast beiläufig: Während die KSEB heute unter Last ächzt, beginnt der Strom aus dem FDRE-IX-Programm erst in zwei Jahren. Wer heute ein Peak-Demand-Problem hat, kauft ein Versprechen auf später — eine Heirat mit Termin in der Zukunft.
Die Architektur des Deals verrät mehr als die Zahlen. SECI ist hier nicht Lieferant — SECI ist Zwischenhändler. Renewable Energy Implementing Agency, so die offizielle Rolle. Die SECI schließt Stromkaufverträge mit Solarentwicklern, hier ACME Solar Holdings, und verkauft weiter an Versorger wie die KSEB. Zwei Schichten Vertrag, zwei Schichten Marge, eine Schicht Verantwortung, die zwischen den Parteien diffundiert wie Rauschen auf einer alten Leitung.
Was die KSEB bekommt, sind keine Paneele, kein Kraftwerk auf eigenem Boden, kein schaltbares Asset. Sie bekommt eine Fahrplanzusage — "assured four-hour peak power", vier Stunden planbare Leistung aus erneuerbaren Quellen mit Speicher, angeschlossen an das inter-state transmission system. Das ist Strom, der durch ein gemeinsames Netz fließt, gesteuert vom Lieferanten, abgenommen vom Käufer, gezählt von einer Aufsicht, die noch tagt.
Die langen fünfundzwanzig Jahre sind das eigentliche Thema. Eine Strombeschaffung über ein Vierteljahrhundert ist kein Kauf — sie ist Bindung. Der Tarif steht: sechs Rupien fix. Was nicht steht: die Kosten für Netzstabilität, Wartung der Speicher, Übertragungsverluste, regulatorische Änderungen. Wer zahlt das in Jahr fünfzehn? Wer in Jahr zwanzig?
Die indische Gesamtbilanz hilft beim Einordnen: 54,18 Prozent der installierten Leistung Indiens kommen aus nicht-fossilen Quellen, meldete Bundesminister Bhupender Yadav. Das klingt nach Wende. Es ist auch ein Hinweis auf das, was diese Verträge tragen müssen — ein Netz, das auf intermittierende Quellen angewiesen ist, mit Speichern, die zu Lieferbeginn 2028 noch gebaut werden müssen.
Kerala hatte zuvor einen Fünfjahresvertrag erwogen — 300 MW für fünf Jahre, genehmigt von der State Electricity Regulatory Commission mit angepasstem Bieterrahmen, um die abendliche Spitzenlast zu decken. Der jetzige Schritt verlängert nicht nur. Er ersetzt die kürzere Bindung durch eine, die ein Berufsleben überdauert.
Die Genehmigung steht noch aus. Der KSEB-Vorstand hat am 14. September den Entwurf des Power Sale Agreement gebilligt. Jetzt wandert das Papier zur Kerala State Electricity Regulatory Commission. Die Kommission entscheidet über den Tarif im PSA. Bis dahin ist alles Absicht. Von 1.500 MW, die SECI unter Tranche IX angeboten hat, sind 300 MW für die KSEB reserviert — ein Fünftel der Tranche, ein Vierteljahrhundert Vertragsdauer.
Die Frage ist nicht, ob Solarenergie sinnvoll ist. Sie ist es. Die Frage ist, ob ein Bundesstaat sich für ein Vierteljahrhundert an eine Zwischenhandelsstruktur bindet, deren Lieferant ein einzelnes Privatunternehmen ist, deren Pipeline ein gemeinsames Übertragungsnetz ist, deren Speicherinfrastruktur zu Lieferbeginn noch gebaut werden muss. Wer kontrolliert das Netz in den Spitzenstunden? Wer kommt für Ausfälle auf, wenn der Speicher in Jahr zwölf nachlässt? Wer schreibt den Tarif in Jahr zwanzig neu — oder wer schreibt ihn nicht neu?
Die Drähte summen weiter. Frauen in dieser Branche haben nie um Erlaubnis gefragt. Der Kaffee wird kalt.
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