Die Käufer der Akten — Disney, GM und das Geschäft mit Ihnen
1937. Die Drähte summen. Ich übersetze.
Eine Firma in Arkansas nennt sich Acxiom. Sie behauptet, über neunzigfünf Prozent aller Erwachsenen in den Vereinigten Staaten eine Akte zu führen. Milliarden Menschen weltweit, sagt sie selbst. Wohnort, vermutetes Einkommen, politische Neigung, Gewicht, Interesse an medizinischen Eingriffen — alles ableitbar aus Spuren, die wir täglich hinterlassen.
Eine Reportergruppe von Consumer Reports, CalMatters und The Markup hat diese Behauptung nachgeprüft. Mehr als hundert Bürgerinnen und Bürger forderten ihre eigenen Dossiers an, gestützt auf neue Datenschutzgesetze in mehreren Bundesstaaten. Was zurückkam, liest sich wie ein Personendossier. Nur ohne Richter und ohne Aktenzeichen.
Tracey Reed aus Oregon erhielt einen Bericht von achtundfünfzig Seiten. Einkommen, Beschäftigung, Bildung, Ausgaben, Spenden — alles aufgelistet. Wohnort mit Längen- und Breitengrad. Dutzende Firmen, an die Acxiom Daten oder Ableitungen über sie verkauft hatte. "Die Leute werden behandelt wie eine Quelle von Reichtum, die man anbohrt", sagte sie. "Das ist, was diese Profile sind."
Das ist erst der Anfang.
Acxiom erstellt Vorhersagen in mehr als dreitausend Kategorien. Wie viele Kinder Sie haben, welches Geschlecht, welches Alter. Ob Sie "blue collar" oder "white collar" sind. Wie wahrscheinlich Sie demnächst einen Tesla Cybertruck kaufen werden — auf einer Skala von eins bis hundert. Ob Sie Opfer eines Betrugs wurden. Ob Sie Alkohol konsumieren.
Vieles davon ist falsch. Bei einer Person riet das System sechsmal aufs Alter. Acxiom rät trotzdem. Das Unternehmen nennt es "modeling" — die Firma errechnet aus Wohnort, früheren Käufen und dem, was ähnliche Konsumenten wert sind, was Sie vermutlich verdienen, gespart haben, wert sind.
Dazu kommen die Geräte. Die Werbe-Kennung Ihres Telefons. Die Kennung Ihres Fernsehers. Ihre IP-Adresse zu Hause. Die Fahrzeug-Identifikationsnummer Ihres Wagens. Diese Nummern erlauben es, Sie über jedes Gerät wiederzuerkennen, das Sie besitzen — Telefon, Tablet, Computer, Auto, Fernseher. Quer durch alle Bildschirme.
Und ohne je Ihre Krankenakte gesehen zu haben, leiten Datenbroker ab, wie Sie schlafen, ob Sie rauchen, wie Ihr Body-Mass-Index ist, ob Sie versichert sind. Religion, ethnische Herkunft, politische Neigung. Diese Ableitungen werden an Pharmafirmen, Gesundheitskonzerne und Versicherer verkauft.
An wen genau?
Hier wird die Sache greifbar. In den Akten, die Consumer Reports prüfte, tauchen Namen auf, die jeder kennt: Disney. General Motors. Versicherer wie GEICO und State Farm. Banken wie Citi, JPMorgan Chase und US Bank. Hinzu kommen Pharmaunternehmen wie Janssen Pharmaceuticals. Das ist kein Rand. Das ist das Herz der amerikanischen Wirtschaft — Unterhaltung, Automobil, Geld, Gesundheit. Sie alle kaufen Profile, die ohne Wissen der Betroffenen zusammengetragen wurden.
Acxiom ist nicht allein. Epsilon, ein weiterer Broker, gibt an, Daten über "praktisch jeden vermarktbaren US-Haushalt" zu haben. Die Profile folgen den Menschen ein Leben lang. Und über den Tod hinaus. Quellen: öffentliche Register, kommerzielle Datenbanken, andere Broker.
Was bleibt dem Einzelnen?
Hier wird es dünn. Eine Handvoll US-Bundesstaaten hat in den letzten Jahren Gesetze erlassen, die Bürgern das Recht geben, bei Brokern wie Acxiom die eigenen Daten anzufordern. Das war die Grundlage der Recherche. Es ist ein Anfang. Ob diese Gesetze tatsächlich schützen, ob sie greifen, ob die Broker lückenlos Auskunft geben müssen über alles, was sie wissen — das ist, Stand jetzt, eine offene Frage. Acxiom lieferte die Dossiers. Andere Broker taten es weniger bereitwillig. Die Industrie reguliert sich selbst am liebsten.
Wer kontrolliert das? Wer profitiert? Die Antwort steht buchstäblich in den Akten: Disney, GM, die Versicherer, die Banken, die Pharmakonzerne. Wer zahlt den Preis? Wir. Jede Berührung mit einem Bildschirm, jedem Telefon, jedem Auto.
Die Drähte summen weiter. Ich höre zu.
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