Börse 1937
Terminal Tribune

28. September 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Collins sagt: altes Thema. FBI-Unterlagen zeigen: die Ermittlung lief noch

28. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Die Senatorin aus Maine geht auf Sendung und sagt, was sie sagen muss. Sie sei reingewaschen worden. Die Vorwürfe seien sieben Jahre alt. Weiter Funkstille, anderes Thema. Doch die Frequenz, auf der Susan Collins da funkt, stimmt nicht mit dem überein, was die Akten zeigen, die ProPublica jetzt veröffentlicht hat.

Zeitgenössische Anzeige (Illustration)
— Anzeige —

Die Recherche dreht sich um Martin Kao, den früheren Chef des hawaiianischen Rüstungsunternehmens Navatek und Großspender der Senatorin. Kao hat gegenüber Strafverfolgungsbehörden ausgesagt, er habe Wahlkampfspenden gegen Regierungsaufträge getauscht. Er hat sich anschließend der Kampagnenfinanzierung und des Kreditbetrugs schuldig bekannt — Vergleich aktenkundig, Schuldspruch sitzt.

Das FBI hatte Collins, ihre engsten Mitarbeiter und ein Pro-Collins-Super-PAC wegen ihrer Verbindungen zu Navatek im Visier. Die Ermittlungen steckten in einer frühen Phase. Dann kehrte Donald Trump ins Amt zurück und feuerte oder drängte einen Großteil der Bundesagenten und Justizanwälte hinaus, die an hochkarätigen Korruptionsfällen arbeiteten — darunter jene, die am Kao-Komplex saßen. Die Entlassungen beendeten die laufende Korruptionsprüfung. Sie wurde nicht zu Ende geführt. Sie wurde abgebrochen.

Collins antwortete auf die Recherche mit zwei Sätzen, die sie in mehreren Medienauftritten wiederholt hat: „Im Jahr 2021 stellte das Biden-Justizministerium fest, dass es kein Fehlverhalten von jemandem in meinem Wahlkampfteam, meinem Büro oder mir gab." Und: „Das Biden-geführte Justizministerium und das FBI haben mein Büro, meine Kampagne und mich vor fünf Jahren vollständig freigesprochen von diesen sieben Jahre alten Vorwürfen."

Eine FBI-Sprecherin bestätigte gegenüber ProPublica, dass die Behörde vor Jahren Vorwürfe gegen Collins untersucht und „letztlich nichts gefunden hat, das Senator Collins oder ihre Kampagne belastet". Das stimmt. Aber es ist nicht die ganze Geschichte.

Denn die Ermittlung, um die es in der ProPublica-Recherche geht, basiert auf Aussagen, die Kao zwischen 2022 und 2024 gemacht hat — nicht vor sieben Jahren. Diese Ermittlung wurde nicht unter Präsident Biden abgeschlossen, sondern unter Trump, im Jahr 2025, nachdem seine Verwaltung die mit dem Fall betrauten Agenten und Anwälte der Bundesanwaltschaft entfernt hatte.

Collins bezieht sich auf eine frühere FBI-Untersuchung gegen Kao aus dem Jahr 2021. Damals wurde niemand aus Collins' Umfeld angeklagt. Das ist korrekt. Nur: FBI-Unterlagen, die ProPublica eingesehen hat, zeigen, dass die Behörde am Verhalten von Collins und ihrem Stab bis zuletzt interessiert war — bis die jüngste Phase der Ermittlung unter Trump stillgelegt wurde.

Kao saß noch im September 2024 zwei Tage lang FBI-Agenten im Büro der US-Staatsanwaltschaft in Honolulu gegenüber und beantwortete Fragen. Bei dieser Befragung übergab er den Agenten ein fünfzigseitiges Dokument mit zahlreichen neuen Vorwürfen zu seinen Interaktionen mit gewählten Amtsträgern, einschließlich Collins.

Und Anfang 2025, so fand ProPublica, prüften FBI-Agenten immer noch die Beziehungen zwischen Kao und Collins, ihren Mitarbeitern und den Angestellten des Super-PAC.

Was Collins also als abgeschlossen verkauft, war zum Zeitpunkt der Schließung in vollem Gange. Was sie als Freispruch der Biden-Regierung darstellt, war eine ältere Untersuchung mit anderem Gegenstand. Die Behauptung, sie sei „vollständig freigesprochen" worden, deckt sich nicht mit den Akten, die ProPublica vorliegen.

Die Senatorin sagt, die Vorwürfe seien alt. Die Akten sagen: Die Vorwürfe, um die es jetzt geht, sind jünger als Collins' Verteidigung es zulässt. Die Untersuchung wurde nicht durchgefochten, sondern durch Personalentscheidungen beendet.

Wer hier auf welcher Frequenz sitzt, ist die Frage. Collins funkt Entwarnung. Das FBI hörte noch hin. Dann wurde das Personal ausgetauscht, und der Empfänger wurde stillgelegt. Das ist keine alte Nachricht. Das ist eine neue.

❖ Ende des Artikels ❖

Erwähnt in diesen Akten

Aus diesem Ressort