Wohin mit 25.000 Menschen?
Genf/Washington. Fünfundzwanzigtausend. Mehr als fünfundzwanzigtausend Verschickte, die irgendwo gelandet sind, wo sie niemand kennt, wo niemand auf sie gewartet hat, wo das Asylrecht eine Erfindung aus einem anderen Erdteil ist. Eine Untersuchung von Forbidden Stories und einem Konsortium internationaler Journalistinnen und Journalisten hat Ende August diese Zahl dokumentiert. Die UN-Expertinnen und -Experten, die am Montag schrieben, sprechen von mindestens 23.000 Abgeschobenen in 29 Staaten und Territorien. Die Zahlen unterscheiden sich, weil niemand vollständig weiß, was mit den anderen ist. Das ist die erste Gewalt dieser Statistik.
Mehr als zwanzig unabhängige UN-Expertinnen und -Experten haben die US-Regierung in einem formellen Schreiben aufgefordert, das Programm der Drittstaaten-Abschiebungen zu stoppen. Sie benutzen das Wort "Kaskade". Das ist kein politisches Wort. Es ist ein juristisches. Es bedeutet: Folter, Verschwindenlassen, Menschenhandel, Sklaverei, willkürliche Inhaftierung.
Seit Januar 2025 hat die Regierung von Donald Trump Verträge mit mindestens 35 Staaten geschlossen. Burundi, die Zentralafrikanische Republik, die Demokratische Republik Kongo, Libyen, Südsudan, Äquatorialguinea. Länder, in denen Polizisten auf Migranten schießen. Länder, die iranische Abgeschobene aufnehmen und das Außenpolitik nennen. Länder ohne Asylinfrastruktur, ohne Schutzunterkünfte, ohne medizinische Versorgung.
Die US-Regierung sagt: legal. Im Einklang mit dem Einwanderungsrecht. Sie sagt das, während das Bundesberufungsgericht des 1. Circuit das Drittstaaten-Programm bereits für rechtswidrig erklärt hat. Sie sagt das, während ein ICE-Flug mit Abgeschobenen nach Burundi, Ruanda und in die Zentralafrikanische Republik startete, obwohl Anwälte einen Eilantrag eingereicht hatten. Wer in dem Flugzeug saß, ist unklar. Ob gegen eine gerichtliche Anordnung verstoßen wurde, ist unklar. Was klar ist: Trump hat den Obersten Gerichtshof angerufen, damit das Programm weiterläuft.
Die Menschen in diesen Flugzeugen sind nicht abstrakt. Es sind Kinder. Frauen. Menschen mit Behinderungen. Opfer von Menschenhandel. Es sind Schwule, Lesben, Trans-Personen, deren Orientierung in manchen dieser Drittstaaten eine Straftat ist. Es sind Menschenrechtsverteidiger, deren Verteidigung der Grund für die nächste Verhaftung ist. Es sind Staatenlose.
Einige hatten in den USA bereits gewonnen. Einwanderungsrichter hatten festgestellt, dass sie in ihren Herkunftsländern Verfolgung oder Folter erwartet. Sie hatten Papiere. Sie hatten Urteile. Diese Urteile wurden wertlos, als die Regierung begann, Verträge mit Ländern zu schließen, in denen diese Menschen keine Wurzeln, keine Sprache, keine Familie haben.
"Die Schäden durch dieses Programm sind nicht mehr hypothetisch", schreiben die Expertinnen. "Für Migranten in besonders verletzlichen Situationen können die Konsequenzen tödlich sein."
Sie sprechen auch von einem Verstoß gegen das Non-Refoulement-Prinzip, einen Grundsatz des Völkergewohnheitsrechts, der die Zurückweisung von Verfolgten verbietet. Sie haben das Schreiben nicht nur an Washington geschickt, sondern an die Regierungen aller 35 beteiligten Staaten.
Washington hat auf Anfragen nicht geantwortet. Das passt zu diesem Programm: keine Kommentare, keine Verantwortung, keine Namen. Nur Zahlen, die wachsen, und Stimmen, die leiser werden.
Ich habe Formulare ausgefüllt für Menschen, die niemand haben wollte. Ich habe Mütter getröstet, deren Kinder an einer Grenze verschwanden. Ich weiß, wie das klingt, wenn eine Familie auseinandergerissen wird, damit eine Akte als erledigt gilt. Die Expertinnen in Genf können das nicht so sagen. Sie müssen juristisch sprechen. Aber sie meinen dasselbe.
Die Frage nach den Opfern ist offen. Niemand zählt nach. Niemand fragt nach. Niemand will wissen, was mit den fünfundzwanzigtausend geworden ist, wenn sie einmal im Kofferraum der Außenpolitik verschwunden sind.
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