DAS AUGE IM ANHÄNGER: KALIFORNIENS GRENZE WIRD ZUM ÜBERWACHUNGSNETZ
James Cordero, 44, fährt an einem Nachmittag seinen Jeep auf den Seitenstreifen einer rissigen Landstraße am Ostrand des San Diego County. Was er für einen verlassenen Anhänger hält, entpuppt sich als mehr. Dahinter verbirgt sich eine versteckte Kamera, deren Bilder in ein Netzwerk fließen, das jedes Kennzeichen registriert, das diese Strecke zwischen San Diego und der Arizona-Linie passiert.
Die Anlage ist keine Einzelerscheinung. Cordero hat Dutzende solcher Kameras gefunden, getarnt in Anhängern und Baustellenfässern entlang der Grenzstraßen von San Diego und Imperial County. Eine steht am Old Highway 80 bei Jacumba Hot Springs. Eine weitere vor dem Golden Acorn Casino in Campo. Eine dritte entlang der Interstate 8 Richtung In-Ko-Pah Gorge. Die Electronic Frontier Foundation hat inzwischen mehr als 40 solcher Geräte kartiert. Bis zu 40 Kameras, die ihre Daten in Datenbanken der Trump-Administration einspeisen.
Die Erlaubnis dazu stammt nicht von heute. In den letzten Monaten der Biden-Regierung erteilte Kalifornien Genehmigungen an die Border Patrol und andere Bundesbehörden, automatische Kennzeichenleser an State Highways zu installieren. Ein demokratisch geführter Bundesstaat, der sich heute an der massiven Abschiebepolitik der Bundesregierung reibt — und gleichzeitig die Infrastruktur dafür bereitstellt. Dieser Widerspruch ist offiziell ungelöst.
Befürworter argumentieren, die Geräte ermöglichten es den Behörden, rasch Personen zu identifizieren, die schwerer Verbrechen verdächtigt werden. Sie verwiesen auf Muster im Drogen- und Menschenhandel und auf die Suche nach Vermissten. Datenschutzexperten, Bürgerrechtsorganisationen und humanitäre Helfer sehen das anders. Sie sprechen von einem unzulässigen Eingriff in das Leben amerikanischer Bürger, die keine Straftat begangen haben. Sie sagen, das Programm kollidiere mit kalifornischem Landesrecht.
Die Behauptungen beider Seiten müssen gegen das Originalmaterial gesichert werden. Cordero selbst hat eine andere Sorge. An seinen freien Tagen führt er Freiwillige in die entlegenen Winkel des Countys, um Wasser, Nahrung und Kleidung für Migranten zurückzulassen. Er fürchtet, seine Helfer könnten von Agenten aufgegriffen werden.
Ich bin nicht so sehr um mich besorgt, sagt Cordero, aber um eine Menge unserer Freiwilligen, die rauskommen. Ich möchte nicht, dass sie mit dem Unsinn konfrontiert werden, verfolgt zu werden.
In der Kleinstadt Jacumba wiegelt der 70-jährige Allen Stanks ab. Wer nichts Verbotenes tue, müsse sich keine Sorgen machen. Alle redeten über Privatsphäre, sagt er, während sie Fotos ihres Essens auf Facebook stellten.
Die Realität vor Ort widerspricht dieser Gelassenheit. Anwohner berichten von ungewöhnlichen Begegnungen mit Beamten der Border Patrol und ihres Mutterkonzerns, Customs and Border Protection. In einem Fall befragten Agenten eine Großmutter, eine lawful permanent resident, warum sie ein Casino besucht habe. Ihr Enkel schilderte den Vorfall. Was die Kennzeichenleser mit dieser Begegnung zu tun haben, ist nicht belegt. Aber die Frage steht im Raum.
Die zentrale Frage bleibt unbeantwortet: Warum steht diese Infrastruktur hier? Eine Region mit dünnem Verkehr, wenigen Ortschaften, einer Wüstenstraße. Wer profitiert von einem Netz, das lückenlos Kennzeichen von Amerikanern erfasst, die keiner Straftat verdächtigt sind? Wer zahlt den Preis — die Freiwilligen, die Migranten, die Anwohner, deren Bewegungsprofile in Bundesdatenbanken landen?
Das Dröhnen der Drähte sagt mir: Hier wird nicht nur überwacht. Hier wird gespeichert. Was mit den Daten geschieht, wem sie zugänglich sind, wie lange sie bleiben — all das verlangt nach Akteneinsicht, die bisher nicht gewährt wurde. Die Terminal Tribune wird weiter zuhören.
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