Amische vor dem Supreme Court: Zwei Jahrhunderte Glauben, eine Streichung
Manhattan, Nebengeräusche. Die Drähte tragen wieder eine Geschichte, die nicht in die Schlagzeilen passt — weil sie langsam ist, handgeschrieben und ohne Mikrofon auskommt.
Die Amischen, seit über zweihundert Jahren in New York ansässig, stehen vor dem Supreme Court. Ihr Vergehen: Sie weigern sich, die Impfvorschriften des Staates für ihre kleinen Privatschulen zu erfüllen. Ihre Strafe: Geldbußen, die ihre Höfe bedrohen.
Im Jahr 2019 strich New York die religiösen Ausnahmen von der Schulimpfpflicht. Jahrzehntelang hatten diese Ausnahmen den Amischen Schutz gewährt. Nun habe der Staat entschieden, die Vorschrift auch gegen jene durchzusetzen, "die sich schlicht nicht an solchen Dingen beteiligen", so der Anwalt Hiram Sasser vom First Liberty Institute gegenüber Fox News Digital.
Die Zahlen: Bußgelder von 118.000 Dollar gegen die Schulen der Gemeinschaft — mehr, als diese tragen können. Das Berufungsgericht der 2. Circuit bestätigte das Gesetz im Juni. Die Amischen haben den Obersten Gerichtshof angerufen.
Und hier beginnt die Spannung, die mir auf den Drähten Sorgen bereitet.
Was die Quellen sagen, widerspricht sich — und genau das ist die Geschichte.
Sasser, der die Amischen vertritt, zeichnet ein düsteres Bild: Sollte New York vor dem Supreme Court bestehen, würden die Amischen gezwungen sein, den Staat zu verlassen. Ihre Schulen, ihre Höfe, ihre zweihundertjährige Lebensart — alles auf dem Spiel. Die Erklärungen vor Gericht, sagt er, seien handgeschrieben, "weil das ihre Art ist." Die Gemeinschaft wolle gute Bürger sein, "gute Nachbarn". Aber New York stelle sie auf eine religiöse Prüfung, "die wir den Amischen nie auferlegen sollten."
Die andere Seite, vertreten durch das Berufungsgericht und den Staat: Das Gesetz sei rechtlich wasserdicht. Die Aufhebung der religiösen Ausnahme verfassungsgemäß. New York habe seine Polizeigewalt ausgeübt — und sei in seinem Recht.
New York ist, wie Sasser anmerkt, einer von nur wenigen Bundesstaaten, die religiöse Ausnahmen vollständig gestrichen haben. Zweiundvierzig andere halten sie noch.
Nun zum Verfahren selbst, und hier wird es technisch interessant.
Der Fall wird voraussichtlich nicht den regulären Weg gehen. Er landet möglicherweise auf dem sogenannten "Shadow Docket" des Supreme Court — dem Eildossier, auf dem die Richter selten Anwälte hören, oft ohne Begründung entscheiden und nicht einmal offenlegen, wie sie gestimmt haben. ProPublica hat in einer Analyse von Zehntausenden Gerichtsakten festgestellt: Im Gerichtsjahr, das 2025 endete, hat das Gericht mehr substanzielle Entscheidungen auf diesem Schattendocket getroffen als in mündlich verhandelten Fällen. Eine Premiere in der modernen Geschichte des Gerichts. Der Supreme Court hat auf Anfragen nicht geantwortet.
Seit Juli: jede Entscheidung auf dem Schattendocket. Keine im offenen Verfahren. Das bleibt so bis zum Beginn des neuen Gerichtsjahres am 5. Oktober.
Was bedeutet das für die Amischen? Ihr Schicksal — Höfe, Schulen, eine zweihundertjährige Präsenz in New York — könnte in einem Verfahren entschieden werden, das keinen Ton trägt, keine Begründung, kein öffentliches Votum.
Das ist die Spannung, die mich wach hält.
Eine Gemeinschaft, die per Definition offline lebt — kein Strom aus der Steckdose, keine digitalen Werkzeuge — wird von einem System verhandelt, das selbst zunehmend im Verborgenen operiert. Die Frage ist immer: in wessen Händen.
Die Frage, die auf dem Draht liegt und die niemand beantworten kann: Wird der Supreme Court den Fall annehmen? Wird er auf dem Schattendocket entscheiden, ohne Begründung, ohne öffentliche Debatte? Und wenn ja — in welche Richtung?
Der Status des New Yorker Gesetzes: bestätigt von der 2. Circuit, angefochten vor dem Supreme Court. Der Status des Verfahrens: ungewiss. Der Status der Amischen in New York: offen.
Drei Wörter auf den Drähten: Bußgelder, Schattendocket, Religionsfreiheit. Was am Ende durchkommt, weiß im Moment niemand.
Ich bleibe an der Leitung.
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