Sturzflug auf 17.000 Fuß: Was die Depeschen über Flydubai nicht erzählen
Die Drähte summen. Was aus Dubai, Riad und Jerusalem gesendet wird, passt nicht zusammen. Drei Versionen, drei Wahrheiten — und ein Sturz von 34.000 Fuß in zwei Minuten.
Flydubai FZ1073, Dubai nach Tel Aviv. Eine Boeing 737 Max, 174 Menschen an Bord, 27 davon Kinder. Was rund zweieinhalb Stunden nach dem Start geschah: ein Co-Pilot ersticht den Kapitän. Das Flugzeug stürzt 17.000 Fuß in unter zwei Minuten. Es sendet 7700, das allgemeine Notsignal, und kurz darauf 7500, den internationalen Code für unerlaubte Einmischung. Israelische Kampfjets steigen auf.
Soweit die Fakten, über die alle Quellen sich einig sind. Was danach kommt, zerfällt.
Die New York Post spricht von zwei "außer Dienst befindlichen Piloten", sogenannten Relief-Piloten für den Anschlussflug. Einer Brite, beide griffen ein. Das Flugzeug sei stabilisiert und in Tabuk, Saudi-Arabien, notgelandet. Ein Passagier spricht in einem Video von der "Entführung eines Flugzeugs" und davon, dass die "Terroristen überwältigt" seien.
Die BBC formuliert zurückhaltender: Premier Netanyahu sage, ein Pilot habe "anscheinend versucht, das Flugzeug zum Absturz zu bringen". Passagiere filmten die Szenen nach der Tat. Von einer "kontrollierten Notlandung" ist die Rede.
Euronews schildert den indischen Kapitän Smit Machchaar als Helden: erstochen, aber schwer verletzt habe er sich gewehrt, die Cockpittür geöffnet und Passagieren ermöglicht, den Angreifer zu überwältigen. Ein weiteres Crewmitglied habe dann die Maschine stabilisiert.
Und hier beginnt der Widerspruch. Die Hindustan Times sowie ein zweiter BBC-Bericht bezeichnen die Eingreifenden als "on-duty flydubai crew" — aktive Besatzung also, nicht außer Dienst. Die Post sagt das Gegenteil. Wer saß wirklich im Cockpit, als die Maschine in Tabuk aufsetzte?
Auch der Ablauf ist uneins. Die Post schreibt "stabilisiert" — die Eingreifenden brachten eine außer Kontrolle geratene Maschine wieder unter Kontrolle. Netanyahu sagt laut Euronews "anscheinend versucht, das Flugzeug zum Absturz zu bringen" — also ein aktiver Sabotageversuch. Beides gleichzeitig kann nicht stimmen. Entweder war der Angreifer noch fähig zu steuern, dann war es kein "Stabilisieren". Oder die Maschine war außer Kontrolle, dann haben die Eingreifenden nicht stabilisiert, sondern aufgefangen.
Wer ist der Täter? Die Post nennt einen Co-Piloten omanischer Abstammung, der weniger als ein Jahr für flydubai fliegt. Andere Meldungen sprechen von einem religiösen Extremisten. Netanyahu selbst kommentiert einen möglichen Terrorhintergrund nicht. Saudi-Arabiens Behörden verhören den Mann — den Mann, der als gefesselt und bewusstlos, blutüberströmt in seiner Pilotenuniform beschrieben wird.
Die Helden sind schnell benannt. Netanyahu feiert den indischen Kapitän als Helden. Die Post feiert die europäischen Relief-Piloten. Passagiere filmten alles. Wer hat die Maschine wirklich gelandet? Was sagen die Stimmenrekorder im Cockpit, die kein Passagier gehört hat?
Transponder-Codes verraten mehr als Pressemitteilungen. 7700, dann 7500 — das ist keine zufällige Folge. Das ist eine bewusste Steigerung: erst "etwas stimmt nicht", dann "jemand will eingreifen". Israelische Kampfjets wurden geschickt. Was sie gesehen haben, schweigen die Depeschen.
Opferzahlen? Keine Toten bislang bestätigt. Ein Pilot schwer verletzt, im Krankenhaus. Der Angreifer in Gewahrsam. Die übrigen 172 Passagiere — unversehrt, soweit die Quellen das wissen lassen. Aber 27 Kinder waren an Bord. Über sie kein Wort in den Meldungen.
Die 737 Max. Ein Flugzeug, das durch zwei Abstürze in die Schlagzeilen geriet. Softwareprobleme, Kontrollverlust. Die Systeme wurden überarbeitet. Diesmal hielten sie — gegen einen Menschen mit einem Messer auf 34.000 Fuß. Wie lange noch, wenn die Eingreifenden eine Minute später gekommen wären?
Flydubai hat eine Stellungnahme angekündigt. Saudi-Arabien ermittelt. Israel wartet. Die Drähte summen weiter.
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