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7. Oktober 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Soft Cat Memes und die 4.000-Jahre-Lüge

7. Oktober 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen wieder. Diesmal tragen sie keine Morsezeichen, sondern Bilddateien — und sie lügen. Seit Ende September kursieren zwei Aufnahmen, die angeblich altägyptische Skulpturen zeigen: das eine Bild, möglicherweise eine Holzskulptur in einer Museumsvitrine, eine Katze, die auf einem liegenden Menschen steht oder läuft; das andere eine Katze, die sich direkt unter das Kinn eines Menschen schmiegt, dessen Augen offen erscheinen. Der Begleittext, verpackt in eine Grafik, die ein Facebook-Nutzer am 29. September teilte, lautet: "4.000-year-old statues prove cats have always ignored personal space." Die Bildunterschrift legt nach: "Cats Have Been Sitting on Their Humans for 4,000 Years." Von dort aus wanderte das Material über Threads und X weiter, sammelte Likes, Kommentare, geteilte Empörung — das übliche Ritual des viralen Augenblicks.

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Ich übersetze: Es ist ein Witz. Es war von Anfang an einer. Die Konten, auf denen die Bilder zuerst auftauchten, heißen "Soft Cat Memes" — @softcatmemes auf Facebook, Instagram und Threads, und der vermutlich zugehörige @hardcatmemes auf X. Die stehende Katze wurde am 25. September erstmals gepostet, die sitzende einen Tag darauf, am 26. September. Beide tragen überlagerte Texte: "Cats have been bothering their humans since the dawn of time" und "Evidence suggests cats have never understood personal space." Katzencontent, der das Wort "4.000 Jahre" mit dem Wort "Beweis" verheiratet.

Die Faktenchecker von Snopes haben die Spur aufgenommen. Reverse-Image-Suchen förderten keinerlei ältere Treffer zutage — keine Museumsdatenbank, kein Archäologieblog, kein Auktionshaus, keine universitäre Sammlung verzeichnet diese Stücke vor Ende September. Bei einem Objekt, das viertausend Jahre überdauert haben soll, in einer Welt, die Katzencontent zuverlässig weiterträgt, ist das mehr als verdächtig. Es ist praktisch ausgeschlossen. Ein Reddit-Nutzer verwies zudem darauf, dass Scans der Bilder mit dem kostenlosen OpenAI-Tool zur Inhaltsverifikation Indikatoren für KI-generiertes Material liefern. Snopes hat die Kontobetreiber kontaktiert, um zu bestätigen, dass die Bilder mit einem KI-Werkzeug erzeugt wurden, und hat um den Namen des Tools sowie die exakten Prompts gebeten. Eine Antwort steht aus. Das Portal kündigt ein Update an, sobald weitere Informationen vorliegen.

Wichtig, und das wird oft übersehen: Diese zwei Fälschungen stehen nicht allein. Snopes stellt fest, dass die Bilder fake sind und KI-generiert wirken — ebenso wie andere Bilder ägyptischer Skulpturen, die Katzen in Interaktion mit Menschen zeigen. Es ist ein Muster. Wer einmal sucht, findet weitere.

In den Kommentarspalten unter den Postings zeigt sich das vertraute Spektrum. Die einen glauben, weil Katzen in der ägyptischen Ikonographie tatsächlich eine zentrale Rolle spielten. Bastet, die Göttin mit dem Katzenkopf, Statuetten aus Bronze und Stein, hunderttausende mumifizierte Katzen, geweiht der Schutzgöttin. Das Australian Museum dokumentiert die Arbeit der Bildhauer im alten Ägypten — Ersatzkörper für das Grab, funeräre Statuetten, Grabsteine. Jakada Tours verweist auf die kultische Funktion: Die Katzenstatue war nicht Dekoration, sondern Repräsentation der Göttin Bastet, Sinnbild für Heim, Fruchtbarkeit und Schutz. Die Realität ist erstaunlich genug. Wer mit den Originalquellen arbeitet, weiß das. Was es nicht gab, sind diese zwei Objekte. Das ist die Leerstelle, die mit Behauptung gefüllt wird.

Hier wird es für mich, die ich das Radio und den Funk kenne, interessant: Es geht nicht um zwei lustige Katzenbilder. Es geht um die Mechanik der Verbreitung. Ein Account, mehrere Plattformen, eine Behauptung, drei Tage Verbreitungszeit — und plötzlich diskutieren Kommentatoren auf drei Kontinenten, ob "die Ägypter" Katzen geliebt haben, auf Basis von Material, das in keinem Archiv, keiner Ausstellung, keiner Publikation auftaucht.

Die Mechanik ist die alte in neuem Gewand. 1937 schickte jemand ein Gerücht über den Ticker, die Setzer setzten es, am nächsten Morgen stand es im Blatt. Heute postet ein Kontobetreiber eine KI-Ausgabe, die Algorithmen tragen sie weiter, und innerhalb von Stunden ist die Fiktion in der Welt. Der Unterschied liegt in der Geschwindigkeit und in der Schwierigkeit der Falsifizierung. Ein Museumsdirektor konnte damals anrufen und die Sache in einer Viertelstunde klären. Heute braucht es Reverse-Image-Suchen, Scan-Tools, einen Faktencheck. Bis der vorliegt, hat das Bild fünf Millionen Menschen erreicht.

Wer ein Werkzeug baut, das täuschend echte Bilder erzeugt, trägt Verantwortung. Wer diese Bilder mit dem Etikett "4.000 Jahre alt" verbreitet, ebenfalls. Und wer auf den Button "Teilen" drückt, ohne die Quelle zu prüfen, hat den dritten Teil der Rechnung zu begleichen. Die alten Ägypter setzten ihren Katzen Denkmäler aus Stein. Wir setzen unseren Halbwahrheiten Denkmäler aus Pixeln. Das ist der Stand der Drähte an diesem Morgen.

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