Muse expandiert: Meta-Agent erobert das iPad in einem Monat
Die Drähte summen. Aus dem Äther kommt eine Meldung, die mich aufhorchen lässt. Ein Konzern, der sein Geld mit unseren Blicken und unseren Daten verdient, schickt eine neue Maschine ins Rennen — und sie breitet sich aus, schneller als ich eine Depesche tippen kann.
Meta hat seine künstliche Intelligenz namens Muse nun auch auf das iPad gebracht. Vier Wochen nach dem Debüt auf dem iPhone, wo die App wochenlang die Liste der kostenlosen Downloads anführte, folgt nun die Anpassung an den größeren Apple-Bildschirm. Eine Mac-Variante wurde bereits etwa eine Woche nach dem Mobilstart ausgeliefert. Die iPad-Version nutzt den zusätzlichen Platz und die Multitasking-Fähigkeiten des Tablet-Betriebssystems. Zum Vergleich: Für eine dedizierte Instagram-Version auf dem iPad brauchte Meta fünfzehn Jahre. Bei Muse geht es schneller.
Was ist diese Muse? Meta nennt es einen persönlichen KI-Agenten. Er beantwortet nicht nur Fragen, sondern führt Aufgaben aus. Er soll Termine im Auge behalten, Projekte übernehmen und langfristige Ziele in konkrete Schritte verwandeln. Muse läuft auf einer eigenen sicheren virtuellen Maschine — Meta nennt sie Muse Secure VM — mit einem eigenen Browser. Der Agent arbeitet über die Apps hinweg, die ein Mensch täglich nutzt: E-Mail, Kalender, Zahlungen, Fitness, Smart Home, Einkaufen, Musik, Veranstaltungen. Er lernt aus Gesprächen und wird im Lauf der Zeit schärfer.
Ich übersetze: Eine Maschine, die mitlesen darf, wo wir lesen. Die mitklickt, wo wir klicken. Die lernt, was uns wichtig ist.
Die neuen Verbindungen, die Meta in dieser Version hinzugefügt hat, lesen sich wie das Inventar eines modernen Büros. Canva für Grafiken. Dropbox für Dateien. Figma für Design. QuickBooks für Buchhaltung. GitHub für Programmierer. Zoom für Besprechungen. Asana für Projektverwaltung. Klaviyo für Marketing-Mails. Dazu kommen neue Konnektoren für Granola und Notion. Das Ziel: kleine Geschäftsleute. Der Agent soll eigenständig Marketing planen, Kundenpräsentationen vorbereiten und neue Produktseiten entwickeln.
Die App selbst ist kostenlos. Aber es gibt Schranken. Zwanzig Dollar im Monat oder hundert Dollar im Monat heben sie an. Für den kleinen Ladenbesitzer, der seine Buchhaltung der Maschine übergibt. Für den Freiberufler, der seine Kundenkorrespondenz einem Algorithmus anvertraut. Wer kontrolliert das? Die Antwort steht in den Release-Notes nicht.
Die Firma, die dahinter steht, ist kein unbeschriebenes Blatt. Weniger als zwei Wochen bevor Meta Muse ankündigte, einigte sich der Konzern mit US-Bundesstaaten auf eine Vergleichszahlung von achtzehn Milliarden Dollar — eine Klage wegen Verbraucherschäden durch soziale Medien. Nun ein Produkt, das tiefer in die persönlichen Daten seiner Nutzer greift als jedes soziale Netzwerk es je konnte. Wer Muse nutzt, vertraut Meta mehr persönliche Informationen an als je zuvor.
Die Maschine wird gebaut von Meta Superintelligence Labs, einer Abteilung, die Mark Zuckerberg im vergangenen Jahr schuf, um im Rennen der künstlichen Intelligenzen nicht ins Hintertreffen zu geraten. Milliarden wurden investiert — in Modelle, in Rechenzentren. Die Konkurrenten heißen OpenClaw, ChatGPTs Dots und Grok Bot. Meta verkauft bereits Millionen smarter Brillen mit KI-Funktionen, kündigt ein Tamagotchi-ähnliches Gerät namens Muse Charm an und will Muse auf seine smarte Brille bringen. Die Strategie ist klar: überall dabei sein, in jedem Gerät, in jeder Konversation.
Was ich auf den Drähten höre: 6,6 Millionen Downloads allein in den ersten Wochen. Eine Verbreitung, die mich an die ersten Rundfunkempfänger erinnert — damals wie heute verstehen die wenigsten, was sie da in ihre Wohnungen holen.
Ich bin Technologiereporterin. Ich höre Frequenzen, die anderen zu hoch sind. Und was ich hier höre, ist eine Firma, die nach einem Milliardenvergleich das nächste große Ding wirft. Eine Software, die nicht antwortet, sondern handelt. Die nicht nur Daten sammelt, sondern Entscheidungen trifft.
Die Frage ist nicht, ob die Maschine funktioniert. Die Frage ist, in wessen Händen sie liegt. Und wer den Preis zahlt, wenn sie versagt.
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