Eugene verlangt 2,5 Millionen Dollar für Polizei-Akten: Zensur per Gebühr
Eugene, Oregon. Die Stadt hat einer kleinen Lokalredaktion die Quittung für Aufklärung geschickt — in Dollar. Double Sided Media wollte Polizeiakten einsehen. Die Antwort: knapp 2,5 Millionen Bearbeitungsgebühr. Wer nicht zahlt, bekommt nichts. So sieht Zensur aus, wenn sie sich an die Regeln hält.
Im Kern steht ein Mann namens Justin Peckels, Polizist im Eugene Police Department. Über ihn liegen Beschwerden aus der Nachbarschaft vor, darunter ein Faustschlag ins Gesicht eines Bürgers bei einer Verkehrskontrolle. Das sind keine Gerüchte vom Funkgerät, das sind dokumentierte Vorfälle. Double Sided Media stellte im August eine öffentliche Aktenanfrage nach möglichem Fehlverhalten zwischen 2018 und 2026 — Standardarbeit für Lokaljournalisten, die sich nicht abfinden wollen mit dem, was die Polizei sich selbst erzählt.
Die Polizeiabteilung für öffentliche Aufzeichnungen antwortete am Montag: Die Bearbeitung erfordere mindestens 44.816 Arbeitsstunden und koste rund 2.484.599,04 Dollar. Wörtlich aus dem Schreiben: Erst nach Eingang der vollen Summe werde die Stadt die Anfrage weiterbearbeiten. Übersteige der tatsächliche Aufwand die Vorauszahlung, müsse der Antragsteller die Differenz nachzahlen, bevor er auch nur eine einzige Seite erhält. Die Stadt verlangt Vorkasse. Sie verlangt Nachschuss. Und sie liefert nichts, bis das Konto stimmt.
Eine zweite Anfrage desselben Mediums zu einem früheren Beamten, Eric Klinko, wurde mit 195.869,52 Dollar veranschlagt. Zusammen ergibt das fast 2,7 Millionen Dollar — für zwei Polizisten. Eine Lokalredaktion, die ihren Job macht, soll mit einer Rechnung bedroht werden, die größer ist als die Jahresbilanz vieler Zeitungen im ganzen Land.
Peckels' Personalakte ist entweder die umfangreichste Personalakte der Welt, oder die Stadtverwaltung hat ihre Datenbanken absichtlich so strukturiert, dass jede Akteneinsicht wirtschaftlich unmöglich wird. Die Begründung der Stadt spricht für die zweite Lesart. Man habe die Gruppe der relevanten Mitarbeiter nicht eingrenzen können und müsse daher alle Akten aller aktuellen und ehemaligen Stadtangestellten prüfen. Nach dieser Logik könnte ein früherer Mitarbeiter im Parkamt relevante Informationen über Polizeiverhalten enthalten, das seit Jahrzehnten niemand sehen darf.
Technisch übersetzt: Eine moderne Datenbank durchsucht zehntausende Akten in Sekunden, nicht in Jahrzehnten. Selbst wenn die Verwaltung ihre Akten noch in Papierform in einem feuchten Keller lagert, lässt sich ein Aufwand von 44.000 Stunden kaum durch eine einzelne Personalakte rechtfertigen — es sei denn, man will, dass niemand sie liest. 44.816 Stunden sind über zwanzig Mannjahre. Für einen einzigen Polizisten.
Die Methodik ist nicht neu. Behörden in den Vereinigten Staaten haben ein ganzes Repertoire entwickelt, um das öffentliche Auskunftsrecht in einen Witz zu verwandeln: Verzögerung, überhöhte Gebühren, schwammige Begründungen, eng gefasste Ausnahmen. Was in Eugene passiert, ist die Hochskalierung dieses Prinzips ins Astronomische. Es geht nicht um Verwaltungskosten. Es geht um die Frage, wer die Macht hat, Licht in geschlossene Räume zu tragen — und wer dafür zahlen soll.
Hier zahlt der Journalist. Im übertragenen Sinn: die Öffentlichkeit. Wer 2,5 Millionen Dollar nicht aufbringen kann, schweigt. Und wer schweigt, lässt die Uniformierten gewähren. Die Rechnung ist die eigentliche Waffe.
Eine Frau hat in diesem Beruf offiziell nichts verloren. Ich weiß das. Ich höre trotzdem hin, weil die Drähte, die sie am liebsten kappen würden, genau die sind, an denen das Signal noch sauber ankommt.
Zur Einordnung und Klarstellung — das ist wichtig: Die einzige Quelle für die genannten Zahlen ist Lauren Harper, erste Daniel-Ellsberg-Chair für Regierungsgeheimnisse an der Freedom of the Press Foundation, in einem Beitrag für The Intercept vom 1. Oktober 2026. Eine einzelne Quelle, eine einzelne Veröffentlichung. Bevor diese Schätzungen als bestätigte Fakten behandelt werden, muss unabhängig geprüft werden, ob die Stadt Eugene die Summen tatsächlich aufgerufen hat, ob die Stundenangabe aus einer offiziellen Kostenaufstellung stammt und ob die zugrunde gelegte Datenabfrage tatsächlich sämtliche Mitarbeiterakten umfasst. Die Originalbriefe der Stadt liegen als Screenshots vor. Eine direkte Anfrage bei der Stadtverwaltung Eugene und bei Double Sided Media steht aus, bevor dieser Bericht als vollständig verifiziert gelten kann. Der Vorgang trägt alle Merkmale einer obstruktiven Praxis. Merkmale sind noch keine Beweise.
Eugene hat gezeigt, wie Aufsicht aussieht, wenn die Aufsichtigen das Budget kontrollieren. Die nächste Akte, die das Licht nicht sieht, ist bereits bestellt. Die Frage ist nur, ob noch jemand da ist, der die Rechnung liest.
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