Buße fürs Steak, Schweigen über Moore
Die Drähte summen aus Kansas. Ein Pastor will Senator werden. Er trägt zwei Lasten: eine Predigt über das Rindfleisch und den Schatten eines überführten Sexualstraftäters aus seiner eigenen Kirche.
Adam Hamilton, Demokrat, kandidiert für den US-Senat in Kansas gegen den republikanischen Amtsinhaber Roger Marshall. Hamilton ist seit mehr als drei Jahrzehnten leitender Pastor der Church of the Resurrection in Leawood, nach eigenen Angaben die größte methodistische Kirche der Vereinigten Staaten. Im Senatsrennen zwischen Hamilton und Marshall, urteilen Beobachter, ist der Ausgang überraschend offen.
Im Januar 2020 hielt Hamilton eine 44-minütige Predigt unter dem Titel "What Would Jesus Say About Climate Change?" — Was würde Jesus zum Klimawandel sagen. Es ging um Treibhausgase und Kohlendioxid, um Pflanzen, die wir anbauen, weil wir sie gerne essen. "Manche Dinge, die wir anbauen, weil wir sie gerne essen, wie Rinder, produzieren mehr Kohlendioxid als andere Pflanzen, die wir anbauen könnten, andere Nahrungsformen, die wir haben könnten", sagte Hamilton. Buße bedeute: "Ich habe die Dinge anders gesehen, es hat mein Herz verändert, und es hat mein Verhalten verändert."
Die Aussage trägt weit in einem Bundesstaat, in dem nach Zahlen des Kansas Livestock Association 5,8 Millionen Rinder leben und rund 2,9 Millionen Menschen. Mehr Tiere als Leute. Die Republikaner führen Kansas im Senat seit fast hundert Jahren — zuletzt stellte 1932 ein Demokrat den Senator.
Warum die Predigt aus dem Jahr 2020 jetzt wieder auf den Schreibflächen steht: Eine Website namens RealAdamHamilton.com hat das Material gebündelt. Sie wird nach Eigenangaben vom Wahlkampfkomitee "Kansans for Marshall" bezahlt und sei nicht mit Hamilton oder seiner Kampagne affiliert. Sechs Themenblöcke strukturiert die Seite: Rindfleisch und Klima, Aussagen über die Zusammensetzung der Bevölkerung Kansas' und des Johnson County, die Beteiligung der Church of the Resurrection an der Kansas City PrideFest 2025, die Spaltung der United Methodist Church über die LGBT-Politik, eine Einladung zu einer Empfangsveranstaltung des Democratic Senatorial Campaign Committee sowie Äußerungen über christlich motivierte Gewalt. Der Block über Rindfleisch trägt die Überschrift "Got Beef? Not Adam."
Der Marshall-Werbespot, Teil einer 1,2-Millionen-Dollar-Ausgabe für landesweite Ausstrahlung in Kabel, Broadcast und Streaming ab diesem Wochenende, wiegt schwerer. Er dreht sich um Scott Moore, einen ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kirche. Nach Prozessaussagen wurden im November 2005 zwei Jugendliche während des mehrtägigen Camp-Wochenendes der methodistischen Kirche in einer Hütte überfallen. 2006 soll es weitere Vorfälle gegeben haben. "Was hat Hamilton getan, als Opfer den Kirchenleitern Bericht erstatteten? Die Eltern wurden ignoriert, und Hamilton hat nie die Polizei gerufen", sagt der Spot-Erzähler. Im Herbst 2006 sei Moore "frei für neue Opfer" zurückgekehrt, "später wegen weiterer Sexualverbrechen an Kindern verurteilt". Der Spot schließt: "Adam Hamilton hat einen Pädophilen geschützt. Er sollte nie unser Senator sein."
Hamilton hat die Vorwürfe zurückgewiesen, die bereits im Mai dieses Jahres von dem demokratischen Staatssenator Patrick Schmidt in der Vorwahl aufgeworfen worden waren. Im Juli sagte Hamilton dem Kansas Reflector, er würde die Dinge heute "absolut" anders handhaben. Sein Sprecher Tyson Brody erklärte: "Das ist ein verzweifelter und beschämender Angriff eines verlierenden Politikers auf die größte Kirche seines eigenen Bundesstaates. Diese Anwürfe Marshalls wurden bereits in der Vorwahl von lokalen Reportern untersucht, die fanden, dass die Kirche die Vorfälle den Behörden gemeldet hat, und Adam später persönlich daran mitwirkte, den Täter verurteilt zu sehen." Brody wirft Marshall seinerseits vor, schwangere Frauen in Haft genommen und gegen die Freigabe der Epstein-Akten gestimmt zu haben.
Moore wurde 2013 wegen sexueller Körperverletzung in einem minder schweren Fall verurteilt, nachdem er 2010 den Sohn eines Bekannten bei einem Schlafraum unsittlich berührt hatte. Gegen ihn sagten unter anderem Jugendliche aus der Church of the Resurrection aus, die 2005 und 2006 betroffen gewesen sein sollen.
In Scheidungsverfahren hat Hamiltons getrennt lebende Ehefrau eigenen Angaben zufolge bestätigt, sie habe die Tickets der GOP-Liste gewählt. Eine Signalstörung aus der Privatsphäre, die kein vollständiges Bild zeichnet.
Aktuelle Umfragen sehen Marshall 1,5 Prozentpunkte vor Hamilton vor der Wahl am 3. November, nach dem Durchschnitt von RealClearPolitics. Hohe Dieselpreise und wirtschaftliche Anspannung auf dem Land hätten den Wahlkreis zum offenen Schlachtfeld gemacht, hatte Fox News Digital berichtet. Die Sitzverteilung im Senat steht auf dem Spiel.
Zwei Signale, ein Kabel. Kansas hört zu.
❖ Ende des Artikels ❖
