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Terminal Tribune

10. Oktober 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Kojoten, Konzerne, Kontrakte: Südkaliforniens Rüstungsboom

10. Oktober 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen. Ich übersetze.

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San Bernardino Mountains, ein Uhr nachts. Vor einer kleinen Hütte, die einem Ehepaar namens Simpson gehört, liefern sich drei Kojoten vierzig Minuten lang eine Prügelei. Eine Überwachungskamera nimmt alles auf. Annette Simpson sagt dem Sender KTLA später, sie finde das „ziemlich cool". Ihr Hund hatte in der Nacht gebellt — jetzt weiß die Familie, warum.

So weit der eine Teil dieser Geschichte. Er ist harmlos. Er ist das, womit Lokalredaktionen Spalten füllen, wenn nichts Großes passiert.

Aber seien wir ehrlich: Nichts Großes passiert gerade in Südkalifornien nicht.

Denn über den Bergen, über den Hütten, über den Kojoten und den bellenden Hunden baut sich etwas auf, das sich nicht mehr mit einem Insektenstich auf der Haut vergleichen lässt. Es ist die Geschichte eines Rüstungsbooms, der das tägliche Leben der Menschen dort längst durchdrungen hat — und der sich hinter alltagsbunten Meldungen verbirgt.

Eine Analyse des gemeinnützigen Mediums The Markup und von CalMatters zeigt: Der Gesamtwert der Verteidigungsaufträge, die Unternehmen im Los Angeles County in den letzten zehn Jahren an Land gezogen haben, hat sich inflationsbereinigt mehr als verdoppelt. Im selben Zeitraum wuchs das Verteidigungsbudget der Vereinigten Staaten um rund neunzehn Prozent in bereinigten Dollar.

Fünfzehn Milliarden Dollar an Aufträgen gingen im vergangenen Jahr allein in den Bezirk Los Angeles. Der Löwenanteil floss an alte Namen wie Boeing, mit Sitzen anderswo. Doch der Anteil der Startups wächst. Im Jahr 2025 wurden zehn Startups in der Region zu sogenannten Einhörnern — Firmen, die Investoren mit mehr als einer Milliarde Dollar bewerten. Die meisten davon: Luft- und Raumfahrt, Verteidigung.

2015 entfielen vierzehn der hundert größten Verteidigungsaufträge Kaliforniens auf Drohnen oder Weltraum. Zehn Jahre später: einundzwanzig. Gemessen in Dollar: von dreizehn auf achtzehn Prozent.

Private Risikokapitalgeber haben dieses Feuer geschürt. Ein Bundesbericht der Aerospace Corporation, einer föderal finanzierten Nichtregierungsorganisation, spricht von gewaltigen Gewinnen, gespeist aus Investments in Luft- und Raumfahrt seit 2008.

Hier nun die Stelle, an der das Schmunzeln über die Kojoten aufhört.

Der Krieg im Iran hat die amerikanischen Munitionsvorräte geleert. Die Nachfrage steigt weiter. Der Haushaltsentwurf der aktuellen Regierung in Washington sieht eine Rekordsumme von anderthalb Billionen Dollar für das Militär vor. Das Verteidigungsministerium hat die ersten Verträge für das sogenannte „Golden Dome" genehmigt — ein Raketenabwehrsystem über dem Land, das am Ende Hunderte Milliarden kosten könnte. Die meisten Gewinner dieser Ausschreibung haben ihren Sitz oder starke Verbindungen nach Südkalifornien.

„Sie haben diesen enormen Kapitalzufluss gesehen, und jetzt sehen Sie deutlich größere Regierungsbudgets für den Weltraum", sagt Sam Wilson, Forscher bei der Aerospace Corporation.

Eine solche Schnittmenge aus Risikokapital und Militärkasse alarmiert Beobachter. Sie sehen eine Tendenz zur Privatisierung und die Gefahr eines Wettrüstens im All. Selbst Abgeordnete der Demokraten üben inzwischen Kritik an den Ausgaben. Bemerkenswert, weil die Aufstockung des Militärhaushalts sonst eher ein Zweiparteien-Projekt gewesen sei.

Was also bleibt, wenn man die drei Kojoten vor der Hütte der Simpsons und die Milliarden über dem Tal zusammennimmt? Es bleibt das Bild einer Region, in der die Waffensysteme, die in den Labors und Werften zwischen San Bernardino und dem Pazifik entworfen werden, nicht mehr nur an fernen Fronten landen. Sie landen in der unmittelbaren Nachbarschaft. In der Luft, die geatmet wird. In der Lizenz, die fliegt. In der Steuererklärung, die bezahlt wird. In der Kamera, die nachts drei Kojoten filmt — während in ein paar Flugstunden Entfernung Verteidigungsaufträge unterschrieben werden, die das Antlitz dieses Landes verändern werden.

Noch ein Wort zur Quelle, weil Quellen in solchen Tagen kein Luxus sind. Die Bilder von den Kojoten stammen aus dem Verteiler eines großen Sportportals, das wiederum auf einem Senderclip aus Los Angeles fußt. Die Daten zum Rüstungsboom kommen aus einer gemeinsamen Analyse zweier Redaktionen, deren Methodik offen veröffentlicht wurde. Beide Quellen sind unabhängig voneinander, keine zitiert die andere. Das macht die Beobachtung nicht falsch. Es macht sie aber auch nicht vollständig. Wer Genaueres wissen will, muss den Code, die Tabellen und die ursprünglichen Verträge selbst prüfen.

Ich übersetze weiter.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 2 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Coyotes choose the front of a couple's Southern California cabin for an early morning scrap

    „The mystery surrounding why a couple's dog barks in the middle of the night at their Southern California cabin has been solved thanks to some early morning surveillance footage.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT Defense tech has unleashed a new weapons boom in Southern California

    „The business of military contracting is booming in Southern California.“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

2 Quellen · 2 davon belegt · 3 externe Belege · 2 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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