Auf der Suche nach dem Bruch — MMT wartet auf seine Stunde
Die Drähte summen, und diesmal höre ich eine Frequenz, die sonst niemand hören will: jene, auf der Volkswirte darüber reden, was passiert, wenn das Geld der Staaten nicht mehr reicht. In einem einzelnen Aufsatz, der dieser Tage die Runde macht — eine Quelle, daher dringend verifikationsbedürftig —, skizziert Richard Murphy, emeritierter Professor für Rechnungswesen an der Sheffield University Management School und Direktor von Tax Research LLP, eine These: Die moderne Geldtheorie, kurz MMT, werde nicht durch Überzeugung in die Praxis gelangen, sondern durch Panik. Erst die nächste große Krise werde Politiker zwingen, die alten Annahmen über Bord zu werfen.
Murphy erinnert an eine Reihe historischer Wendepunkte, die hier nur referiert, nicht bestätigt werden können: Die Große Depression habe den Keynesianismus den Weg geebnet, der Beveridge-Report die Fundamente für die Nachkriegsordnung gelegt, die Turbulenzen der 1970er das Tor für den Neoliberalismus geöffnet, 2008 erneut ein Fenster für Reformen geschaffen. Ob diese Geschichtsdeutung in jedem Punkt hält, ist an unabhängigen Quellen zu prüfen.
Die Frage, die mich nicht loslässt, ist nicht die nach den historischen Parallelen. Sie lautet: Wer kontrolliert die Notausgangstür? Wer profitiert, wenn der Schalter umgelegt wird? Wer zahlt den Preis?
Murphys technische Beschreibung der Theorie — ebenfalls nur aus der einen Quelle — lautet: MMT beschreibe gar kein neues Geldsystem, sondern das bestehende. Staatliche Ausgaben schüfen Geld, Besteuerung ziehe es aus dem Umlauf zurück, Staatsanleihen dienten als Sparmechanismus. Die entscheidende Frage sei nicht mehr, ob der Staat sich etwas leisten könne, sondern ob die realen Ressourcen vorhanden seien, um eine Aufgabe zu erfüllen: Land, Material, Bauarbeiter, Ärzte, Pflegekräfte. Geld allein schaffe diese Dinge nicht.
Das klingt nach Werkbank. Aber ich höre das Summen zwischen den Zeilen.
Die externe Einordnung, soweit sie überhaupt vorliegt, zeigt ein gespaltenes Bild. MMT hat in progressiven Kreisen — Namen wie Alexandria Ocasio-Cortez und Bernie Sanders werden genannt — Anhänger gefunden, die darin ein Werkzeug sehen, um Programme wie den Green New Deal oder allgemeine Gesundheitsversorgung zu finanzieren. Ob diese politische Verankerung tatsächlich tragfähig ist, bleibt zu prüfen. Auf der anderen Seite warnt ein Beobachter wie Harley Bassman vor einer historischen Konstante: Gesellschaften, die schneller druckten als ihre Produktivität wuchs, endeten in Inflation. Eine Standarddefinition hält fest, dass die Theorie an die staatliche Kontrolle der eigenen Währung geknüpft ist — ein Vorbehalt, der jede globale Anwendung einschränkt. Auch diese Aussagen stammen aus einzelnen Quellen und sind nicht verifiziert.
Und dann ist da der Kommentar, der dem Aufsatz vorangestellt ist. Verfasser nur mit „Conor" gezeichnet. Der Ton: nicht hoffnungsvoll, sondern zynisch. Murphy wünsche sich den Moment, in dem Politiker zur MMT griffen. Die zentrale Frage, wörtlich aus dem Kommentar: „Why would politicians, nearly all bought and paid for, turn on their benefactors?" — warum sollten gewählte Volksvertreter sich gegen ihre Geldgeber wenden? Die Proteste in Frankreich und Spanien, die Murphy nennt, seien erst der Anfang.
Diese Skepsis ist mehr als eine persönliche Meinung. Sie ist eine Systemfrage. Murphys eigene Liste möglicher Auslöser — Finanzinstabilität, Krieg, KI, Klimawandel, Rezession — liest sich wie eine Inventur der laufenden Krisen. Jede einzelne ist bereits im Gange. Wann also kommt der Bruch?
Murphy fordert, dass die Theorie vorbereitet sein müsse, wenn der Moment komme — eine klare, praktische politische Erzählung, ein ökonomischer Rettungsring. Eine weitere externe Stimme erwähnt Überlegungen Draghis in Richtung einer People's QE, einer quantitativen Lockerung, die nicht Banken, sondern Bürger erreichen würde. Ob daraus Politik wird, ist offen.
Die Quelle ist eine. Das Bild, das sie zeichnet, ist ein Fragezeichen mit zwei Spitzen: oben die Hoffnung auf bessere Verteilung, unten die Angst vor einer Inflation, die alles auffrisst. Welche Spitze zuerst bricht, werden die nächsten Frequenzen zeigen.
Ich bleibe dran. Das Lötzinn dampft. Der Kaffee ist kalt.
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