Börse
Terminal Tribune

13. Oktober 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

TALARICO UND DIE HRC: SCHECK IN DER HAND, NEIN IM MUND

13. Oktober 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen. In New York kassiert ein texanischer Demokrat Schecks von der Human Rights Campaign – und hat drei Wochen zuvor im Fernsehen das Gegenteil von dem gesagt, wofür die Lobbygruppe steht.

Zeitgenössische Anzeige (Illustration)
— Anzeige —

James Talarico, 37, Mitglied des texanischen Repräsentantenhauses und Kandidat für den US-Senat, war am 29. September Gastgeber eines Fundraising-Empfangs im Greenwich Village. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von Morgan Cox, Vorstandsmitglied der HRC; Andrew Solomon, Vorstand der HRC Foundation; sowie dem ehemaligen US-Botschafter in Spanien, James Costos, der beiden HRC-Gremien angehört. Die Tickets: 1.000 Dollar für den einfachen Eintritt, 13.500 Dollar für die Champion-Stufe.

Die HRC ist nach eigenen Angaben die größte LGBTQ-Lobbyorganisation der Vereinigten Staaten. Ihr offizieller Leitfaden empfiehlt Pubertätsblocker für Jugendliche und listet geschlechtsangleichende Operationen als eine Option, die für manche trans Jugendliche in Frage komme – "selten vor dem 17. Lebensjahr", wie die HRC schreibt. Eine begleitende Grafik führt die "üblichen Schritte einer Geschlechtsumwandlung" auf: Pubertätsblocker für "frühe bis mittlere Jugendliche", gegengeschlechtliche Hormontherapie – Testosteron für biologisch weibliche, Östrogen mit Androgenhemmer für biologisch männliche Patienten.

Drei Wochen vor dem New Yorker Empfang, am 8. September, sagte Talarico in einem Fox-News-Interview, er würde als Senator für ein nationales Verbot geschlechtsangleichender Operationen an Minderjährigen stimmen. Er sei "in dieser Frage konsistent" gewesen. Seinen früheren Widerstand gegen ein texanisches Verbot trans-chirurgischer Eingriffe an Minderjährigen erklärte er damit, dass der entsprechende Gesetzentwurf "überbreit" gewesen sei.

Madison Cercy, Sprecherin des republikanischen Konkurrenten Generalstaatsanwalt Ken Paxton, kommentierte die Veranstaltung mit den Worten, Talarico sage "alles, um gewählt zu werden" und wechsle "je nach Publikum seine Position". Egal wie oft er sich drehe, bleibe er ein "radikaler Demokrat", der einen Gesetzentwurf zur Abschaltung der Öl- und Gasindustrie verfasst, für die Einführung einer texanischen Einkommensteuer gekämpft habe und "im Moment seiner Vereidigung" wieder "seine radikale Trans-Agenda" vorantreiben werde.

Talaricos Vergangenheit enthält weitere dokumentierte Widersprüche. Im Jahr 2020 sprach er vor einer Jugendgruppe, die ein Defunding der Polizei forderte. Es sei "reich", sagte er damals, dass dieser Slogan in der politischen Debatte als "tabu" gelte, während Texas jahrzehntelang Schulen und Gesundheitswesen kaputtgespart habe. Das Polizeisystem sei "zutiefst kaputt" und müsse "durch etwas Neues und Besseres ersetzt werden". Er schlug vor, für bestimmte Notfälle statt Polizisten "hochqualifizierte Kriseninterventionisten" zu entsenden. Im Juni 2020 spendete er 2.500 Dollar an die Austin Justice Coalition, die ebenfalls ein Defunding der Polizei verlangte – eine Spende, die er später öffentlich verteidigte. Sein Wahlkampfteam erklärt heute, er habe nie ein Defunding gefordert und unterstütze es auch nicht; er habe in seiner Amtszeit Milliardenbeträge an die lokale Polizeibehörde freigegeben.

CNN griff Townhails Recherchen auf und bestätigte die Aufnahmen. Senator Ted Cruz erklärte, Talarico spiele vor der Kamera den Moderaten; sein Rekord sei es nicht. Cruz steht seit Jahren an der Seite texanischer Strafverfolgungsbehörden.

Ein weiterer Punkt im Lebenslauf des Kandidaten: ein Klinikaufenthalt in einer Einrichtung für psychische Gesundheit in Ohio. Die genauen Umstände sind nicht öffentlich dokumentiert. Unterstützt wird Talarico unter anderem von der Country-Legende Willie Nelson, die sich für den Demokraten stark macht.

Während in Texas Schecks von LGBTQ-Lobbyisten fließen, fließt im Nachbarstaat Minnesota Geld aus einer anderen Richtung: sogenannte "AI safety doomer" – Spender aus dem Lager derer, die vor den Risiken künstlicher Intelligenz warnen – pumpen erhebliche Summen in den Wahlkampf der demokratischen Kandidatin Peggy Flanagan. Zwei Senatsrennen, zwei sehr unterschiedliche Spenderströme. Was die Geldgeber im jeweiligen Empfänger suchen, verraten die Überweisungen allein nicht. Die Kandidaten sagen es – jeder auf seine Weise.

Die Spender im HRC-Empfang in New York sitzen in Vorständen, deren Organisation medizinische Eingriffe an Minderjährigen unterstützt. Der Kandidat, der ihr Geld nimmt, hat im Fernsehen erklärt, er würde diese Eingriffe am liebsten gesetzlich verbieten lassen. Beides ist dokumentiert. Welche der beiden Positionen am Ende im Senatssaal in Washington landet, wird die Wahl im November zeigen.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 2 Behauptungen belegt
  1. ZAHL 2020

    „NEW KFILE looking at James Talarico’s record on policing in 2020.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT ‘We must replace’

    „We must replace it with something new and something better,“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

  • 4 weitere Quellen waren beim Schreiben nicht abrufbar

5 Quellen · 2 davon belegt · 4 externe Belege · 2 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

Erwähnt in diesen Akten

Aus diesem Ressort