Börse
Terminal Tribune

13. Oktober 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Tokens für zehn Minuten: Wie Hock Tan den Chip-Markt aufs Spiel setzte

13. Oktober 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Mein Lötkolben ist kalt, mein Kaffee ist es auch. Aber die Drähte sind warm. Was aus Singapur kam, ist eine Frequenz, die ich seit vierundzwanzig Stunden verfolge. Hock Tan, Chef des Halbleiterkonzerns Broadcom, hat am Montag Investoren, die auf künstliche Intelligenz setzen, mit Spielern in einem Casino verglichen. Chip-Aktien reagierten umgehend mit Verlusten.

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Was er sagte, ist überliefert, weil Bloomberg zuhörte. „Eine Menge Investoren haben keine Ahnung, worin sie investieren", erklärte Tan in Singapur. Sie setzten „extrem hohe Erwartungen, nur um dann festzustellen, dass sie fast in einem Casino sind". Dann griff er zum Bild aus der Kindheit — und das ist die Stelle, die sitzt. Wer als Kind in eine Spielhalle geht, bekommt von den Eltern zehn Dollar in Münzen, ist sie in zehn Minuten durch — „und hat nichts gelernt". Genau das passiere heute in den Unternehmen.

Die Worte tragen Gewicht. Broadcom ist an der Börse 1,7 Billionen Dollar wert; die Aktie liegt zehn Prozent über dem Jahresanfang. Das Unternehmen verdient am KI-Boom, weil es Chips, Netzwerktechnik und Speicherinfrastruktur für die Rechenzentren liefert, die diese Welle tragen. Ausgerechnet dieser Lieferant sagt dem Markt, dass der Markt nicht wisse, was er kauft.

Die Reaktion der Börse folgte prompt. Chip-Aktien gaben nach. Die Logik der Verkäufer ist nachvollziehbar — wer „Casino" hört, denkt Spekulation, denkt Blase, denkt Ausstieg. Aus einem Selbstgespräch der Wall Street wurde binnen Stunden eine Marktbewegung.

Tans eigenes Haus gibt ihm Rückendeckung für Skepsis. Im September hob er die Umsatzprognose für das vierte Quartal auf 17,4 Milliarden Dollar — über den 17,01 Milliarden, die Analysten erwartet hatten. Wer solche Zahlen liefert, hat jedes Recht, zurückhaltend zu sprechen. Aber zwischen einer nüchternen Warnung und einem Casino-Vergleich klafft ein Abstand. Das eine ist eine bittere Pille, die man schlucken kann. Das andere ist eine Ohrfeige vor laufenden Kameras.

Die Bühne, auf der das geschah, war nicht neutral. Auf einer Konferenz der DBS Bank — Südostasiens größtes Geldhaus — stand Intels CEO Lip-Bu Tan neben ihm. Auch der Intel-Chef sprach von knapper Hardware in den nächsten Jahren, von Speicherchips als möglichem ersten Glied der Lieferkette, das abkühlt. Hohe Anleihenrenditen verteuern Kredite. Eine Reihe von Börsengängen wurde in den vergangenen Wochen verschoben — der Ringmacher Oura, der Nvidia-gestützte Rechenzentrumsausrüster Firmus, das Datencenterunternehmen SB Energy aus dem SoftBank-Portfolio.

Im Hintergrund wartet Anthropic. Der KI-Konzern soll um Thanksgiving herum an die Börse, mit einer Bewertung im Bereich von zwei Billionen Dollar. OpenAI, so die Erwartung, wird danach folgen. Kapital, das an anderen Stellen fehlt, sammelt sich an dieser einen Stelle — die Anleger halten ihre Mittel zusammen.

Tan Su Shan, Chefin der DBS Bank und Gastgeberin der Konferenz, sprach parallel bei Bloomberg TV von einer „gesunden" Neubewertung der KI-Risiken. Gesunde Neubewertung ist Banker-Sprache. Sie bedeutet: die Musik wird langsamer, die Tanzfläche lichtet sich.

Was bleibt, ist ein nüchterner Datenpunkt. Die Aussage eines CEO, dessen eigenes Unternehmen am Aufbau der KI-Infrastruktur verdient, trifft auf einen Markt, der gerade prüft, wie viel Übertreibung er verträgt. Wer „Casinospieler" sagt, hat eine Frequenz gewählt, die der Markt nicht überhört. Was er daraus macht, wird man an den nächsten Handelsstunden ablesen.

In einem Punkt hatte Tan allerdings bereits recht — das hat er gegenüber der Financial Times selbst so gesagt. Seine Kunden im Silicon Valley zeichneten mit Hochdruck Pläne für drei bis fünf Jahre, „in sehr großer Eile". Sie investierten „mit voller Kraft". Ein Lieferant, der so viele Bestellungen sieht, kann das Geschäft nicht bremsen — also bremst er die Erwartung. Das ist Mechanik. Keine Magie.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 0 von 2 Behauptungen belegt
  1. ZITAT The Broadcom CEO compared AI investors to gamblers / stated they are 'in a casino'

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  2. ZITAT Chip stocks slid after the 'casino' comment by the Broadcom boss

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

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2 Quellen · 0 davon belegt · 3 externe Belege · 2 prüfbare Behauptungen

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