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Terminal Tribune

14. Oktober 2026

Dossier · Krisen & Konflikte

LUFT ÜBER KYJIW — UND EUROPA ZAHLT DIE RECHNUNG

14. Oktober 2026 — Morrison, over and out.

Die Nacht gehört den Drohnen. Wieder einmal. Über Kyjiw brummt der Himmel wie eine Werkstatt, in der niemand Feierabend macht. Russland schickt seine Jets, seine Raketen, seine Drohnen mit Düsenantrieb — sechshundert Kilometer pro Stunde, schnell genug, dass der Schall ihnen nicht mehr hinterherkommt. Wer unter ihnen steht, hört sie erst, wenn alles vorbei ist. Oder wenn gar nichts mehr vorbeikommt.

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Es ist nicht die erste Nacht dieser Art. Es ist auch nicht die letzte. Das ist das Neue an diesem Krieg: Er stagniert auf dem Boden. Die Gräben stehen, die Fronten halten, die Generäle schieben Figuren über Karten, die kein Mensch mehr glaubt. Aber oben, in der Luft, da tobt ein zweiter Krieg, der keinen Waffenstillstand kennt. Täglich. Stündlich. Rund um die Uhr. Täglicher Terror aus der Luft — wer den Ausdruck benutzt, hat den Krieg noch nicht erlebt. Wer ihn erlebt hat, schreibt ihn nicht mehr.

Mindestens fünf Tote in dieser Runde. Andere Quellen sprechen von acht. Bürgermeister Klitschko, dieser Mann mit den Boxervisitenkarten, warnt vor weiteren Opfern — als hätte ihn jemand gefragt, als könnte irgendjemand die Drohnen zurückpfeifen. Klitschko warnt. Klitschko zählt. Klitschko schaufelt. Mehr kann ein Bürgermeister nicht tun, wenn der Himmel ihm nicht gehört.

Präsident Selenskyj hat derweil eine Warnung an die chinesischen Fluggesellschaften geschickt. Bleibt draußen, sagt er im Wesentlichen. Russland macht keinen Unterschied mehr zwischen Militär und Zivil — auch nicht zwischen Zivil und Zivil, der zufällig in der falschen Maschine sitzt. Zwei Quellen bestätigen die Warnung. Man darf annehmen, dass sie ernst gemeint ist. Man darf auch annehmen, dass sie nichts nützt, weil Flugzeuge nun einmal fliegen und Raketen nun einmal nicht lesen.

Während die Sirenen heulen, sitzen amerikanische Gesandte in Kyjiw. Sie sind gekommen, um über Feuerpausen zu reden. Sie sitzen in Kellern oder Hotels oder wo auch immer man in Kyjiw sitzt, wenn oben die Welt brennt. Man stelle sich das vor: Unterhändler im Bombenhagel, Worte zwischen den Einschlägen, Diplomatie als Pausensprecher des Terrors. Sie reden, während die Drohnen kommen. Sie reden weiter, während die Drohnen weiterkommen.

Denn hier liegt der Bruch, den keine Schlagzeile glattbügelt. Eine Quelle sagt: Die Angriffe hören auf. Eine andere sagt: Die Angriffe werden fortgesetzt. Beide Quellen haben dasselbe Datum, dieselbe Stadt, denselben Himmel. Nur die Wahrheit ist zweimal vorhanden, und keine davon ist die Wahrheit. Wer aufhört zu schießen, schießt weiter. Wer weiter schießt, hat aufgehört. Kyjiw lebt in diesem Widerspruch wie in einer Glocke, aus der kein Schall entweicht. Kyjiw, nicht Kiew — obwohl manche Quelle noch den alten Namen tippt. Kyjiw, weil die Stadt sich selbst umbenannt hat. Die Quellen nicht.

Dasselbe gilt für Europa. Während über Kyjiw die Jets brennen, kaufen EU-Staaten weiter Energieträger aus Russland. Man könnte sagen: Sie kaufen das Feuer, das sie selbst löschen wollen. Aber das wäre zu einfach. Wahr ist: Sie kaufen, und sie wissen, dass sie kaufen, und sie kaufen weiter, weil die Rechnungen der Haushalte lauter schreien als die Toten in Kyjiw.

In London sitzt der MI5 und hat 2026 viel zu tun gehabt. Staatsbedrohungen, sagen die Leute, die sowas sagen. Mehr als vierzig deutsche Organisationen warnen im selben Atemzug davor, das Asylrecht in der Europäischen Union auszusetzen. Man fragt sich, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Die Antwort ist: nichts, und alles. Nichts, weil es verschiedene Themen sind. Alles, weil es dasselbe Europa ist, das seine Werte an den Abkürzungen verramscht, während es gleichzeitig die Rechnungen aus dem Osten bezahlt.

Morrison, der aus einer rauchigen Redaktion zwischen Krieg und Frieden schreibt, kann dazu nur eines sagen: Morgen Nacht kommen die Drohnen wieder. Und Europa wird die Heizung wieder anstellen.

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Herangezogene Quellen — 2 abrufbare Quellen

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