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14. Oktober 2026

Dossier · Krisen & Konflikte

Netanjahus Quellenjagd, während seine Regierung Gangs bewaffnet

14. Oktober 2026 — Morrison, over and out.

Jerusalem, irgendwann im Juni. Die Hitze steht über der Knesset, der Bourbon ist kalt auf dem Schreibtisch, und der Premierminister will Blut sehen — nicht seines, sondern das von Journalisten.

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Benjamin Netanjahu hat eine Untersuchung gefordert. Nicht gegen die Kamera, nicht gegen den Schnitt, nicht gegen die goldene Statuette, die inzwischen in einer Vitrine in Tel Aviv steht. Nein. Gegen die Quellen. Gegen jeden, der den Preisträgern auch nur einen Lageplan zugeflüstert hat.

Der Film heißt anders, aber das spielt keine Rolle. Was zählt, ist der Inhalt. Die israelischen Filmemacher Yuval Abraham und Rachel Szor, Oscar-prämiert, haben dokumentiert, was die Welt seit achtzehn Monaten wegsieht: das Massensterben der Zivilbevölkerung in Gaza. Haus um Haus. Viertel um Viertel. Mit der Geduld von Bestattungsunternehmern.

Der Auftraggeber ist nicht der Feind. Es ist der Guardian. Ein britisches Blatt. Das macht die Sache für den Premier schlimmer und besser, je nachdem, wen man fragt.

Während die Regierungskanzlei die Journalisten an die Wand stellen will, zerbröselt die eigene Pressearchitektur unter der Last der Fakten. Drei Meldungen aus drei Tagen. Jede eine eigene Bombe.

Meldung eins: Netanjahu gibt zu, bewaffnet zu haben. Clan-Chefs, Milizen, sogenannte kriminelle Familien in Gaza. Soll gegen Hamas kämpfen. Quelle: der Premier selbst, in einem Interview, das er offenbar für ein anderes Programm gehalten hat. Avigdor Liberman hatte die Sache tags zuvor auf KAN Reshet Bet aufgemacht — das Büro des Premiers und ein Sicherheitsbeamter weigerten sich anschließend, das zu dementieren. Drei Tage später, in einer weiteren Aussendung, redet Netanjahu von Kampf gegen Hamas „auf verschiedene Weise", ohne das Wort Miliz in den Mund zu nehmen.

Quelle A schreibt also: Israel bewaffnet Milizen. Quelle B sagt: kein Beleg, keine offizielle Bestätigung. Wahr ist: Der Premier hat es zugegeben und gleichzeitig geleugnet, in derselben Woche, im selben Atemzug. Das ist kein Widerspruch. Das ist Routine.

Meldung zwei: Die IDF tötet den Hamas-Finanzchef bei einem Luftschlag in Gaza. Separater Vorgang. Dazu kommt die Zerstörung eines Tunnels, in dem ein Hamas-Kommandeur sieben israelische Geiseln festhielt. Der Kommandeur ist tot. Die Geiseln sind nicht befreit worden. Das Video von der Tunnelzerstörung hat das Militär selbst veröffentlicht. Man zeigt, was man zeigen will.

Meldung drei: Eine offizielle israelische Karte, versehentlich veröffentlicht. Auf ihr sind Militärbasen in Gaza verzeichnet, die niemand sehen sollte, und das volle Ausmaß der Zerstörung, flächendeckend kartiert. Die Karte war nicht für die Öffentlichkeit. Sie ist jetzt im Netz. Ein Lapsus, an dem man die Genauigkeit der Zerstörung ablesen kann.

Dann Kairo. Der ägyptische Geheimdienstchef hat Israel Tage vor dem 7. Oktober 2023 vor dem Angriff gewarnt. Das ist keine Neuigkeit für jeden, der zuhört. Es ist eine Neuigkeit für jeden, der zuhören muss. Israel wusste Bescheid. Israel hat reagiert — auf seine Weise.

Und dann der Hamas-Mann, irgendwo in den Trümmern, der in eines der Mikrofone sagt, was auch die andere Seite denkt: Israel werde das Blut von Gaza in den nächsten Wahlen verwenden. Wahlen. Das Wort steht im Raum, irgendwo zwischen Asche und Wahlurne. Es klingt, als würde jemand eine Rechnung aufmachen, die in Körpern bezahlt wird.

Die Dokumentarfilmer haben nichts erfunden. Sie haben gefilmt. Sie haben geschnitten. Sie haben den Preis bekommen. Dafür verlangt der Premier jetzt die Namen — als wäre die Wahrheit das Verbrechen.

Wahr ist: Israel bewaffnet Familien in Gaza, gibt es zu und dementiert es. Es schlägt Hamas-Kader, zerstört Tunnel und veröffentlicht Karten, die es nicht veröffentlichen wollte. Es wurde gewarnt und tat, was es tat. Es will jetzt von der eigenen Presse wissen, woher die Journalisten ihre Informationen haben. Die Popular Forces, jene Milizen, die laut Liberman mit der IDF kooperieren, tauchen in keiner offiziellen Darstellung auf — und in jeder Recherche.

Das ist die Lage. Keine dunkle Kammer, kein verborgener Drahtzieher. Nur ein Staat, der sich wundert, dass ihm jemand zuschaut.

Irgendwo unter dem Schreibtisch summt das Radio. Kim singt. Der Bourbon ist noch nicht leer.

Die Geschichte ist nicht zu Ende.

❖ Ende des Artikels ❖

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