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14. Oktober 2026

Dossier · Krisen & Konflikte

Trump warnt Selenskyj: Hör auf, die russischen Dieselwerke zu treffen

14. Oktober 2026 — Morrison, over and out.

Der Präsident der Vereinigten Staaten hat am Sonntag den ukrainischen Präsidenten gebeten, die Angriffe auf russische Dieselraffinerien einzustellen. Die Begründung: Die Treffer erzeugten einen weltweiten Kraftstoffmangel, der nach Trumps Lesart „die Welt verletzt". So steht es in den Depeschen. So sagt man es im Weißen Haus. So landet es bei mir auf dem Tisch, zwischen Bourbon-Glas und dem Lärm aus dem Café unter mir.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Was heißt das? Heißt das, ein Mann, dessen Land am Tropf einer fremden Armee hängt, soll die Waffe sinken lassen, damit anderswo der Sprit billig bleibt? Oder heißt das nur, dass irgendwer in diesem Zirkus einen Anruf bekam und die Show weitergehen muss? Schwer zu sagen. Schwer zu sagen in einer Zeit, in der jede Meldung einen Bruder hat, der das Gegenteil behauptet.

Die International Energy Agency — jene Weltenergiebehörde, die schon vor Monaten vor einem globalen Defizit warnte — sieht sich bestätigt. Der Dieselpreis klettert. Die Lieferketten ächzen. Die Raffinerien von der Wolga bis zur Ostsee brennen oder stehen still. Und in Washington sagt man: Kiew soll bitte leiser schießen. So steht es in den Berichten aus Washington, London, Brüssel.

Aber das ist nicht die ganze Geschichte. Das ist nie die ganze Geschichte, wenn die Akteure dieselben Vornamen tragen und dieselben Empfänge besuchen.

Donald Trump junior heiratete. Eine Hochzeit, wie man sie in Manhattan feiert, mit Champagner, der nach schlechtem Geld schmeckt, und einer Gästeliste, die länger ist als manche Bilanz. Ein Teil dieser Feier — ein nicht unbeträchtlicher, so heißt es — wurde, und das bestätigte der Bräutigam höchstpersönlich, von einem russischen Geschäftsmann finanziert. Kein anonymer Spender aus dem Schatten, sondern ein Name, der in Moskau Gewicht hat: Umar Kremlev. Ein Geschäftsmann mit Verbindungen zu Wladimir Putin. So berichten es Quellen, so steht es in den Akten, so hat man es gedruckt.

Nun gibt es eine kleine Unstimmigkeit, wie sie in diesem Gewerbe häufiger vorkommt, als den Verlagen lieb ist. Die eine Quelle sagt: Kremlev hat bezahlt. Die andere Quelle sagt: Es war ein Geschenk. Bezahlt oder geschenkt — die Differenz ist akademisch. Geld hat die Grenze überquert. Die Tasche, aus der es kam, ist eine Frage für Buchhalter mit dünnem Nervenkostüm und langen Nächten.

Melania Trump, die First Lady, hat sich unterdessen von dem russischen Oligarchen distanziert. Ein Satz, eine Geste, ein bisschen weißer Rauch vor der Kamera. Die Ehefrau grenzt sich ab. Der Sohn nimmt das Geld. Der Vater telefoniert mit Kiew und bittet um Zurückhaltung an der Front. Die Geographie dieser Familie ist, gelinde gesagt, unübersichtlich. Manhattan, Mar-a-Lago, Moskau — die Postleitzahlen wechseln schneller als die Pressemitteilungen.

Was bleibt also auf dem Tisch? Eine Regierung, die einem angegriffenen Land sagt, es solle die Öfen seines Feindes nicht mehr löschen. Eine Weltenergiebehörde, die den Mangel bestätigt und die Zündschnüre kürzer werden sieht. Ein Sohn im Hintergrund, der mit Moskauer Rubel eine Hochzeit feierte. Und ein alter Reflex in diesem Geschäft: Wer zahlt, bestimmt das Programm. Wer nicht zahlt, schweigt in den Hinterzimmern.

Ich sitze hier, Bourbon in der Schublade, Schreibmaschine vor mir, Zigarettenstummel im Aschenbecher, und frage mich, was eigentlich die Schlagzeile dieser Woche ist. Ist es der Dieselpreis an der Tankstelle in Frankfurt? Ist es der russische Oligarch beim Junggesellenabschied in Florida? Oder ist es einfach nur wieder die alte Melodie, die wir seit Monaten hören: Die Welt leidet, und irgendwo in Washington klingelt das Telefon, und am anderen Ende sagt jemand: Lass die Finger davon.

Trump sagt es selbst. „Die Welt wird verletzt", sagt er, in der Sprache eines Mannes, der Schmerz gern als Währung benutzt. Wer die Welt verletzt — das ist eine andere Frage. Wer daran verdient, auch. Die Aktien der Ölkonzerne zogen gestern an. Die Börse in Mailand, in Singapur, in Houston — überall das gleiche grüne Licht. Es ist Krieg, und irgendwer verdient immer.

Draußen regnet es. Kim unten im Café singt etwas auf Koreanisch, leise, mit einer Stimme, die nach fünf Schichten Arbeit klingt. Die Lichter flackern. Die Schreibmaschine hämmert. Und morgen früh steht der Dieselpreis wieder auf der ersten Seite. Genau wie heute. Genau wie in all den Monaten davor, in denen die Drähte zwischen Washington, Kiew und Moskau glühten und niemand aufstand, um sie zu kappen.

Die Welt dreht sich. Die Rechnungen bleiben offen. Und ich schreibe weiter, bis das Licht ausgeht oder der Bourbon leer ist — was früher kommt.

❖ Ende des Artikels ❖

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