Drei Schläge auf Riads Himmel — und keiner fliegt mehr
Die Scheibe ist noch warm von der Sonne, als die ersten Meldungen reinkommen. Dritter Donnerstag in Folge. Riads König-Khaled-Flughafen brennt. Wieder. Diesmal sagt die saudi-arabische Seite: vier Verletzte durch herabfallende Trümmer abgefangener Raketen. Die Pilger, die Geschäftsreisenden, die Stewardessen auf Pause zwischen zwei Langstrecken — sie hören den Knall, sehen das Weiß der Einschläge, zählen die Sekunden zwischen Explosion und Nächster.
Die Houthis haben den Flughafen zum dritten Mal an einem Donnerstag getroffen. Sie sagen das selbst, in jener langsamen, feierlichen Stimme ihres Sprechers Yahya Saree. Sie sagen auch: Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition habe ihre Ziele allesamt zerstört. Beide Seiten können nicht zugleich recht haben. Beide Seiten können nicht zugleich irren. Beide Behauptungen stehen im selben Raum, und der Raum ist der Himmel über Saudi-Arabien, und der Himmel ist gerade ein Schlachtfeld mit Ansage.
Was bleibt, ist Geklirre von Glasscherben und die Zahl Vier. Vier Verletzte. Splitter von Raketen, die irgendwo in Wohnvierteln einschlugen, wo Leute vom Abendessen aufstehen mussten, um zu schauen, woher das Licht diesmal kam. Es ist das alte Spiel: Die Explosion oben, die Scherben unten, die Erklärung irgendwann.
Dann die Zahlen, die niemand zusammenbringt. Eine Quelle sagt: mindestens ein Flugzeug mit katastrophalem Schaden. Eine andere sagt: drei Flugzeuge getroffen. Reporter zählen verschiedene Wracks an verschiedenen Gates. Die Maschinen stehen am Boden, die Flügel gestrichen wie alte Rechnungen. Beulen in den Rümpfen, Löcher, durch die das Licht der Vorfeldbeleuchtung auf jene fällt, die dort putzen sollen, was nicht mehr zu putzen ist.
Scores of Flüge gestrichen. Das Wort benutzen Burschen, die nicht zugeben wollen, dass es Dutzende sind. Fünfzig. Sechzig. Am Ende fliegt keiner mehr. Die Maschinen parken in Reihung wie an einer Beerdigung, an der niemand teilnimmt. Gepäckbänder schweigen. Duty-Free-Läden machen Inventur. Ein ganzer Flughafen, der nicht arbeitet, aber Stromkosten produziert.
Dann die Ansage, schwarz auf weiß, ausgesprochen über die Sender im Jemen: Wer saudischen Luftraum nutzt, der nutzt ihn auf eigene Gefahr. Eine Warnung, die keine Ausnahmen duldet. Makkah und Madinah — die heiligen Stätten — bleiben ausgenommen. Alles andere ist erklärtes Ziel. Fracht. Passagiermaschinen. Urlaub aus Köln, Geschäftsleute aus Mumbai, Pilger auf Zwischenstoppsaal, die nach Hause fliegen wollten. Alle im selben Korridor, alle im Fadenkreuz.
Die Welt hat solche Drohungen schon einmal gehört. Damals nannten sie die Zeppeline, die Zeppeline fielen über London, damals fiel die Welt durch die Nacht. Heute fallen sie über Riad, und morgen über Washington, und übermorgen über Moskau. Wer den Luftraum kontrolliert, kontrolliert die Waren. Wer die Waren kontrolliert, kontrolliert die Kriege. Wer die Kriege kontrolliert, sitzt in irgendeinem Palast und liest jetzt diese Zeilen.
Es riecht nach Rauch und Kerosin und Kalk. Kim unten im Café singt etwas auf Koreanisch, das klingt wie Regen auf Blech. Ich trinke Bourbon aus der Schublade, weil die Flasche dort weder gesehen noch gesehen noch wird.
Wer jetzt noch nach Riad fliegt, dem ist nicht mehr zu helfen. Wer dort festsitzt, wartet auf einen Flug, der nicht startet. Und wer in Sanaa sitzt und die nächsten Salven verschickt, der hat gerade den Himmel einer ganzen Region für sich beansprucht — mit Ausnahme der Heiligtümer, die in derselben Region liegen, die er gerade als sein Revier erklärt hat. Ob die Heiligtümer sicher sind, oder nur derzeit verschont, steht im Raum. Die Antwort steht dort nicht.
Morgen früh gibt es eine neue Erklärung. Die Wahrheit wird wieder irgendwo in der Mitte liegen, zwischen dem, was gesagt wird, und dem was passiert. Sie liegt dort immer. Sie liegt dort, seit die Römer ihre Brände hatten und die Briten ihre Bombennächte und die Yankees ihre Buchstaben über Nagasaki. Die Kette reißt nicht ab.
Die Welt dreht sich weiter. Sie tut es nur gerade über Riads Flughafen ein bisschen schiefer. Das letzte Wort hat heute der Himmel.
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