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Terminal Tribune

15. Oktober 2026

Dossier · Krisen & Konflikte

STAHL ÜBER RIVNE, STAUB IN DONETZ

15. Oktober 2026 — Morrison, over and out.

Rauch hängt über Rivne wie ein schlechtes Gewissen. Die Drohnen kamen am Morgen des Dreizehnten Oktober, sirrten über die westukrainische Stadt, und was sie zurückließen, waren sechs Tote, dreiundfünfzig Verwundete und das altbekannte Summen, das nie aufhört.

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Vierhundert, nein — viertausend. Lesen Sie das nochmal, Whisky-Niveau. So ungefähr sieht die Wochenbilanz der Russen aus: knapp viertausend Drohnen, Bomben aus der Luft, Raketen aller Kaliber. Eine Bilanz in Blei, die jede Inventur der Legionen übertrifft, und wir reden nicht von Christus, sondern von Kalaschnikow.

Kim unten im Café singt etwas Trauriges auf Koreanisch. Passend. Es regnet schon wieder.

Dann die andere Seite des Zirkus. Während Moskau den Westen der Ukraine mit Blei eindeckt, geht Kiew im Osten in die Offensive — und zwar mit einer Verdrehtheit, die selbst ich mir vor drei Wochen nicht hätte ausdenken lassen. Bomber-Drohnen. Nein, nicht die kleinen Spielzeuge, die man auf dem Flohmarkt kauft. Schwere Maschinen, Kampfvögel aus der Luft, und unter ihren Bäuchen hängen keine Bomben mehr.

Da hängen Roboter.

Bodenkampfmaschinen. Kamikaze-Dinger. Die Ukrainer lassen sie fallen, hinter der russischen Linie, irgendwo im Schlamm von Donezk, und die Roboter laufen los. Wie ein Jagdausflug, nur dass die Gewehre zurückbeißen. Eine „Safari", sagen die Leute, die das erfunden haben. „Operation Vivaldi", sagen die, die es befohlen haben.

Vier Jahreszeiten auf den Tod. Aber ironisch? Nein. Nicht die Bohne. Sie haben zweihundertfünfundzwanzig Quadratkilometer befreit, das sind runde fünfzig Quadratmeilen, sechzehn Dörfer im Osten des Donezker Landes, mehrere Städte, deren Namen morgen wieder ukrainisch sein werden. Die Russen, so sagt Kiew, ließen zweitausend Mann auf dem Platz. Andere Quellen sprechen von dreitausend.

Wer zählt schon richtig in diesem Geschäft? Beide Seiten. Immer.

Was heißt das auf der Landkarte? Ein paar Städte, die wieder ukrainisch sind. Was heißt das in den Köpfen der Leute dort? Ein Funken, der nicht erlöschen will. Was heißt das für den nächsten Morgen? Weitere Drohnen über Rivne, vermutlich. So sieht der Handel aus: Kiew zeigt die Zähne, Moskau schlägt nach Hause — westwärts, in die Städte, in die Gesichter von Leuten, die nie an der Front standen. Die Rechnung ist uralt. Trajan hätte sie verstanden, und Caesar hätte sie umgeschrieben.

Die russischen Stellen werden die Opferzahlen bestreiten, wie sie immer bestreiten. Sie nennen es Propaganda, nennen es Erfindung, nennen es NATO-Lüge, diese „zivilen Opfer". Das Wort „zivil" ist im Krieg ein Witz, den niemand lustig findet. In der Stadt Kyiv, heißt es, und in der Umgebung. Auch da. Auch dort. Auch überall.

Aber die Fakten liegen auf dem Tisch wie ein schlechtes Blatt, das niemand aufheben will. Die Ukrainer haben Bomberdrohnen genutzt, um Roboter über die Linie zu werfen. Die Roboter sind marschiert, haben geschossen, sind gefallen oder zurückgekommen — manche nicht. So ist das Geschäft. Eine neue Kriegführung, die morgen schon wieder alt sein wird.

Die Maschinen laufen, die Männer fallen, die Meldungen werden geschrieben, und am Ende des Tages ist nur eines sicher: es wird einen weiteren Tag geben, und der nächste will wieder berichtet werden. So läuft das Rad, seit Rom brannte, seit Troja fiel, seit die erste Steinschleuder traf.

Wir sitzen hier mit Bourbon und Schreibmaschine und schauen zu, wie der Himmel sich füllt mit Metall. Wer zählt die Drohnen? Wer zählt die Toten? Wer zählt die Quadratkilometer, die Städte, die Lügen?

Kim hört auf zu singen. Der Regen peitscht jetzt regelrecht. Rivne riecht nach Metall und nasser Erde. Und die nächste Drohne wartet schon auf den nächsten Morgen.

❖ Ende des Artikels ❖

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