Washington sagt ja, Teheran sagt nein — und der Hormuz schweigt
Die Schreibmaschine klappert. Draußen schüttet der Regen gegen die Scheibe der Redaktion, als hätte er was zu beweisen. Kim unten im Café singt irgendein altes Lied, und der Bourbon in der Schublade wartet auf bessere Zeiten. Wird er nicht bekommen.
Washington behauptet, der Iran habe zugestimmt. Inspektionen durch die IAEA. Grenzen für ballistische Raketen. Alles unter Dach und Fach, sagen sie. Ein großer Sieg für die Diplomatie, sagen sie. Sagen sie.
Teheran sagt: nichts davon ist wahr.
Es ist diese Art von Geschichte, die man früher in Washington für bares Geld verkaufte und in der Kabelstraße für ein laues Lächeln. Heute ist beides knapp.
Die Fakten — soweit sie Fakten sind und nicht nur Behauptungen in einem Telegramm, das vor drei Stunden die Redaktion erreichte: Der Außenminister in Washington verkündete am späten Abend, der Iran habe sich verpflichtet, seine ballistischen Raketen zu begrenzen und IAEA-Inspektoren uneingeschränkten Zugang zu gewähren. Eine Sensation. Eine Wende. Ein Durchbruch.
Der iranische Außenminister antwortete noch in derselben Nacht. Er nannte es eine Fälschung. Eine Erfindung. Eine weitere Lüge in einer langen Reihe von Lügen. So steht es im Drahtbericht. Schwarz auf weiß. Von beiden Seiten.
Hier ist eine alte Wahrheit, Morrison, zum Mitschreiben: Wenn zwei Mächte sich nicht einigen können, wer von ihnen lügt, dann lügen beide. Oder die Wahrheit liegt irgendwo in der Meerenge von Hormuz auf Grund.
In der Meerenge von Hormuz geht der Tankerfrachterverkehr derzeit langsamer. Spürbar langsamer. Die Reeder warten ab. Die Versicherer rechnen neu. Die Ölkonzerne greifen zum Hörer, wenn sie das Wort „Klippe" hören. Eine Ölklippe, sagen die Energiebüros. Eine Klippe, vor der Amerika steht — und mit ihm alle, die Diesel brauchen, Schmierstoffe brauchen. Spediteure. Bauern. Werftbetriebe. Ganz normale Leute mit Lastwagen, Traktoren, Schiffen.
Diesel klingt nach Tankstelle um die Ecke. Schmiermittel klingt nach Werkstatt. Beides ist das Rückgrat einer Wirtschaft, die sich gerade selbst zerreibt.
Die USA haben am 27. Februar Operationen begonnen. Was, wo, wer — Fragen, die ich an dieser Stelle nicht beantworte und der Leser nicht beantworten kann. Sagen wir: Man hat angefangen. Und seither haben beide Seiten Feindseligkeiten ausgetauscht, wie es die Drahtberichte nennen. Das ist das Wort, das Männer benutzen, wenn sie nicht sagen wollen, was wirklich geschehen ist. Schiffe. Brände. Ein Hubschrauber vielleicht. Vielleicht.
Im Hintergrund tobt der Streit um die eingefrorenen Vermögenswerte. Die Iraner wollen Nahrungsmittel gegen ihre wieder freigeschalteten Konten. Lebensmittel gegen Geld, wie man es nannte, als die Welt das letzte Mal hungerte. Washington will liefern, aber zuerst Zugeständnisse. Teheran will Zugeständnisse, aber liefert zuerst. So sieht ein Geschäft aus, wenn keiner dem anderen glaubt. Und keiner glaubt dem anderen.
Im Libanon hält die Waffenruhe. Das schreibt sich leicht. Eine Waffenruhe, die hält, ist in dieser Gegend das achte Weltwunder. Niemand wettet darauf, dass sie hält. Niemand wettet überhaupt noch was in dieser Welt.
Also: wo stehen wir?
Washington sagt, es gibt eine Einigung. Teheran sagt, es gibt keine. Die Tanker im Persischen Golf sagen nichts, weil sie langsamer fahren. Die Werkstätten sagen: wo bleibt der Schmierstoff? Die Spediteure sagen: wo bleibt der Diesel? Die Bauern ackern weiter. Die haben keine Zeit für Telegramme aus Washington.
Eine letzte Frage, die der Leser nicht beantworten kann: Wenn die größte Ölmacht der Welt behauptet, sie habe einen Deal — und die andere Seite leugnet — wem glaubt der Mann an der Zapfsäule in Des Moines?
Washington wird weiter behaupten. Teheran wird weiter leugnen. Die Ölklippe wird näher kommen. Und der Regen vor der Redaktion hört nicht auf.
Kim singt immer noch.
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