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Terminal Tribune

15. Oktober 2026

Dossier · Krisen & Konflikte

Brennstoff wird knapp auf der Halbinsel

15. Oktober 2026 — Morrison, over and out.

Die Drohnen kommen in der Nacht. Wie immer. Sie summen über Kiew, sie summen über Mykolajiw, und sie brennen, wo sie einschlagen. Das Übliche, möchte man sagen — wenn das Übliche nicht inzwischen hundertneunzehn Stück pro Anflug wären. Die ukrainische Luftabwehr hat nach eigenen Angaben die meisten davon heruntergeholt. Die meisten. Das Wort, an dem Reporter jedes Mal ein Stück Hoffnung verlieren.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

In Kiew und im Gebiet Mykolajiw schlugen in der Nacht mehrere Drohnen ein. Eine Person wurde verletzt. In Mykolajiw brennt es, ein Großfeuer, das die Feuerwehr nicht schnell genug löschen kann. Gebäude beschädigt, Fenster, Fassaden, das Übliche. Aber das Übliche ist nicht mehr das Übliche, seit die Zahlen so steigen, dass einem die Nullen ausgehen.

Während die Hauptstadt den Himmel absucht, schickt Kiew eigene Schwärme nach Süden. Ziel: russische Raffinerien, Depots, Pipelines, Treibstoffvorräte auf der von Russland besetzten Krim. Die Halbinsel, die sich seit Jahren vollgesogen hat mit allem, was dieser Krieg schluckt, trocknet aus. Tanklastwagen erreichen Sewastopol nicht mehr. Die Versorgung klemmt. Eine Kolonne nach der anderen schafft es nicht durch. Ob es an Drohnen liegt, an der Straße, an einer Logistik, die noch nie eine Stärke war — wer will das von hier aus entscheiden.

Und weiter östlich, in Temrjuk auf der Taman-Halbinsel, hat ein ukrainischer Drohnenangriff einen Menschen getötet und ein Feuer ausgelöst. Temrjuk. Ein Hafen, ein Knotenpunkt, ein Ort, den man auf keiner Partykarte der Krim findet, aber auf jeder Versorgungsroute. Wenn dort etwas brennt, brennt die Logik der nächsten Wochen mit.

Und dann Charkiw. Rettungskräfte eilen an einen Einschlagsort, dann der zweite Schlag. So funktioniert das jetzt. So funktioniert es, seit es billig ist und ferngesteuert. Man schickt Helfer, man schickt den Tod hinterher. Eine Methode, die älter ist als jeder Krieg, nur nie so präzise wie heute.

117 Drohnen in einer Nacht, so heißt es aus Kiew. 117. Ich schreibe die Zahl, und die Hand zuckt nicht. Sie zuckte, als es fünf waren. Sie zuckte, als es zwanzig waren. Jetzt steht sie im Bericht wie eine Uhrzeit.

Die Krim, die sich nach 2014 eingerichtet hat wie eine Festung mit Meerblick, wird langsam zur Insel. Nicht im geographischen Sinn. Im logistischen. Fehlt der Treibstoff, fehlt die Bewegung. Fehlt die Bewegung, fehlt der Nachschub. Fehlt der Nachschub, schrumpft die Front, und eine schrumpfende Front ist eine Front, die sich entscheidet — ob sie will oder nicht.

Vergleiche helfen hier nicht. Die Römer haben ihre Provinzen anders ausgehungert, mit Geduld und Steuerlisten. Die Alliierten im Zweiten Weltkrieg haben anders geliefert, mit Konvois und Geleitzug. Heute genügt eine Drohne für eine Pipeline, ein Schwarm für ein Depot, und am Ende steht ein Hafen ohne Festung. Sewastopol ist eine Geschichte, die 1854 begann und 1942 weiterging. Heute schreibt sie jemand anderes weiter, mit anderen Mitteln, aber der gleichen Geduld.

Die Drohnen werden nicht aufhören. Nicht heute Nacht, nicht morgen, nicht solange jemand oben sitzt und rechnet, dass es billiger ist, ein Flugobjekt zu verschleißen als einen Soldaten. Die Rechnung kennen wir. Wir kennen sie seit Langem. Wir haben sie nur nie so nüchtern aufgeschlagen gesehen.

Kim unten im Café singt wieder. Ein ukrainisches Lied, glaube ich, oder ein amerikanisches. Es klingt nach Regen und nach irgendetwas, das man nicht zurückholen kann. Kiew brennt nicht, im Moment nicht. Aber es hat gebrannt. Und Mykolajiw hat gebrannt. Und die Krim wird still, leise, auf die Art, die man erst bemerkt, wenn die Zapfsäule trocken ist.

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