TRUMPS IRAN-FRIEDEN: GROSSE WORTE, KEIN PLAN, KEIN AUSGANG
Die Schreibmaschine klackt. Kim unten singt. Bourbon in der Schublade dampft. Und aus dem Funkgerät kommt der Lärm, den sie Weltlage nennen.
Donald Trump, Präsident jenes Landes, das sich noch immer für den Sheriff der Erde hält, hat am Donnerstag den Krieg mit Iran für beendet erklärt. Beendet. In einer Telefonkonferenz mit einem Vizegouverneur aus Georgia. Burt Jones. Name wie ein Revolverheld, Job wie ein Buchhalter. Er hat die Aufnahme eine Stunde später ins Netz gestellt, also wissen wir: Der Mann hat den Krieg beendet. Gegen Mitternacht amerikanischer Zeit, zwischen zwei Stück Kuchen wahrscheinlich.
Wirklich beendet?
Am Morgen desselben Tages sprach Trump noch von neuen Angriffen. CNN hat nachgezählt: Neununddreißig Mal hat Trump zwischen Mitte März und Anfang Juni behauptet, ein Deal mit Iran stehe kurz bevor. Neununddreißig. Das ist keine Strategie, das ist ein Tick. Das ist ein Mann, der seinem eigenen Wunschdenken die Pressekonferenz hält.
Und was sagt Iran? Das iranische Außenministerium sagt: »Nichts« sei final. Die Behauptungen aus den USA seien »rein spekulativ«. Die offizielle Linie aus Teheran. Die offizielle Linie aus Washington sagt das Gegenteil. Zwei Regierungen, zwei Versionen, keine Wahrheit, die man anfassen kann.
Aber Trump legt nach. Er behauptet, alle Parteien hätten zugestimmt. Inklusive der höchsten Riegen in der Führung der Islamischen Republik. Inklusive des obersten Führers, auf die Frage einer Reporterin hin: »Soweit ich weiß, lautet die Antwort ja.« Soweit er weiß. Soweit er weiß, könnte morgen die Sonne im Westen aufgehen. Eine tolle Grundlage für einen Weltfrieden.
Trump sagt, Iran habe zugestimmt, niemals eigene Nuklearwaffen zu besitzen. Niemals. Ein starkes Wort. JD Vance, der Vize, legt nach: Iran werde nukleare Inspektoren ins Land lassen. Man stelle sich das vor: Inspektoren in einem Land, das eben noch bombardiert wurde. Inspektoren, die Tee trinken, während draußen die Trümmer rauchen. Vance verkauft das als Frieden. Wir nennen es Kontrolle. Und die Straße von Hormus werde wieder geöffnet, sagt Trump. Damit enden die Blockaden. Wenn man ihm glaubt.
Aber hier ist die Frage, die keiner stellt, weil sie keiner beantworten kann: Was ist eigentlich das Ziel?
Ist das Ziel, Iran zu zwingen, nie eine Atombombe zu bauen? Dann wäre ein Deal möglich. Vielleicht. Wenn man Inspekteure reinlässt, wenn man Uran anreichert unter Aufsicht, wenn man Vertrauen aufbaut, das in Jahren wächst und nicht in Telefonaten mit Vizegouverneuren.
Oder ist das Ziel, Iran zu demütigen? Ihn so lange zu würgen, bis er bricht? Bis das Regime fällt? Wer so denkt, der führt keinen Krieg – der führt eine Belagerung. Und Belagerungen enden entweder mit Kapitulation oder mit Sturm. Beides kostet Blut.
Oder ist das Ziel einfach nur das Foto? Die Unterschrift auf einem Stück Papier, pünktlich zum Geburtstag, pünktlich zum Friedensnobelpreis? Trump, der sein Martial-Arts-Spektakel vor dem Weißen Haus plant, während Bomben auf Teheran fallen. Das ist kein Friedensplan. Das ist eine Bühne.
Eine zweite Runde Kampf, sagen die einen. Eine zweite Runde Kampf, sagen die anderen. Beide Seiten haben recht. Eine zweite Runde könnte die Krise lösen – wenn das Ziel Lösung ist. Eine zweite Runde könnte die Krise verschlimmern – wenn das Ziel Lösung eine Lüge ist und das eigentliche Ziel Zerstörung heißt. Und niemand in Washington sagt uns, welches Ziel sie eigentlich verfolgen.
In Washington sitzen Männer, die das Ende nicht kennen. Sie kennen nur das Nächste. Den nächsten Angriff. Die nächste Drohung. Den nächsten Deal, der angeblich kurz bevorsteht. In Oslo sitzt zur selben Zeit Marius Borg Høiby, Norwegens Königshaus-Spross, der zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Ein Mann, der für seine Taten einsteht. Vier Jahre. Ohne Truth Social, ohne neununddreißig Pressekonferenzen. Einfach eine Tat, eine Strafe, ein Schlussstrich. So geht das, wenn man erwachsen ist.
Aber hier? Hier haben wir das ewige Hin und Her. Heute Krieg beendet. Morgen wieder Angriffe. Übermorgen neue Sanktionen. Und am Ende steht die Frage, die niemand beantworten will: Was gewinnen wir?
Die Römer standen auch mal vor einem Problem, das sie nicht lösen konnten. Sie nannten es Karthago. Die Lösung war einfach und falsch. Sie haben die Stadt dem Erdboden gleichgemacht. Und dann? Dann standen sie in den Trümmern und fragten sich, was als Nächstes.
Wir stehen heute in Trümmern, die noch nicht ganz fertig sind. Noch werden sie gebaut. Noch können wir uns entscheiden. Noch können wir die Schreibmaschine abstellen, die Fensterläden schließen und nach Hause gehen. Noch.
Morgen früh ist es vielleicht schon zu spät. Und Kim wird immer noch singen.
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