Malis Drohnenkrieg: Shaheds über den Dörfern, Zivilisten im Ziel
Die Drohne kommt leise. Sie kommt hoch, und sie kommt mit tödlicher Fracht. Über dem Sahel fliegt sie ihre Bahn, wo Bauern ernten, Frauen Wasser tragen, Kinder zwischen Lehmhütten spielen. Was dort ankommt, ist keine chirurgische Präzision aus den Broschüren der Militärs. Es ist eine Detonation, die nicht fragt, wer unten steht.
Eine gemeinsame Untersuchung von Bellingcat und Jeune Afrique legt nun offen, was Anwohner und Familien seit Monaten berichten: Die malische Militärführung setzt bewaffnete Drohnen gegen eigene Dörfer ein, und die Toten sind selten die bewaffneten Kämpfer der JNIM, gegen die der Krieg offiziell erklärt wurde. Die Angriffe treffen Wohngebiete. Sie treffen Zivilisten. Eine neue Bellingcat-Recherche wirft ein hartes Licht auf die zivilen Opfer dieses Drohnenfeldzugs.
Die Ergebnisse, veröffentlicht unter dem Titel „A Recurring Pattern: Civilians Paying the Price in Mali's Drone Campaign", rekonstruieren Angriffe, die zuvor im Nebel blieben. Der Beitrag erschien zuerst auf Bellingcat. Satellitenbilder, Videoaufnahmen aus den Trümmern, Zeugenaussagen. In mindestens einem Fall zeigen die Aufnahmen Shahed-Drohnen iranischer Bauart im Anflug auf ein Dorf. Dieselben Modelle, die aus anderen Konflikten bekannt sind, hier montiert auf malische Lastwagen, gestartet aus malischen Stellungen, gesteuert von malischen Händen.
Die Trajektorie des Konflikts in Mali liest sich wie eine schleichende Eskalation. Was als regionaler Aufstand islamistischer Gruppen begann, ist zu einem Luftkrieg geworden, der die Logik des Bodenkampfes längst verlassen hat. Lokale Feuergefechte wurden abgelöst von einer Drohnenkampagne, die aus der Ferne trifft und keine eigenen Soldaten riskiert. Die neue Phase ist tödlicher, weil sie den Abstand zwischen Schütze und Ziel vergrößert und damit die Schwelle senkt. Wer kontrolliert noch, was am Boden geschieht, wenn die Lenkung aus der Wüste kommt?
Die Fälle, die Bellingcat zusammengetragen hat, zeichnen ein wiederkehrendes Muster. Dorfbewohner, die auf Feldern arbeiteten, als die Triebwerke zu hören waren. Lehmhäuser, die in Staubwolken versanken. Trauerfeiern, auf denen nicht der gefallene Kämpfer beweint wurde, sondern die Schwester, der Vater, das Kind.
Newsnow übernahm die Bellingcat-Recherche am sechzehnten September dieses Jahres um siebzehn Uhr sieben. Die Plattform für afrikanische Nachrichten ordnete den Beitrag ein in eine breitere Berichterstattung über die Sicherheitslage in Mali, über die JNIM-Insurgenz, über die humanitäre Krise in Bamako, Timbuktu und den Provinzen dazwischen. Eine zweite Analyse mit dem Titel „The Black Box of Conflict" bezeichnet den Drohnenkrieg als die bislang dunkelste Phase eines Konflikts, dessen menschliche Kosten lange unsichtbar blieben.
Die Bilder aus Mali sehen aus wie Bilder aus jedem anderen modernen Krieg. Aufnahmen von Trümmern, von weinenden Verwandten, von behelfsmäßigen Gräbern. Doch das, was hier dokumentiert wird, ist nicht die Kollateralschaden-Routine einer Großmacht. Es ist die Kriegführung einer Regierung gegen ihr eigenes Territorium, gegen die eigene Bevölkerung, in einem Land, das zwischen Sicherheitsversprechen und Hungersnot schwankt.
Die malische Regierung spricht von Operationen gegen Terroristen. Die Untersuchungen zeigen Angriffe auf zivile Gebiete, in denen Terroristen nicht nachgewiesen wurden. Die Differenz zwischen diesen beiden Erzählungen ist das, was Bellingcat und Jeune Afrique Woche für Woche auseinandernehmen, Bild für Bild, Koordinate für Koordinate.
Und am Ende bleibt ein Land, das unter dem Himmel lebt, den seine eigene Armee zum Schlachtfeld gemacht hat.
❖ Ende des Artikels ❖
