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Terminal Tribune

19. Oktober 2026

Dossier · Krisen & Konflikte

Linke gewinnt Berlin — der Hass auf Israel bleibt

19. Oktober 2026 — Morrison, over and out.

BERLIN. Der Regen hängt über Pankow wie ein schlechtes Gewissen, das niemand ablegen will. Drinnen in den Parteizentralen wachsen die Erklärungen. Draußen auf den Straßen wachsen die Fragen. Und eine Frage ist hartnäckig da, auch wo niemand sie hören will.

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Fast jeder vierte Berliner hat die Linke gewählt. Die Berliner Linke ist der große Gewinner dieser Wahl, daran gibt es nichts zu deuteln. In den einstigen Grünen-Hochburgen — Pankow, Friedrichshain, Lichtenberg, Teile von Mitte — regieren jetzt die Genossen. Wahlbezirke, in denen vor fünf Jahren noch die Grünen zweistellig gewannen, fallen an die Linke. Die Mobilisierung ist beeindruckend. Sie ist auch beunruhigend. Denn das Muster kennt man. Nur kommt es diesmal nicht aus der rechten Ecke, es kommt aus der vermeintlich anderen.

Es kommt aus dem Osten. Es kommt aus Marzahn, aus Hohenschönhausen, aus Teilen Lichtbergs. Dort siegt die AfD. Dort holt sie Direktmandate, die vor einer Generation der CDU sicher waren wie selbstverständliches Eigentum. Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Evers verliert sein Direktmandat an die AfD. Die bürgerliche Mitte ist tot, sagen die Beobachter. Sie sagen es mit Recht. Aber sie sagen nicht, wer die Toten begräbt. Sie sagen nicht, wo die Wähler hingehen, die einst die Mitte trugen.

Denn die Wähler gehen. Und sie gehen nicht alle an einen Ort.

Die Linke und die AfD mobilisieren Nichtwähler. Beide. Nicht einmal, nicht heimlich — offen, sichtbar, mit Methode. Die Linke in den einstigen Grünen-Vierteln, wo Menschen wohnen, die das Prekariat kennen und die Universität und das Straßencafé. Die AfD in den einstigen CDU-Vierteln, wo Menschen wohnen, die die Industrie kannten und die Platte und die Stille nach der Schicht. Beide reden sie von denen da oben, von denen da draußen, von denen, die angeblich alles entscheiden und nichts bezahlen. Beide versprechen sie das Ende derer, die angeblich schuld sind. Die Parolen unterscheiden sich. Die Mechanik ist dieselbe.

Das ist die Wahrheit dieses Wahlabends, die kaum einer aussprechen will.

Doch die Linke hat ein Problem, das die AfD nicht hat. Die Linke hat eine Haltung zu Israel. Und diese Haltung geht in weiten Teilen der Partei weit über das hinaus, was als Kritik an der israelischen Regierungspolitik noch akzeptabel wäre. Es geht nicht um Siedlungen, nicht um Gaza-Flottillen, nicht um die Frage, ob diese oder jene Militäroperation gerechtfertigt war. Es geht ums Ganze. Positionen, die in ihrer Konsequenz das Ende Israels bedeuten — nicht eine andere Grenzziehung, nicht eine andere Regierung, das Ende des Staates selbst —, werden in der Berliner Linken nicht nur geduldet. Sie werden gepflegt. Sie werden gehätschelt. Sie stehen in Programmteilen, die kein Funktionär zu verteidigen wagt, aber auch kein Funktionär zu streichen wagt.

Der Antisemitismusverdacht hängt über der Berliner Linken. Er hängt dort nicht ohne Grund. Er hängt dort, weil die Indizien sich häufen und die Dementis sich gleichen.

Wie viel Israelhass duldet die Linke? Die Frage steht im Raum, und sie steht dort mit einer Dringlichkeit, die nicht von der Hand zu weisen ist. Sie steht dort, weil in Berlin Menschen leben, für die Israel das Versprechen auf Existenz ist, nicht ein Posten in einer außenpolitischen Debatte. Sie steht dort, weil eine Stadt, die einmal Hauptstadt eines Verbrechens war, sich nicht leisten kann, beim nächsten Verbrechen wegzuschauen.

Natürlich, Linke ist nicht AfD. Natürlich, die Geschichten sind verschieden, die Biografien, die Lieder. Natürlich hat der Antisemitismus viele Gesichter, und nicht jedes steht auf einem Plakat der Alternative für Deutschland. Aber wer den Hass gegen Israel normalisiert, wer Positionen vertritt, die den jüdischen Staat in seiner Existenz bedrohen, wer das eine tut und das andere nicht lässt — der hat aufgehört, links zu sein. Was er ist, wird die Zeit zeigen. Und die Zeit ist in Berlin eine ungeduldige Richterin.

Die Römer hatten ein Wort dafür: „Quos Deus vult perdere, dementat prius." Wen die Götter vernichten wollen, den machen sie vorher verrückt. Vielleicht ist es kein Zufall, dass die bürgerliche Mitte ausgerechnet in dem Moment verschwindet, in dem die Extreme sich die Wähler teilen wie Beute. Die einen versprechen den Bruch mit allem, die anderen den Neubau nach altem Muster. Beide versprechen, was die Erwartungen nicht halten können. Beide liefern, was die Enttäuschung kennt: Sündenböcke.

Berlin hat gewählt. Berlin wird zahlen.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Linke dominiert Grünen-Hochburgen in Berlin

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  2. ZITAT AfD siegt im Osten Berlins

    im Titel der Quelle gefunden

  3. ZITAT Berliner CDU-Spitzenkandidat Evers verliert Direktmandat an AfD

    im Titel der Quelle gefunden

  4. ZAHL Fast jeder vierte Berliner hat die Linke gewählt

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  5. ZITAT Antisemitismus in der Berliner Linke

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

Herangezogene Quellen

5 Quellen · 2 davon belegt · 3 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

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