Pelorus, Château, falsche Bilanz: Deloittes zyprische Fälscherakte
Die Yacht Pelorus, ein Château in Frankreich, eine Flotte von Privatjets. Vermögen, das man sehen kann — wenn man weiß, in welchen Bilanzen es steht. Das Problem: Es stand nicht mehr in den richtigen. Die Cyprus-Confidential-Recherche, geführt von Bureau of Investigative Journalism, BBC Panorama, The Guardian und dem Organized Crime and Corruption Reporting Project, hat die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte über ihre Zypern-Niederlassung dabei ertappt, einem einzigen Mandanten geholfen zu haben, Milliarden aus den Büchern verschwinden zu lassen: dem russischen Oligarchen und Politiker Roman Abramowitsch.
Die Methode heißt Backdating — das Datum, das nie so gemeint war. Wer Vermögenswerte verschleiern will, muss beweisen, dass sie schon immer dort waren, wo sie nun behauptet werden. Das ist die Grundregel jeder Offshore-Architektur.
Was das praktisch bedeutet: Zypern führte 2006 strengere Offenlegungspflichten ein. Wer eine zyprische Gesellschaft kontrollierte, musste offenlegen, wer der wirtschaftlich Berechtigte war — der Mensch hinter dem Firmenmantel. Für Abramowitsch hätte das bedeutet, dass sein Name in Registern auftaucht, die Steuerbehörden und Ermittler lesen. Die Lösung, die Deloitte Zypern und die Schwesterfirma MeritServus anboten, war ein dokumentarischer Taschenspielertrick. Man verlegte die Vermögenswerte rückwirkend in eine Firma auf den Britischen Jungferninseln — in eine Jurisdiktion, in der keine Pflicht zur Offenlegung wirtschaftlich Berechtigter besteht. Das Papier sagt: Die Yacht, das Château, die Jets gehörten bereits vor 2006 der Briefkastenfirma auf den Jungferninseln, nicht der zyprischen Firma, in deren Bilanz sie eben noch standen.
Dafür braucht es Dokumente mit Datum vor dem Stichtag der neuen Regel. Zwischen 1999 und 2013 sollen über eintausend solcher Unterlagen mit rückdatierten Stempeln versehen worden sein. Der Effekt für die Bilanzen: Bei der zyprischen Abramowitsch-Firma Amiscan Investments verschwanden rund 600 Millionen Dollar an Luxusvermögen. Bei Kravin Investments, einer weiteren zyprischen Gesellschaft, radierte eine jahrelang laufende Operation fast zwei Milliarden Dollar aus den Büchern. Die Finanzgeschichte wurde umgeschrieben.
Mindestens zehn Milliarden Dollar soll der Oligarch auf diesem Weg versteckt haben, verteilt über ein Geflecht aus 261 Firmen und Trusts in Zypern, auf den Britischen Jungferninseln, in Jersey und weiteren Geheimjurisdiktionen. Das zeigen die Auswertungen der MeritServus-Akten, rund 450.000 Dateien, die Teil des Cyprus-Confidential-Leaks sind — Unterlagen, die von Paper Trail Media und Distributed Denial of Secrets geteilt und vom Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten ausgewertet wurden. Andrew Mitchell KC, ein britischer Anwalt für Finanzkriminalität und einer der externen Prüfer der Funde, spricht von einem Verfahren, das "straightforward and blatant" gewesen sei — glatt und zugleich offensichtlich. Es gebe Fachleute, die bereit seien, die Regeln ihres Berufs zu biegen und zu brechen, sagte er; sie würden buchstäblich vor nichts haltmachen, wenn es um das Anfertigen von Dokumenten gehe.
Wer profitierte, liegt auf der Hand: Abramowitsch, der sein Vermögen unsichtbar hielt, und die Berater, die dafür fast zwanzig Jahre lang honoriert wurden. Wer zahlte, sind die Steuerstaaten, deren Kassen die Milliarden entgingen. Die beteiligten Firmen: Deloitte Zypern und MeritServus. Letztere ist eine familiengeführte Kanzlei aus Limassol, 2005 aus Deloitte ausgegründet. Offiziell getrennte Häuser. In der Praxis über zwanzig Jahre ein gemeinsames Mandat für Abramowitsch. Erst nach den Sanktionen Großbritanniens und der Europäischen Union als Reaktion auf Russlands Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 wurden die Drähte gekappt. Die EU hatte damals nahezu 1.600 Personen und Unternehmen aus der russischen Rüstungsindustrie und deren Umfeld auf die schwarze Liste gesetzt — Abramowitsch gehörte dazu. Wer Vermögen unsichtbar macht, macht auch unsichtbar, was nach einer Sanktion eigentlich noch vorhanden sein müsste.
Die rechtlichen Konsequenzen sind nicht hypothetisch. Die Vorwürfe lauten auf Fälschung von Geschäftsunterlagen und Beihilfe zur Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Straftatbestände, die in den Akten stehen, nicht nur im Verdacht. Was bleibt, ist nicht die Frage nach einem einzelnen Berater. Die Frage ist die nach einem System: Einer der größten Prüfungskonzerne der Welt hat über zwei Jahrzehnte an Papieren mitgewirkt, die nicht halten, was sie vorgeben zu sein. Das ist der Skandal — nicht der Name, der ohnehin auf jeder Liste steht, sondern die Maschinerie, die ihn unsichtbar machte.
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