Saudi-Arabiens Wüstenkrieg ist eine Rechnung ohne Deckung
Die in sozialen Medien geteilten Aufnahmen sollen iranunterstützte Huthi-Kämpfer zeigen, die pro-saudiische Kräfte in Jemen durch den Sand jagen. Staub füllt die Luft, Motoren brüllen, Silhouetten verschwinden zwischen den Dünen. Das ist die harte, künstliche Hülle eines „Mad Max“-Kampfes. Doch daraus wird kein Beweis. Glaubt wird, dass die Bilder die Verfolgung zeigen. Gerade diese Unsicherheit gehört zum Krieg: Was viral geht, kann Gewissheit vortäuschen.
Saudi-Arabien steckt in Jemen fest. Das Königreich, das seine eigene Sicherheit zum politischen Dogma macht, ist in eines der gefährlichsten Konfliktfelder der Gegenwart hineingezogen. Nach dem vorliegenden Bericht weist es zugleich die angebotene Hilfe Israels ab – die Hilfe eines für die Region wichtigen Verbündeten. Ein Staat kann Partner abwählen und trotzdem nicht aus der Reichweite seiner Gegner verschwinden. Isolation klingt nach Souveränität. Auf einer Karte mit Flughäfen, Ölanlagen und Raffinerien ist sie vor allem verkürzter Handlungsspielraum.
Die BBC-Reporterin Orla Guerin reiste durch Jemen, begleitet von den südlichen nationalen Sicherheitskräften, die der international anerkannten Regierung des Landes loyal sind. Die BBC zeigt, wie sie mit ihnen durch ein abgelegenes Wüstenschlachtfeld reist, auf dem Huthi-Rebellen erst wenige Tage zuvor vertrieben worden waren. Von den Frontpositionen aus dokumentierte sie den Kampf der südlichen nationalen Sicherheitskräfte gegen die Huthi. Die örtliche Rückeroberung sieht nach Sieg aus. Sie beweist nur einen taktischen Erfolg an einem Ort, keine Kontrolle des gesamten Krieges.
Die Huthi melden zugleich die Reichweite ihres Gegenangriffs. Iranunterstützte Huthi-Rebellen beanspruchen weitere Angriffe auf einen saudischen Flughafen und eine Aramco-Einrichtung. Nach Angaben von Beamten traf ein Huthi-Angriff den Hauptsitz des saudischen Ölkonzerns Aramco. Die Rebellen beanspruchen außerdem die Verantwortung für Schläge gegen Aramco-Einrichtungen, den King Khalid International Airport und eine Ölraffinerie bei Riad. Behauptung bleibt Behauptung. Die Beamtenaussage stützt zumindest den Bericht über den Aramco-Treffer, nicht jede Aussage der Rebellen zu Schäden oder Zielen. Die strategische Botschaft ist dennoch klar: Der Konflikt reicht bis in die Infrastruktur des Königreichs.
Darin liegt die Diskrepanz. Die Huthi können von einem Wüstenschlachtfeld verdrängt werden und trotzdem außerhalb des Geländes zuschlagen. Saudi-Arabien kann auf dem Gelände einen taktischen Vormarsch der pro-saudiischen Kräfte verbuchen und bleibt trotzdem unter Druck, sobald die Huthi Flughafen, Konzernhauptquartier oder Raffinerie erreichen. Der Sand ist die Bühne. Die eigentliche Front verläuft durch die Sicherheitsarchitektur des Königreichs. Wer nur Verfolgungsszenen zählt, übersieht die Ziele.
Saudi-Arabien lehnt derweil die Hilfe Israels ab. Das Motiv ist aus den Berichten nicht sicher belegt. Die Wirkung ist eindeutig: Ein möglicher Unterstützungskanal bleibt ungenutzt, während das Königreich seine eigene Abwehr als ausreichend darstellt. Militärische Kooperation kann Wissen, Schutz und Reichweite schaffen. Wie soll Saudi-Arabien diese Lücken schließen
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