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3. November 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Das Wunderkind und die harte Realität

3. November 2026 — Ada Voss, auf Sendung

Die verbreitete Erzählung klingt plausibel: Kinder seien kreativer als Erwachsene und würden diese Fähigkeit mit Schule, Routinen und Verantwortung einbüßen. Eine im Fachjournal PLOS One veröffentlichte Studie aus Graz zieht ein anderes Bild. Erwachsene waren in den geprüften kreativen Aufgaben demnach kreativer als Vorschulkinder. Kinder zeigten dabei zugleich weniger Versagensängste als Erwachsene. Das ist psychologisch wertvoll, aber nicht dasselbe wie eine überlegene kreative Leistung. Kinder wage(n) sich schneller, sie scheitern auch ohne dieselbe Angst – daraus folgt nicht, dass sie bessere Lösungen finden.

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Der österreichische Fact-Checker CORRECTIV verweist für diese Korrektur auf die Grazer Studie. Ihre präzise Aussage lautet: Kinder sind nach dieser Untersuchung nicht kreativer als Erwachsene. Die Studie unterscheidet zudem zwischen der erbrachten Leistung und der unterschiedlichen Wahrnehmung der eigenen Tätigkeit. Gerade daraus entsteht der verbreitete Mythos. Kinder werden für origineller gehalten, weil sie weniger Angst vor dem Scheitern zeigen. Erwachsene erleben dieselbe Unbefangenheit häufig nicht mehr so, obwohl sie in der Untersuchung besser abschneiden. Was als kindliche Magie erscheint, kann ebenso gut das Ergebnis sozialer Erwartungen sein.

Die Studie widerlegt nicht die Phantasie einzelner Kinder und beweist auch nicht, dass das Schulsystem pauschal Kreativität vernichtet. Ebenso wenig lässt sich jedes Kind pauschal gegen jeden Erwachsenen stellen. Belastbar ist der Vergleich innerhalb der untersuchten Gruppen. Er genügt, um eine marktfähige Behauptung zu beschneiden: Kinder sind nicht automatisch die kreativeren Problemlöser. Wer mehr behauptet, benötigt mehr Daten.

Gleiches Misstrauen verlangt die Beschäftigung mit Squishies. Kinder sammeln Squishies, kleine weiche Spielzeuge in Form von Tieren, Lebensmitteln und bunten Knödeln. Squishy Dumplings enthalten Perlen im Inneren. Bei intaktem Spielzeug und altersgerechter Nutzung ist das nicht automatisch ein Problem. Einige Squishy Dumplings können jedoch gefährlich werden, wenn ihre Hülle beschädigt ist oder Perlen beziehungsweise kleinere Teile herausgelöst werden. Für Kleinkinder können solche Teile eine Erstickungsgefahr darstellen. Die weiche Oberfläche ist eine Marketingoberfläche; darunter können harte Folgen liegen.

Eltern sollten deshalb vor dem Kauf auf die Altersempfehlung und die Warnhinweise achten, insbesondere auf Angaben zu kleinen Teilen. Squishies mit losen oder herausragenden Perlen gehören nicht in die Hände von Kindern unter drei Jahren. Online-Verkäufer, Marken und Herstellerangaben sind mitzuprüfen: Eine farbenfrohe Titelseite und ein CE-Kennzeichen ersetzen keine Kontrolle des Produkts. Sichtbare Risse, offene Nähte oder fehlende Teile machen das Spielzeug ungeeignet; dann sollte es aus dem Kinderzimmer entfernt werden. Knaben und Mädchen sollten Squishies nicht beißen, durchstechen oder mit dem Mund zerdrücken. Bei einem verschluckten Teil ist medizinische Hilfe rasch nötig, nicht abwartendes Augenmaß.

Aus einer möglichen Gefahr folgt weder ein pauschales Verbot aller Squishies noch ein automatischer Haftungsfall. Hersteller und Importeure müssen regelkonforme Produkte in Verkehr bringen; bei einem nachweisbaren Fehler oder einer unzureichenden Warnung kann eine Schadenersatzpflicht greifen. Ohne belegten Produktmangel und nachweisbaren Zusammenhang zwischen Ursache und Schaden lässt sich daraus jedoch keine automatische Entschädigung ableiten. Rücknahmen, Warnungen oder ein Verbot wären Entscheidungen der Behörden und Unternehmen auf Grundlage konkreter Prüfungen. Eltern sollten deshalb ein verdächtiges Produkt samt Verpackung sichern, den Händler oder Hersteller informieren und medizinische Hilfe suchen, nicht selbst zu einem endgültigen Urteil gelangen.

Dieselbe Nüchternheit fehlt beim Wunsch nach mehr Frauen beim Bundesheer. Das Bundesheer will mehr Frauen in der Armee, doch nicht alle, die einrücken wollen, können auch dorthin. Eine Personalvorgabe ist kein gleichberechtigter Zugang. Solange die konkreten Bedingungen für Interessentinnen und die Gründe für ihre Hürden nicht offengelegt werden, bleibt die Zahl vor allem eine Wunschrechnung. Die Aussage braucht dieselbe Genauigkeit wie die Grazer Studie: nicht größer als die Daten, sondern so präzise wie möglich.

Drei Erzählungen folgen demselben Muster. Kinder werden zum Wunder verklärt, Squishies zur harmlosen Sammelfreude, der Wunsch nach weiblichen Soldatinnen zur greifbaren Personalstärke. In allen drei Fällen trennt Werbung den Wunsch von der Wirklichkeit. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Kinder überraschen können. Entscheidend ist, welche Behauptung durch welche Bedingungen geprüft wird, wer sie kontrolliert, wer von ihr profitiert und wer den Preis zahlt, wenn sie falsch ist.

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