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3. November 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Der KI-Goldrausch endet im Streit sand

3. November 2026 — Ada Voss, auf Sendung

Die künstliche Intelligenz wollte den US-Kongress kaufen. Nicht mit Stimmen, sondern mit Millionen: Super-PACs, Wahlkampfkomitees außerhalb der Kandidatenlimits, stürzten sich in hart umkämpfte Vorwahlen, darunter in einen prominenten Wahlkampf um einen Sitz in New York City. Finanziert wurden sie von Executives bei OpenAI und Anthropic. Das größte Netzwerk, Leading the Future, war im August 2025 angetreten, finanziert vom Präsidenten von OpenAI und dessen Investoren. Die Strategie war simpel: Kandidaten bestrafen, Verbündete belohnen, Parteigrenzen ignorieren. Das Geld sollte den Kampf um die Kontrolle des Kongresses entscheiden. Der Ehrgeiz hieß Königsmacher.

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Das Geld sollte den Kampf um die Kontrolle des Kongresses entscheiden. Doch der politische Boden war giftig. Die Öffentlichkeit wehrte sich gegen Rechenzentren und gegen die Angst, KI vernichte Arbeitsplätze. Rick Claypool, Forschungsdirektor bei Public Citizen, sagte, die Unternehmen hätten unterschätzt, wie sehr die Öffentlichkeit den Ausbau von Rechenzentren und ungefragte KI-Systeme verabscheue. Der Widerstand war parteiübergreifend. Kritiker von Leading the Future meinten, der Super PAC müsse wegen des Backlash in den Zwischenwahlen besonders vorsichtig auftreten. Seine Reputation war ramponiert.

Die harte Prüfung liefert die Finanzdaten. The Intercept wertete die Ausgaben der KI-Super-PACs anhand der Aufzeichnungen der Federal Election Commission und unabhängiger Einschätzungen der Wahlkreise aus. Das Ergebnis demontiert den Anspruch: Nur fünf Prozent der direkten Ausgaben flossen in hart umkämpfte Rennen der Generalwahl. Das größte Netzwerk hatte bis kurz vor dem Wahlabend nur moderat ausgegeben, überwiegend in sicheren Wahlkreisen. Noch war ein letzter Ausgabenschub möglich, doch das Muster stand: Genau dort, wo die Mehrheit im Kongress hätte kippen können, drosselten die PACs.

Das Geld war real; der politische Kredit nicht. Es war kein Rückzug aus der Politik, sondern ein Wechsel der Taktik. Nach dem parteiübergreifenden Backlash und der ramponierten Reputation gaben die KI-Super-PACs ihr Geld anders aus. Leading the Future wurde vom OpenAI-Präsidenten und seinen Investoren finanziert; Public First trat später als Gegenpool an, unter anderem mit einer Millionenspende von Anthropic-Chef Dario Amodei. Anthropic steuerte zudem Millionen an eine verbundene gemeinnützige Organisation, ausdrücklich nicht für Wahlen. Wahlkampfverzeichnisse erfassen direkte PAC-Ausgaben, nicht jeden Nebenzahlungsfluss. Belegt sind Netzwerke und Millionenbeträge; nicht belegt ist eine lückenlos koordinierte Maschine. Genau diese Lücke macht den angeblichen KI-Lobby-Giganten angreifbar.

Eine direkte Apple-Spende ist in den geprüften Angaben nicht belegt. Die belegbare Rolle des Konzerns ist die eines passiven Profiteurs. Apple verkauft den KI-Boom, ohne vergleichbar große Infrastrukturlast auf seine eigene Rechnung zu nehmen. In der Quartalskonferenz fielen „AI“ und „Apple Intelligence“ 45 Mal. Apple meldete das beste Geschäftsjahr für Umsatz und Ergebnis je Aktie. Das iPhone-Geschäft wuchs um 17,5 Prozent auf 57,6 Milliarden Dollar, der Mac-Umsatz um 24 Prozent auf 10,8 Milliarden. Allerdings hat Apple nicht offengelegt, wie viel des Wachstums auf KI-Nachfrage und wie viel auf höheren Preisen beruht. Die Zahlen belegen Appetit, nicht sauber verdientes KI-Geschäft.

Der Haken ist die Bilanz. Apple gab im Quartal 2,2 Milliarden Dollar für Investitionen aus, Amazon 77,3 Milliarden. Statt vergleichbarer Rechenzentren setzt der Konzern auf Verarbeitung auf dem Gerät, eigene Server und fremde Modelle; Siri nutzt Technik von Googles Gemini. So profitiert Apple mit einer installierten Basis von mehr als 2,5 Milliarden aktiven Geräten an Apps, Abonnements und Geräteverkäufen, ohne selbst die große Bauwelle finanzieren zu müssen. Die öffentliche Rechenzentrumsfeindschaft trifft nicht den Konzern, der die Nachfrage nach KI-Produkten monetarisiert.

Die Ambition ist gescheitert. Die Super-PACs haben die Zwischenwahlen versucht zu beeinflussen und sind auf Widerstand gestoßen. Statt Macht zu kaufen, kauften sie Misstrauen. Der politische Widerstand zwang sie in sichere Wahlkreise und unauffällige Taktiken; ihre Reputation litt, während Apple die Nachfrage abschöpfte. KI war zu kurz gedacht: Wer einen Staat lenken will, muss mehr bieten als Rechenzentren, Versprechen und Spenden. Sonst wird selbst der Versuch, den Wahlkampf zu kaufen, zum Beweis, dass die Branche ihre gesellschaftliche Lizenz verloren hat.

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