Die New York Times hat Unterstützung im Copyright-Streit gegen OpenAI und Microsoft erhalten
Die New York Times hat Verstärkung bekommen. Eine Koalition von Organisationen, die Kreative in Musik, Film, Fernsehen, darstellender Kunst und Schrift vertreten, ist in der vergangenen Woche in den Rechtsstreit eingestiegen. Sie hat Beistandsschriften, sogenannte amicus briefs, eingereicht und stellt sich damit ausdrücklich auf die Seite der Zeitung.
The New York Times has received powerful backing in its legal battle. A coalition of organizations representing creatives in music, film, television, performing arts and literature entered the lawsuit last week. The group filed amicus curiae briefs and explicitly threw its weight behind the newspaper.
Damit hat sich hinter dem umfangreichen Verfahren ein Unterstützerkreis formiert. Hollywood-Schwergewichte wie die Agenturen WME und CAA unterstützen die Copyright-Klage der Times gegen OpenAI und Microsoft. Sie stellen sich auf die Seite der Zeitung und bestreiten OpenAI, ungeschütztes Material ohne Lizenz für das Training ihrer Systeme zu nutzen.
WME reichte seine Beistandsschrift am Freitagabend ein. Zuvor hatten bereits CAA, die von Schauspielerin Cate Blanchett unterstützte Human Consent Fund sowie die Gewerkschaften SAG-AFTRA und die WGA ähnliche Schriften eingereicht. Das ist kein loses Sammeln einzelner Stimmen. Die Unterstützung aus Agenturen, Gewerkschaften und Kreativorganisationen verleiht dem Fall eine andere Dimension: Hier kämpft nicht nur eine Zeitung gegen einen Technologiekonzern. Hier formiert sich eine wirtschaftlich mächtige Gruppe, die gemeinsam Regeln für die Nutzung ihrer Arbeit durchsetzen will.
Der Prozess selbst reicht weiter zurück. Die Times hatte OpenAI und Microsoft bereits 2023 verklagt. Der Vorwurf: Die Zeitung habe ihre journalistische Arbeit zum Training von ChatGPT bereitgestellt, ohne dafür bezahlt worden zu sein. Im September beantragte die Times die(summary judgment), also eine Entscheidung ohne vollständige Prozessführung. Nach Ablauf der gegnerischen Schriften an diesem Freitag entscheidet der zuständige Richter, ob er den Fall direkt entscheidet oder zur Verhandlung schickt.
Die Eigentümer der Inhalte stehen dabei nicht gegen den Einsatz künstlicher Intelligenz als solchen. Sie streiten um die Grenzen der Nutzung. WME widerspricht der Haltung OpenAIs, es müsse für das Training seiner Systeme weitgehend freie Hand haben. Diese Linie, so das Unternehmen, halte rechtlich nicht stand. Zugleich verweist WME auf einen bereits vorhandenen Markt für Lizenzgeschäfte: OpenAI selbst hat Vereinbarungen mit News Corp und Disney geschlossen.
Dieser Hinweis ist mehr als eine Beweisbeilage. Er soll die Vorstellung zerstören, ungeklärte Rechtsfragen müssten automatisch gegen jede kommerzielle Nutzung sprächen. Eine Lizenz ist möglich, ein Vertrag existiert, der Konzern kennt diesen Weg. Was das Gericht am Ende entscheidet, wird die Rechtsfrage bleiben, ob die Trainingsnutzung geschützte Werke ohne Zustimmung verletzt. Die geschlossenen Deals belegen die Lizenzierbarkeit nicht automatisch in jedem Fall. Sie zeigen aber, dass die Forderung nach bezahlter Nutzung keine abstrakte Wunschliste ist.
Dass WME vor Gericht nicht allein auf das Urteil setzt, zeigt seine Strategie. Die Agentur hat den NO FAKES Act unterstützt, einen Gesetzesentwurf im US-Senat zum Schutz vor der unerlaubten Verwendung der Ähnlichkeit von Personen durch generative KI. Co-Chef Christian Muirhead war dafür mit Senatoren und dem Weißen Haus in Kontakt. Außerdem hat WME öffentlich gegen OpenAIs Sora opponiert. Lobbyarbeit und Prozess dienen demselben Ziel: Das technische Tempo soll rechtliche und wirtschaftliche Grenzen bekommen, die bislang nicht mit der Geschwindigkeit der Entwicklung Schritt halten.
Die vehemente Unterstützung wirkt deshalb wie mehr als Besorgnis über ein einzelnes Produkt. Sie markiert eine Front zwischen zwei Machtzentren. Auf der einen Seite stehen die traditionellen Eigentümer kreativer Arbeit: Agenturen, Gewerkschaften, Verlage, einflussreiche Organisationen. Sie verdienen daran, dass Kopien, Trainingsdaten und Bearbeitungen nicht zu einem beliebig verfügbaren Rohstoff werden. Auf der anderen Seite stehen Technologiekonzerne, deren Geschäftsmodell davon profitiert, mit möglichst umfangreichen Beständen trainieren zu können.
Der entscheidende Widerspruch liegt im Begriff des Schutzes. Eine kreative Leistung lässt sich technisch vervielfältigen. Ihr wirtschaftlicher Wert hängt aber davon ab, wer über die Bedingungen dieser Vervielfältigung verfügt. WME, CAA und die Times behaupten nicht, dass KI grundsätzlich verboten werden müsse. Sie halten fest: Wer fremdes Material zum Aufbau eigener Fähigkeiten nutzt, sollte dafür nicht wie ein Dieb behandelt werden. Das ist ein Argument für Verhandlungsmacht. Es kann zugleich ein Argument sein, die eigene Verhandlungsposition zu bewahren.
Damit rückt der Streit in die Nähe eines Stellvertreterkampfs. Die Times bringt den konkreten Fall vor Gericht. Die Kreativbranche nutzt ihn, um einen größeren Anspruch zu markieren. Das alte Geschäftsmodell der Creative Class gegen die Tech-Barons versucht nicht nur, Eigentum zu schützen. Es versucht, die Verteilung künftiger Erlöse zu bestimmen.
Die Frage lautet deshalb nicht, ob Agenturen und Verlage klagen dürfen. Sie dürfen. Offen ist, wer das trainierende System kontrolliert, wer an lizenzierter Nutzung verdient und wer den Preis einer neuen Produktionsordnung trägt. Bis alle Schriften eingereicht sind, bleibt eines sicher: Die Debatte über künstliche Intelligenz ist längst zur Verhandlung über Eigentum geworden. Wer sie gewinnt, bestimmt, was aus dem kaputten Kopieren noch folgt.
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